Was steht drauf: „The Original Caramel Nut Cluster“; Original Pecan, Milk Chocolate with Creamy Caramel and Premium Pecans; Classically Crafted Since 1916; 3 Pieces
Hüftgoldfaktor: 83,3 Kalorien pro Verzehreinheit
Erster Eindruck: Da kam also einer auf die Idee, mitten im Ersten Weltkrieg damit zu beginnen, ein in Einzelbatzenform daherkommendes Schokonaschwerk namens “Schildkröten” herzustellen. Liegt ja auch nahe. Ebenso nahe jedenfalls, wie die Batzen in ein schildkrötenrotgoldenes Mäntlein zu kleiden. Der Name rührt sicher von der überaus entfernten Ähnlichkeit mit der rücklings mitgeführten Wohnstatt und Schutzbehausung jener traditionell gemächlich ihr Tagwerk verrichtenden Sauropsiden her, dabei kommen die bezeichneten Knubbel leider ohne schmucke Musterung und ohne Extremitätenöffnungen daher. Angesichts der Form der aus ihrer Hülle befreiten und auf einer vornehmen Pappzunge servierten Batzen hätte man sie daher wohl besser „Helmets“, „plattgekloppte braune Wanzen“ oder „Zwergenfeldherrenhügel“ geheißen. Und wie sie da in ihrer reptilienhaften, poikilothermen Stoik am Tageslicht liegen, lassen sie nur einen eher schwach ausgeprägten Schokoduft wahrnehmen. Es spannt sich also hinsichtlich der Verzehrvorfreude durchaus eine gewisse kognitive Dissonanz auf zwischen den Polen überaus schmackhaft klingender Ingredienzen und dem eher schäbigen, ungrazilen, ungeschaffenen Äußeren des in Angeschmack-zu-Nehmenden.
Mundhaptik: Den Bruchteil einer Sekunde denkt man beim ersten Anbiß: „Oh nein, Lebkuchen!“, denn die Schneidezahnhaptik der Batzen mutet ganz kurz und ganz zu Beginn exakt so an, wie der Biß in einen jener unvermeidlichen, wenig geliebten, oblatenfundierten und ebenfalls formhalber schildkrötenpanzerremineszenten, schokoüberzogenen Jahresendgewürzteigtaler. Doch diese mißliche Assoziation löst sich sofort in Wohlgefallen auf, wenn sich die Verzehrmasse nach ein paar Kieferschlägen sogleich in einen nußknackig-karamellkauigen, exakt angenehmen Kauwiderstand leistenden Mundschmeichler verwandelt, der gutmütig und in eigenweltlicher Behaglich- und Behäbigkeit, ganz Schildkröte also, in den kauenden Hallen auf und ab watschelt, bis er schließlich die Reise den großen Fluß herab in den Schlund antritt. Dieses innerorale Geschehen hat etwas so stillvergnügtes, selbstgenügsames, rührend-argloses, daß man sogleich einem Verein zum Schutz bedrohter Testudinata beitreten möchte.
Geschmack: So wie der Panzer der Schildkröte ihr zu Schutz und schmuckvoller Aufbewahrung ihrer wertvollen Innereien dient, so beherbergen diese reizlosen, unscheinbaren Klötzchen das eigentlich Wichtige dieses Naschwerks in ihrem Inneren: Pekannußstücke! Diese etwas streng und sonderbar und sehr eigen mundenden Hickoryfrüchte schmecken einen aus dem fein auf sie abgestimmten und sie gut zur Geltung bringenden Passepartout aus Schokolade und Karamell mit eigentümlich starrer Intensität an. Es fühlt sich an wie die geschmackliche Entsprechung des vorwurfsvollen aber auch resignativen und doch milde verzeihenden Blicks aus den feuchten, unergründlichen Augen des letzten Exemplars einer Schildkrötenart, die mit ihm zusammen aussterben wird, der Dir sagt: „Ihr habt uns ausgerottet, totgeschlagen und aufgegessen wo immer ihr uns fandet, wir haben keinen Widerstand geleistet und mit mir stirbt die letzte von uns, das Leiden hat jetzt ein Ende. Doch ich zürne Euch nicht, Ihr seid nur Menschen, eine junge, brutale und jammervoll verworfene Spezies, die sich dereinst, als erste und einzige Art in der Geschichte des Lebens, ihr eigenes Ende bereiten wird – wir vergeben Euch, denn Ihr wißt es nicht besser…“. Genauso schmecken Turtles.
Fazit: Ein sehr besonderes Naschwerk oder: drei Batzen für melancholisch-nostalgische Hobbyherpetologen.
