Freitag, 20. Oktober 2017

Riegelverkostung – SKOR

Was steht drauf: Delicious Milk Chocolate / Crisp Butter Toffee

Hüftgoldfaktor: 210 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Das also ist der Riegel des verruchten Hauses Skor aus den sonnenverwöhnten mörderischen südlichen Reichen. Haus Skor, mit seinem Wappen der goldenen Krone auf schwarzem Grund vor blutroter Sonnenscheibe, das sich auch auf der rabenschwarzen Riegelumhüllung findet. Schwarz, wie die fruchtbare Erde dieses Landes, Schwarz wie die nächtlichen Gewänder seiner Bewohner und Schwarz wie ihre verdorbenen Seelen, worin es sie in ihren in längst vergessene Zeiten zurückreichenden Fehden nach Blutrache und bitterer Vergeltung dürstet. Und so wie das Land der Skor, flach und weit und dunkel, den Boden durchsetzt mit güldenen Erzen, daraus sie vor Äonen ihre berüchtigte Krone schlugen, so wird auch ihr Hofriegel dargestellt. Zieht man den Naschbarren aus seiner Scheide, offenbaren sich auf seinem schokoladenen Überzug dieselbe komplizierte und kunstvoll intarsierte Ziselierung, die selben beiden paarigen Blutkehlen, die die skorischen Waffenschmiede seit Menschengedenken ihren gefürchteten schwarzen Schwertklingen eintreiben. Der sparsame Schokogeruch dieses Hungertöters, dieses Notung unter den Süßwaren, hat etwas strenges, diszipliniertes, bitteres und versagt die Preisgabe jedes Hinweises auf noch in ihm verborgene Schätze.

Mundhaptik: Man kaut hier eine Allegorie auf das Leben, wie es die Skorer nicht anders kennen. Unter einem hauchdünnen bittersüßen Firnis, hinter einer vordergründig den Schein wahrenden, milde gefälligen aber doch fast durchscheinenden Fassade wartet nur beinerne, unnachgiebige karamellene Härte, alle Härte eines Lebens, das kurz ist und spröde und bei aller Härte doch so zerbrechlich. Ein Sprichtwort in Skor lautet nicht umsonst: Wenn Du fällst wird nur der harte Grund Dich fangen. Schon früh händigen skorische Mütter ihren Kindern diese Riegel aus, damit sie daran lernen, nicht zu stürzen: Skor kann man nicht kauen, nicht genießerisch am Gaumen zerdrücken und zergehen lassen, nein, man muß ihn brechen und zertrümmern, muß seine Struktur zerstören, um ihn herunterzubekommen und wie das Zersplittern und Zerspringen spröden Schiefers, das schleifende Zerriebenwerden scharfkantigen Splitts tönt es aus dem sich abmühenden Mund, in den man einen Skor gestochen und in dieser Wunde abgebrochen hat.

Geschmack: Wenn man sich aber dieser gnadenlosen, harten Lebensschule, dieser peroralen Splitterbombe, den Zumutungen dieses grimme Züchtigung gewordenen Naschwerks duldsam unterwirft, so entfaltet es mit seinen zerschellenden karamellenen Schrapnellen ein ernstes, röstnotenreiches, firmes und lange, wie ein Echo nachklingendes Geschmackserlebnis aus reinem, vollbandigem, breitwandigem und alle denkbaren dieser Substanz zuzueignenden gustatorischen Farben und Schattierungen einendem Karamell. Es ist, als wollte Skor uns lehren, Schönheit auch noch im Allerkärgsten zu suchen, als wollte es uns die bittere Erkenntnis unserer kleiner Leben Kürze mit einem süßen, letzten Epitaph vergelten:

Vielleicht, daß wir durch Skores Härte gehen,
in karger Süße, wie ein Erz allein,
und sind so tief, daß wir das Ende sehen
und alle Fernen wurden Nähen
und alle Nähen werden Stein.

Fazit: Skor zu essen ist so paradox, wie sich an einer versteinerten, stoisch-nihilistischen Ethik zu erfreuen, die lehrt, daß Hoffnung für die Schwachen ist und sich, die Hoffnungslosigkeit während der zwei Wimpernschläge, die das Leben andauert, umarmend, an der eigenen Stärke zu erfreuen. Man muß sich Sisyphos als einen Skor-Esser vorstellen.




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