Freitag, 27. Oktober 2017
Freitag, 20. Oktober 2017
Riegelverkostung – SKOR
Was steht drauf: Delicious Milk Chocolate / Crisp Butter Toffee
Hüftgoldfaktor: 210 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Das also ist der Riegel des verruchten Hauses Skor aus den sonnenverwöhnten mörderischen südlichen Reichen. Haus Skor, mit seinem Wappen der goldenen Krone auf schwarzem Grund vor blutroter Sonnenscheibe, das sich auch auf der rabenschwarzen Riegelumhüllung findet. Schwarz, wie die fruchtbare Erde dieses Landes, Schwarz wie die nächtlichen Gewänder seiner Bewohner und Schwarz wie ihre verdorbenen Seelen, worin es sie in ihren in längst vergessene Zeiten zurückreichenden Fehden nach Blutrache und bitterer Vergeltung dürstet. Und so wie das Land der Skor, flach und weit und dunkel, den Boden durchsetzt mit güldenen Erzen, daraus sie vor Äonen ihre berüchtigte Krone schlugen, so wird auch ihr Hofriegel dargestellt. Zieht man den Naschbarren aus seiner Scheide, offenbaren sich auf seinem schokoladenen Überzug dieselbe komplizierte und kunstvoll intarsierte Ziselierung, die selben beiden paarigen Blutkehlen, die die skorischen Waffenschmiede seit Menschengedenken ihren gefürchteten schwarzen Schwertklingen eintreiben. Der sparsame Schokogeruch dieses Hungertöters, dieses Notung unter den Süßwaren, hat etwas strenges, diszipliniertes, bitteres und versagt die Preisgabe jedes Hinweises auf noch in ihm verborgene Schätze.
Mundhaptik: Man kaut hier eine Allegorie auf das Leben, wie es die Skorer nicht anders kennen. Unter einem hauchdünnen bittersüßen Firnis, hinter einer vordergründig den Schein wahrenden, milde gefälligen aber doch fast durchscheinenden Fassade wartet nur beinerne, unnachgiebige karamellene Härte, alle Härte eines Lebens, das kurz ist und spröde und bei aller Härte doch so zerbrechlich. Ein Sprichtwort in Skor lautet nicht umsonst: Wenn Du fällst wird nur der harte Grund Dich fangen. Schon früh händigen skorische Mütter ihren Kindern diese Riegel aus, damit sie daran lernen, nicht zu stürzen: Skor kann man nicht kauen, nicht genießerisch am Gaumen zerdrücken und zergehen lassen, nein, man muß ihn brechen und zertrümmern, muß seine Struktur zerstören, um ihn herunterzubekommen und wie das Zersplittern und Zerspringen spröden Schiefers, das schleifende Zerriebenwerden scharfkantigen Splitts tönt es aus dem sich abmühenden Mund, in den man einen Skor gestochen und in dieser Wunde abgebrochen hat.
Geschmack: Wenn man sich aber dieser gnadenlosen, harten Lebensschule, dieser peroralen Splitterbombe, den Zumutungen dieses grimme Züchtigung gewordenen Naschwerks duldsam unterwirft, so entfaltet es mit seinen zerschellenden karamellenen Schrapnellen ein ernstes, röstnotenreiches, firmes und lange, wie ein Echo nachklingendes Geschmackserlebnis aus reinem, vollbandigem, breitwandigem und alle denkbaren dieser Substanz zuzueignenden gustatorischen Farben und Schattierungen einendem Karamell. Es ist, als wollte Skor uns lehren, Schönheit auch noch im Allerkärgsten zu suchen, als wollte es uns die bittere Erkenntnis unserer kleiner Leben Kürze mit einem süßen, letzten Epitaph vergelten:
Vielleicht, daß wir durch Skores Härte gehen,
in karger Süße, wie ein Erz allein,
und sind so tief, daß wir das Ende sehen
und alle Fernen wurden Nähen
und alle Nähen werden Stein.
Fazit: Skor zu essen ist so paradox, wie sich an einer versteinerten, stoisch-nihilistischen Ethik zu erfreuen, die lehrt, daß Hoffnung für die Schwachen ist und sich, die Hoffnungslosigkeit während der zwei Wimpernschläge, die das Leben andauert, umarmend, an der eigenen Stärke zu erfreuen. Man muß sich Sisyphos als einen Skor-Esser vorstellen.
Hüftgoldfaktor: 210 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Das also ist der Riegel des verruchten Hauses Skor aus den sonnenverwöhnten mörderischen südlichen Reichen. Haus Skor, mit seinem Wappen der goldenen Krone auf schwarzem Grund vor blutroter Sonnenscheibe, das sich auch auf der rabenschwarzen Riegelumhüllung findet. Schwarz, wie die fruchtbare Erde dieses Landes, Schwarz wie die nächtlichen Gewänder seiner Bewohner und Schwarz wie ihre verdorbenen Seelen, worin es sie in ihren in längst vergessene Zeiten zurückreichenden Fehden nach Blutrache und bitterer Vergeltung dürstet. Und so wie das Land der Skor, flach und weit und dunkel, den Boden durchsetzt mit güldenen Erzen, daraus sie vor Äonen ihre berüchtigte Krone schlugen, so wird auch ihr Hofriegel dargestellt. Zieht man den Naschbarren aus seiner Scheide, offenbaren sich auf seinem schokoladenen Überzug dieselbe komplizierte und kunstvoll intarsierte Ziselierung, die selben beiden paarigen Blutkehlen, die die skorischen Waffenschmiede seit Menschengedenken ihren gefürchteten schwarzen Schwertklingen eintreiben. Der sparsame Schokogeruch dieses Hungertöters, dieses Notung unter den Süßwaren, hat etwas strenges, diszipliniertes, bitteres und versagt die Preisgabe jedes Hinweises auf noch in ihm verborgene Schätze.
Mundhaptik: Man kaut hier eine Allegorie auf das Leben, wie es die Skorer nicht anders kennen. Unter einem hauchdünnen bittersüßen Firnis, hinter einer vordergründig den Schein wahrenden, milde gefälligen aber doch fast durchscheinenden Fassade wartet nur beinerne, unnachgiebige karamellene Härte, alle Härte eines Lebens, das kurz ist und spröde und bei aller Härte doch so zerbrechlich. Ein Sprichtwort in Skor lautet nicht umsonst: Wenn Du fällst wird nur der harte Grund Dich fangen. Schon früh händigen skorische Mütter ihren Kindern diese Riegel aus, damit sie daran lernen, nicht zu stürzen: Skor kann man nicht kauen, nicht genießerisch am Gaumen zerdrücken und zergehen lassen, nein, man muß ihn brechen und zertrümmern, muß seine Struktur zerstören, um ihn herunterzubekommen und wie das Zersplittern und Zerspringen spröden Schiefers, das schleifende Zerriebenwerden scharfkantigen Splitts tönt es aus dem sich abmühenden Mund, in den man einen Skor gestochen und in dieser Wunde abgebrochen hat.
Geschmack: Wenn man sich aber dieser gnadenlosen, harten Lebensschule, dieser peroralen Splitterbombe, den Zumutungen dieses grimme Züchtigung gewordenen Naschwerks duldsam unterwirft, so entfaltet es mit seinen zerschellenden karamellenen Schrapnellen ein ernstes, röstnotenreiches, firmes und lange, wie ein Echo nachklingendes Geschmackserlebnis aus reinem, vollbandigem, breitwandigem und alle denkbaren dieser Substanz zuzueignenden gustatorischen Farben und Schattierungen einendem Karamell. Es ist, als wollte Skor uns lehren, Schönheit auch noch im Allerkärgsten zu suchen, als wollte es uns die bittere Erkenntnis unserer kleiner Leben Kürze mit einem süßen, letzten Epitaph vergelten:
Vielleicht, daß wir durch Skores Härte gehen,
in karger Süße, wie ein Erz allein,
und sind so tief, daß wir das Ende sehen
und alle Fernen wurden Nähen
und alle Nähen werden Stein.
Fazit: Skor zu essen ist so paradox, wie sich an einer versteinerten, stoisch-nihilistischen Ethik zu erfreuen, die lehrt, daß Hoffnung für die Schwachen ist und sich, die Hoffnungslosigkeit während der zwei Wimpernschläge, die das Leben andauert, umarmend, an der eigenen Stärke zu erfreuen. Man muß sich Sisyphos als einen Skor-Esser vorstellen.
Freitag, 6. Oktober 2017
Riegelverkostung - [unbekannt 2]
Dieser Kamerad unleserlichen Namens wurde in Südkorea verhaftet und
reiste mit mir zurück ins Land der Langnasen, wo er seinem gerechten
Verzehr zugeführt wurde.
Was steht drauf: Premium und allerhand koreanisches Kauderwelsch.
Hüftgoldfaktor: 180 Kalorien dat Stück.
Erster Eindruck: Offenbar ein Akademiker-Riegel. Man verzichtet hier auf grelle Farben, wüste Logos, Abbildungen des bereits angebissenen Riegels und was der optischen Zerstreuungen und hyperbolischen Annoncen sonst auf Schokobarrenumverpackungen gerne zu finden sind. Stattdessen kündigt feine goldene Schreibschrift in gebildet wirkenden lateinischen Lettern ein "Premium"-Produkt an und selbst die rote Sprechblase, die der koreanische Riegelname von sich gibt, trägt einen Doktorhut. Das ganze findet auf einem pastellgelben Hintergrund statt, auf dem an Notenblätter erinnerne Linierungen Orientierung und Struktur verleihen. Es ist anzunehmen, daß es sich bei dieser Verzehreinheit um die selbst von koreanischen Tigermüttern gutgeheißene Ernährungsergänzung handelt, mit der die kleine Shin-Li nach einem 12-Stunden-Tag an der Uni, wo sie mit 6 schon Medizin studiert, sich vor dem abendlichen Violinmeisterkurs rasch den ansonsten allzu dissonant belfernden Hungerdämon austreiben darf, aber nicht überteiben (nur 180 Kalorien), man will ja die Teilnahme bei der Miss Sokcho-Wahl nicht gefährden.
Nach Abstreifen des gestreiften Leibchens kommt ein kurzer, kompakt anmutender, eher scharfkantiger Schokoquader zum Vorschein, der mit mittelfeinen Schokowellen überzogen ist und in seinem korrespondierenden Schokoaroma unterschwellige Nußanteile enthält. Sicher ist die Zusammensetzung des Riegels wissenschaftlich auf maximal effizienze Leistungssteigerung hin optimiert.
Mundhaptik: Ein Kaugefühl wie eine asketische Studierstube. Aufgeräumt wirkt das Riegelinnere, ordentlich, spartanisch fast. Unter der oberen Schokoschicht liegt eine ganz dünne karamellartige Lamelle, der man aber das barocke, wonnevolle Fädenziehen ausgetrieben hat. Sie ist nonfluid und kompakt und wirkt wie ein schurwollener Läufer auf kaltem Parkett vor hartem Bett. Direkt unter der Lamelle sind über die Riegellänge hintereinander einzelne Erdnusshälften angeordnet, wie die wenigen, kargen Möbel derer der Zögling in seiner Klause bedarf. Diese Nüsse sollen keine Freude sondern satt machen, sie haben einen Zweck, ihre Anzahl ist bekannt, sie sind berechnet. Das harte Bett schließlich, das die Naschentsprechung einer kurzen, traumlosen und effizienten Nachtruhe ermöglichen soll, bildet den Hauptteil des Volumens: eine Schicht einer cremehellbeigen Candymasse, die zu trocken, zäh und porös ist, um noch als Creme durchzugehen und einen süffig-kauigen Schmausespaß zu vermitteln, aber dafür sicher nahrhaft, vernünftig und ausgewogen ist. Beim Kauen des ganzen denkt man unvermittelt an all die Dinge, die noch zu tun sind, all die Pflichten, die noch der Erfüllung harren, all das Ungetane, durch das man schwer und wie gebunden geht.
Geschmack: Wie ein Snickers, dem man die Seele geraubt hat oder das an karoshi gestorben ist und nun spukend das Naschregal heimsucht, ein bißchen süß, ein bißchen erdnussig, kaum schokoladig und null karamellig. Das Ding schmeckt unmißverständlich auf eine genußverweigernde Weise. Da ist nichts ausladendes, nichts übersüßes, nichts schmackofatziges. Es ist ein ferner, ein zähneknirschend zugestandener Geschmack, der gerade eben über die Notwendigkeit, sich hiermit ernähren zu müssen, hinwegrettet und ich stelle mir die enttäuschten Mandelaugen jenes kleinen Geigenmädchens vor, daß sich nach einem langen Tag auf harten Hörsalhockern auf einen Schokoriegel freut, um sich für's Fideln zu stärken und das dann nur diesen asketischen schmeckenden Laumann, diese dionysische Verneinung, diesen mageren Freudenknauser, diesen armen, blassen Nährholm in ihrer Tasche findet. Verdrießliche Effizienz ist keine Geschmacksrichtung, die ich schätze.
Fazit: Ein Riegel wie eine von einer blechernen, herrischen Stimme geleierte Durchhalteparole. Da kommt keine Freude auf.
Was steht drauf: Premium und allerhand koreanisches Kauderwelsch.
Hüftgoldfaktor: 180 Kalorien dat Stück.
Erster Eindruck: Offenbar ein Akademiker-Riegel. Man verzichtet hier auf grelle Farben, wüste Logos, Abbildungen des bereits angebissenen Riegels und was der optischen Zerstreuungen und hyperbolischen Annoncen sonst auf Schokobarrenumverpackungen gerne zu finden sind. Stattdessen kündigt feine goldene Schreibschrift in gebildet wirkenden lateinischen Lettern ein "Premium"-Produkt an und selbst die rote Sprechblase, die der koreanische Riegelname von sich gibt, trägt einen Doktorhut. Das ganze findet auf einem pastellgelben Hintergrund statt, auf dem an Notenblätter erinnerne Linierungen Orientierung und Struktur verleihen. Es ist anzunehmen, daß es sich bei dieser Verzehreinheit um die selbst von koreanischen Tigermüttern gutgeheißene Ernährungsergänzung handelt, mit der die kleine Shin-Li nach einem 12-Stunden-Tag an der Uni, wo sie mit 6 schon Medizin studiert, sich vor dem abendlichen Violinmeisterkurs rasch den ansonsten allzu dissonant belfernden Hungerdämon austreiben darf, aber nicht überteiben (nur 180 Kalorien), man will ja die Teilnahme bei der Miss Sokcho-Wahl nicht gefährden.
Nach Abstreifen des gestreiften Leibchens kommt ein kurzer, kompakt anmutender, eher scharfkantiger Schokoquader zum Vorschein, der mit mittelfeinen Schokowellen überzogen ist und in seinem korrespondierenden Schokoaroma unterschwellige Nußanteile enthält. Sicher ist die Zusammensetzung des Riegels wissenschaftlich auf maximal effizienze Leistungssteigerung hin optimiert.
Mundhaptik: Ein Kaugefühl wie eine asketische Studierstube. Aufgeräumt wirkt das Riegelinnere, ordentlich, spartanisch fast. Unter der oberen Schokoschicht liegt eine ganz dünne karamellartige Lamelle, der man aber das barocke, wonnevolle Fädenziehen ausgetrieben hat. Sie ist nonfluid und kompakt und wirkt wie ein schurwollener Läufer auf kaltem Parkett vor hartem Bett. Direkt unter der Lamelle sind über die Riegellänge hintereinander einzelne Erdnusshälften angeordnet, wie die wenigen, kargen Möbel derer der Zögling in seiner Klause bedarf. Diese Nüsse sollen keine Freude sondern satt machen, sie haben einen Zweck, ihre Anzahl ist bekannt, sie sind berechnet. Das harte Bett schließlich, das die Naschentsprechung einer kurzen, traumlosen und effizienten Nachtruhe ermöglichen soll, bildet den Hauptteil des Volumens: eine Schicht einer cremehellbeigen Candymasse, die zu trocken, zäh und porös ist, um noch als Creme durchzugehen und einen süffig-kauigen Schmausespaß zu vermitteln, aber dafür sicher nahrhaft, vernünftig und ausgewogen ist. Beim Kauen des ganzen denkt man unvermittelt an all die Dinge, die noch zu tun sind, all die Pflichten, die noch der Erfüllung harren, all das Ungetane, durch das man schwer und wie gebunden geht.
Geschmack: Wie ein Snickers, dem man die Seele geraubt hat oder das an karoshi gestorben ist und nun spukend das Naschregal heimsucht, ein bißchen süß, ein bißchen erdnussig, kaum schokoladig und null karamellig. Das Ding schmeckt unmißverständlich auf eine genußverweigernde Weise. Da ist nichts ausladendes, nichts übersüßes, nichts schmackofatziges. Es ist ein ferner, ein zähneknirschend zugestandener Geschmack, der gerade eben über die Notwendigkeit, sich hiermit ernähren zu müssen, hinwegrettet und ich stelle mir die enttäuschten Mandelaugen jenes kleinen Geigenmädchens vor, daß sich nach einem langen Tag auf harten Hörsalhockern auf einen Schokoriegel freut, um sich für's Fideln zu stärken und das dann nur diesen asketischen schmeckenden Laumann, diese dionysische Verneinung, diesen mageren Freudenknauser, diesen armen, blassen Nährholm in ihrer Tasche findet. Verdrießliche Effizienz ist keine Geschmacksrichtung, die ich schätze.
Fazit: Ein Riegel wie eine von einer blechernen, herrischen Stimme geleierte Durchhalteparole. Da kommt keine Freude auf.
Freitag, 15. September 2017
Riegelverkostung - [unbekannt 1]
Dieser Kamerad unleserlichen Namens wurde in Südkorea verhaftet und reiste mit mir zurück ins Land der Langnasen, wo er seinem gerechten Verzehr zugeführt wurde.
Was steht drauf: "Almond & Peanut" und allerhand koreanisches Kauderwelsch. Mit Ausrufezeichen!!
Hüftgoldfaktor: 249 Kalolien dat Stück
Erster Eindruck: Der unsterbliche Elolras, vermutlich ein mandeläugig-enigmatischer Elf der das Versteckspiel liebt, sendet uns diesen Riegel aus Fernost. Dieser Eindruck drängt sich ja förmlich auf, wenn man den im rotblauen Habit daherkommenden Naschbarren einmal um 180° propellert und sich der vermeintlich koreanische Schriftzug, weiß auf blauem Grund, in "Elolras" gefolgt vom ägyptischen Henkelkreuz, dem Symbol für Unsterblichkeit, verwandelt. Aus dem comichaft dargestellten Riegelquerschnitt schießt einem schon ein vorwitziges Mandeltorpedo entgegen, dessen Form an eines jener Einmann-Unterseeboote erinnert, die in der Einsamkeit der tiefblauen Abgründe der Ozeane, weit entfernt vom Mutterschiff, schweben und nach etwas versunkenem suchen. Es ist, als greife der Riegel nach einem, das Verzehrtwerden, Einswerden mit dem Verzehrer herbeiwünschend. Vielleicht ist es genau das, was Elolras, der uns auf dem Riegel eine geheime Botschaft sandte, ersehnt, weil sein Geist darin gefangen ist und man ihn mit der Aufzehrung dieses seines Gefängnisses endlich vom Fluche der Unsterblichkeit freisetzen kann. Man weiß es nicht, aber naheliegend ist es sicher.
Unter der Schutzhülle kommt ein von der Reise nicht ganz unversehrter aber doch einfacher und unspektakulärer Korpus zum Vorschein, der auf einer leichten Schokothermik bereits olfaktorische Handreichungen seines erdnussigen Inhalts preisgibt.
Mundhaptik: Es knacket die Mandel beim forschen Anbiß. Knack knack, knack knack... ich schweife ab, doch es knackt wirklich und dann wird es es auch gleich auf eine Weise zäh-kauig im Mund, die auf der einen Seite hart am kautschukartigen auf der anderen Seite haarscharf am Steppentrockenen vorbeischrammt und gerade eben noch angenehm bleibt. Es ist nicht auf- oder anregend, nicht gaumenschmeichelnd noch zungekosend, das Mundgefühl ist brav, pflichtbewußt, funktional, dem Zwecke untergeordnet. So stelle ich mir das Lembas-Brot der Elfen oder die mundhaptische Entsprechung des edlen achtfachen Pfades des Siddharta Gautama vor.
Geschmack: Eckstein, Eckstein, alles muß versteckt sein. Es ist dieser Barren doch wahrlich ein enigmatischer Schmausekumpan, so rätselhaft und fremd wie jenes ferne Land der Kirschblüten und der Morgenstille, aus dem er kommt und der schmeckt, als hätte sich ein Nuts in einem Snickers versteckt, in dem sich Mandeln versteckt haben. Letztere so gut, daß man sie nur an ihrem Knacken erahnen, nicht mehr aber an ihrem Geschmack auszumachen vermag, so wie man das Kind, das sich hinter dem Vorhang versteckt hat, nicht an den drunter hervorlugenden Schuhspitzen erkennen kann. Der Geschmackssinn wird so in ein Labyrinth geschickt, einen Irrgarten mit unzähligen Abzweigungen, Umwegen und falschen Fährten, in dem man immer, wenn man einen Ausweg erraten oder endlich das Versteck von Elolras gefunden zu haben meint und dem Pfade eilfertig folgt, wieder nur an eine Stelle gelangt, an der man schon war und begreift, daß man im Kreis gelaufen ist und schließlich zu verstehen beginnt, daß immer schon der Weg das Ziel und ein Ankommen nie vorgesehen war.
Fazit: Ein Riegel wie ein dharmisches Rätsel an dem Buddha sicher seine Freude gehabt hätte
Was steht drauf: "Almond & Peanut" und allerhand koreanisches Kauderwelsch. Mit Ausrufezeichen!!
Hüftgoldfaktor: 249 Kalolien dat Stück
Erster Eindruck: Der unsterbliche Elolras, vermutlich ein mandeläugig-enigmatischer Elf der das Versteckspiel liebt, sendet uns diesen Riegel aus Fernost. Dieser Eindruck drängt sich ja förmlich auf, wenn man den im rotblauen Habit daherkommenden Naschbarren einmal um 180° propellert und sich der vermeintlich koreanische Schriftzug, weiß auf blauem Grund, in "Elolras" gefolgt vom ägyptischen Henkelkreuz, dem Symbol für Unsterblichkeit, verwandelt. Aus dem comichaft dargestellten Riegelquerschnitt schießt einem schon ein vorwitziges Mandeltorpedo entgegen, dessen Form an eines jener Einmann-Unterseeboote erinnert, die in der Einsamkeit der tiefblauen Abgründe der Ozeane, weit entfernt vom Mutterschiff, schweben und nach etwas versunkenem suchen. Es ist, als greife der Riegel nach einem, das Verzehrtwerden, Einswerden mit dem Verzehrer herbeiwünschend. Vielleicht ist es genau das, was Elolras, der uns auf dem Riegel eine geheime Botschaft sandte, ersehnt, weil sein Geist darin gefangen ist und man ihn mit der Aufzehrung dieses seines Gefängnisses endlich vom Fluche der Unsterblichkeit freisetzen kann. Man weiß es nicht, aber naheliegend ist es sicher.
Unter der Schutzhülle kommt ein von der Reise nicht ganz unversehrter aber doch einfacher und unspektakulärer Korpus zum Vorschein, der auf einer leichten Schokothermik bereits olfaktorische Handreichungen seines erdnussigen Inhalts preisgibt.
Mundhaptik: Es knacket die Mandel beim forschen Anbiß. Knack knack, knack knack... ich schweife ab, doch es knackt wirklich und dann wird es es auch gleich auf eine Weise zäh-kauig im Mund, die auf der einen Seite hart am kautschukartigen auf der anderen Seite haarscharf am Steppentrockenen vorbeischrammt und gerade eben noch angenehm bleibt. Es ist nicht auf- oder anregend, nicht gaumenschmeichelnd noch zungekosend, das Mundgefühl ist brav, pflichtbewußt, funktional, dem Zwecke untergeordnet. So stelle ich mir das Lembas-Brot der Elfen oder die mundhaptische Entsprechung des edlen achtfachen Pfades des Siddharta Gautama vor.
Geschmack: Eckstein, Eckstein, alles muß versteckt sein. Es ist dieser Barren doch wahrlich ein enigmatischer Schmausekumpan, so rätselhaft und fremd wie jenes ferne Land der Kirschblüten und der Morgenstille, aus dem er kommt und der schmeckt, als hätte sich ein Nuts in einem Snickers versteckt, in dem sich Mandeln versteckt haben. Letztere so gut, daß man sie nur an ihrem Knacken erahnen, nicht mehr aber an ihrem Geschmack auszumachen vermag, so wie man das Kind, das sich hinter dem Vorhang versteckt hat, nicht an den drunter hervorlugenden Schuhspitzen erkennen kann. Der Geschmackssinn wird so in ein Labyrinth geschickt, einen Irrgarten mit unzähligen Abzweigungen, Umwegen und falschen Fährten, in dem man immer, wenn man einen Ausweg erraten oder endlich das Versteck von Elolras gefunden zu haben meint und dem Pfade eilfertig folgt, wieder nur an eine Stelle gelangt, an der man schon war und begreift, daß man im Kreis gelaufen ist und schließlich zu verstehen beginnt, daß immer schon der Weg das Ziel und ein Ankommen nie vorgesehen war.
Fazit: Ein Riegel wie ein dharmisches Rätsel an dem Buddha sicher seine Freude gehabt hätte
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| Elolras, der Unsterbliche |
Freitag, 31. März 2017
Riegelverkostung – Marvellous Creations „Rocky Mallow Road“
Was steht drauf: NEW Cadbury Dairy Milk
Hüftgoldfaktor: 240 Kalorien dat Stück.
Erster Eindruck:
Die Nachtclowns haben den Krieg erklärt und ab sofort wird zurückgenossen. Anders
läßt sich die Darstellungen auf der metallic-violett grundierten Umhüllung
dieses Riegels wohl nur schwerlich deuten, denn unten im rechten Eck steht vor
bestirntem Nachthimmel die albern aussehende und ganz aus Schokolade gemachte
Zirkuskanone und kartätscht eine Garbe erdbeerroter Quader, rosafarbener
Zylinder und keksbeiger Brocken auf einer das „Marvellous Creations“-Logo
überspannende Parabelbahn ins Unbestimmte. Den dunklen Clown, der sie
abfeuerte, wird man sich ja wohl noch selber dazu denken können. Ja ja, man weiß
es ja, Marvellous Creations Riegel sind verrückt und machen keinen Hehl daraus,
weshalb zu hoffen steht, daß jene Kriegserklärung nicht dem guten Geschmack galt.
Unter der Hülle finden sich die bekannten individuell und
jeweils anders geformten und oberflächenstrukturierten Verzehreinheiten, die
diesen Riegulanten (ein Hybridwort aus Riegel und Querulant) jedem Anankastiker
einige schwere Momente bescheren lassen und zugleich sicherstellen wird, daß
der avisierte Riegelcharakter als ausdrücklich unkonventionelles unangepaßtes
Naschgut auch noch von borniertesten, holzhammervermittlungsbedürftigsten
Verzehraspiranten erkannt wird.
Endgültig vervollständigt wird der Gesamteindruck des
strategischen Nonkonformnaschmus’ durch den Geruch des braunen Barrens, der
neben der üblichen breiten und tragenden Schokotonika – ich bin versucht, zu
sagen: beängstigenderweise auch Erdbeerjoghurt-Obertöne enthält.
Mundhaptik: Würde
man einem abendfeinen Gentleman im Smoking mit edlem Kummerbund und glänzenden
Lackschuhen eine riesige Goldkette mit der strassbesetzten Buchstabenfolge YOLO
umhängen und ihn mit einem roten Irokesen frisieren? Würde man mitten in der
Mondscheinsonate kurz den Flohwalzer spielen? Würde man in einem
vollendet-harmonischen japanischen Garten mit Pagode und Pergola ein
neonfarbenes Aufblasungetüm aufstellen, in dem fettiger Nachwuchs schreiend zu
planschen kommt? Nein. Das würde man nicht. Warum also in einen Riegel aus an
sich feiner Grundschokolade zähe rote Erdebeerbatzen, schwammige rosane Minimarshmellows
und mehlig-trockene Bisquitfragmente hineindilettieren? Weil man anders sein
will, ja, ja, ist verstanden worden. Kann man ja ruhig so machen, aber dann
isses (und ißt es sich) halt Kacke.
Geschmack: Jetzt
wünscht man sich fast, es wäre anders. Denn dieser schräge Fürst von einem
Riegel schmeckt genau so, wie man erwarten würde, daß eine Mischung aus
Schokolade, Erdbeerkonfekt, Marshmallows und keksoidem Gebrösel schmeckt: so
mittel. Krachsüß und gar nicht mal so stimmig, wenn nicht sogar eine Idee
verstörend. Und während man sich so kopfschüttelnd durch diese krude Melange mampft,
sieht man vor seinem geistigen Auge förmlich die maliziösen Nachtclowns neben
ihrer Kanone bei der Vorbereitung dieses naschklearen Erstschlag auf Geschmack,
Sinn, Verstand und Ratio und auf die Frage ihres düster-lustigen Anführers Che
Gue-HAHA „Wat muß denn wech?!“ beginnen sie, das Geschütz mit all jenem Zeug zu
stopfen, das noch seit letztem Fasching ’rumliegt und das selbst sie nicht
mögen.
Freitag, 24. März 2017
Riegelverkostung - Yorkie Original
Was steht drauf: no artificial colours*, flavours or
preservatives; Chunky with Chocolate; Man Fuel for Man Stuff
Hüftgoldfaktor: 249 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck:
Was weiß man schon über York? Sie haben ein kolossales Münster dort, das ebenso
klotzig und gravitätisch - nur weniger gelb – die „ewige Stadt“ beherrscht, wie
die blutrot umrandeten Lettern des Yorkie Schriftzugs die Hülle dieses Riegels
auf ihrer Grundierung im melancholischen, tiefsten Ozeanblau.
Düster, scharf und mit verweigernder Gebärde ganz wie die
Zinnen, Scharten und Erker jener gotischen Kathedrale der nördlichen Reiche
ragen auch die amputiert und unvollendet wirkenden Schokoladentrapezoeder von
Yorkie aus einem flachen, glatten Schokoladenfundament in die Höhe. Betrachtet
man die fünf gleichförmigen Höcker eine Weile lang, bis der Blick verschwimmt,
so vermittelt sich unwillkürlich der Eindruck tiefster, tiefster Einsamkeit,
der Einsamkeit verlassener, vergessener, moosbedeckter Grabeshügel lange schon
namenloser Toter in einem uralten, wilden Tal, dessen Stille nichts und niemand
mehr zu stören wagen darf.
Auch sein Geruch kündet von Sehnsucht und Vergängnis. Etwas
schweres ist darin und etwas altes, das zu verharren scheint und zurückbleiben und
uns vergessen wird, wenn wir gegangen sind.
Mundhaptik: Yorkie
sei, so heißt es, Männer-Kraftstoff für Männersachen. Damit kann nur das Beißen
und Kauen von Yorkie gemeint sein, das in etwa die mundhaptische Entsprechung
der Tätigkeit jener Schwerstarbeiter sein dürfte, die seinerzeit die Meilen um
Meilen eiserner Trassen legten, welche jenen Ort der Eibenbäume mit dem
Herzschlag der Welt verbinden sollten. Und so wie ihr Leben, einfach und hart, verspeisen
sich auch die fünf coupierten Monolithen Yorkies, die aus reiner,
unverfälschter, unverzierter Schokolade bestehen, ohne Talmi und
Schierschandudel. Man gehet hier durch schwere Berge, in harten Adern wie ein
Erz, allein.
Geschmack: Das gustatorische Unisono der schokoladenen
Ausschließlichkeit im Geschmack dieses Riegels unterstellt uns für einen
Augenblick der großen Melancholie endloser Ebenen, die sich wie ein braunes
Mönchsgewand um all das ungelebte Leben legt. Und solange wir noch schmecken, schweifen
unsere Blicke sehnend über jene fernen Horizonte, die wir Lebenden, so weit wir
auch wandern, doch nie erreichen können...
Fazit: Yorkie zu
essen entfesselt die Saudade des Nordens, das nostalgische Gefühl, etwas
Geliebtes verloren zu haben, die leise aber unwiderlegliche Ahnung vom Unglück
und der Gewißheit, die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können,
da es wohl nicht wiederkehren wird…
Freitag, 3. März 2017
Riegelverkostung – Korovka
45 Was steht drauf:
Cremiger Milchgeschmack – Baked milk taste; 2 Waffelriegel, 2 Wafer sticks in
pack, Keine künstlichen Farbstoffe
Hüftgoldfaktor:
137 Kalorien pro Einzelriegel
Erster Eindruck:
Da, da, wen will denn der Tovaritsch Russkie hier hinters Licht führen? Soll
man sich so, wie auf der Verpackung dargestellt etwa Rußland vorstellen? Schöne
blaue Himmel mit gemütlichen weißen Wattewölkchen über sanft geschwungenen, sattgrünen
Hügeln, auf denen in Sichtweite eines pittoresken Dörfchens mit uriger Windmühle
eine dicke, braungescheckte Kuh zufrieden lächelnd ein gewaltiges Gänseblümchen
mümmelt? Darunter appetitlich angerichtete Schokoriegel nebst sonnengereiften
Weizenähren auf stilisierten Wellen aus Milch? Come on!
Realistisch wäre doch wohl eher der aufgeplatzte und
madendurchwühlte Kadaver eines verhungerten Milchviehs auf einem elenden,
versalzenen Flecken unfruchtbarer Erde im sauren Regen unter einem schwärenden,
fabrikabgasgrauen Himmel, in dessen brandigem, aufgetriebenen Wanst sich
struppige Aaskrähen um die letzten Fetzen fauligen Pansens balgen, während im
Hintergrund ein Journalist von einem 5-köpfigen und 8-zähnigen Bauernmob mit
Hämmern und Sicheln im flackernden Schein einer in Brand geratenen
Schwarzbrennerei aus seiner Datscha gejagt wird, der man sogleich den roten
Hahn aufs Dach setzt, um dort einen neuen, noch größeren Thron samt
Pferdekoppel für Vladimir den ersten und schrecklichen errichten zu können.
Aber vielleicht tue ich dem Riegelfreund ja auch unrecht,
also mal runter mit dem Mäntlein und sogleich einen schlanken, schwach
oberflächenstrukturierten Schokowaffelbarren, breit wie Stalins Schnorres,
freigelegt, der interessanterweise weniger nach Schoko als ganz distinkt nach der
weißen Phase in jenem schwarz-weißen Brotaufstrich aus Kindertagen duftet.
Mundhaptik: Tja,
im Osten nix Neues, würde ich sagen. Speist sich exakt so, wie man es von in
einen dünnen Schokojanker gewandeten Waffellamellen erwarten würde, derer vier
übereinander gestapelt mittels der olfaktorisch schon antizipierten Milchcreme
an- und relativ zueinander befestigt und stabilisiert sind. So knuspert und
bröselt es leidlich daher und mit etwas Phantasie und nichts besserem zu tun
könnte man versuchen, aus dem trockenen Geknarze und Gekrache aus dem eigenen
Mund so etwas herauszuhören wie: Tovaritsch Pschemek wijellst Du
Mijellchkrrremschnijette!?
Geschmack: Das
Dörfchen eben war wohl doch nur ein potemkinsches, denn das bukolische
Taiga-Idyll seiner Verpackung läßt sich dieser geminiden Knusperkolchose nun beim
besten Willen nicht abschmecken. Zu einer vordergründigen, industriellen
Grundsüße gesellt sich widerwillig und zögerlich und dabei eventuell
anklingende Schoko- oder Waffelnoten feist wegspachtelnd ein überaus künstlicher
Cremegeschmack, der in etwa soviel mit dem Geschmack des beliebten weißen
Paarhufersafts zu tun hat, wie die Figur einer Babuschka-Puppe mit 90-60-90,
wie eine Stalinorgel mit einer Silbermannorgel oder wie russisches Roulette mit
einer richtig guten Idee. Das ganze schmeckt zwar nicht gerade übel, aber eben
so aufregend oder überraschend, wie eine zweistündige, schwarzweiße Dokumentation
aus den 70er-Jahren über das allmähliche Schalwerden lauwarmen Wassers auf
Russisch mit usbekischen Untertiteln zu sehen. Ohne Russisch zu können,
versteht sich. Und Uskbekisch.
Fazit: Etwas mehr
Glasnost bei der Verpackung, dann klappt’s auch mit der Perestroika beim
Geschmack. Sa starovje noch eins!
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