Was steht drauf: „The Original Caramel Nut Cluster“; Original Pecan, Milk Chocolate with Creamy Caramel and Premium Pecans; Classically Crafted Since 1916; 3 Pieces
Hüftgoldfaktor: 83,3 Kalorien pro Verzehreinheit
Erster Eindruck: Da kam also einer auf die Idee, mitten im Ersten Weltkrieg damit zu beginnen, ein in Einzelbatzenform daherkommendes Schokonaschwerk namens “Schildkröten” herzustellen. Liegt ja auch nahe. Ebenso nahe jedenfalls, wie die Batzen in ein schildkrötenrotgoldenes Mäntlein zu kleiden. Der Name rührt sicher von der überaus entfernten Ähnlichkeit mit der rücklings mitgeführten Wohnstatt und Schutzbehausung jener traditionell gemächlich ihr Tagwerk verrichtenden Sauropsiden her, dabei kommen die bezeichneten Knubbel leider ohne schmucke Musterung und ohne Extremitätenöffnungen daher. Angesichts der Form der aus ihrer Hülle befreiten und auf einer vornehmen Pappzunge servierten Batzen hätte man sie daher wohl besser „Helmets“, „plattgekloppte braune Wanzen“ oder „Zwergenfeldherrenhügel“ geheißen. Und wie sie da in ihrer reptilienhaften, poikilothermen Stoik am Tageslicht liegen, lassen sie nur einen eher schwach ausgeprägten Schokoduft wahrnehmen. Es spannt sich also hinsichtlich der Verzehrvorfreude durchaus eine gewisse kognitive Dissonanz auf zwischen den Polen überaus schmackhaft klingender Ingredienzen und dem eher schäbigen, ungrazilen, ungeschaffenen Äußeren des in Angeschmack-zu-Nehmenden.
Mundhaptik: Den Bruchteil einer Sekunde denkt man beim ersten Anbiß: „Oh nein, Lebkuchen!“, denn die Schneidezahnhaptik der Batzen mutet ganz kurz und ganz zu Beginn exakt so an, wie der Biß in einen jener unvermeidlichen, wenig geliebten, oblatenfundierten und ebenfalls formhalber schildkrötenpanzerremineszenten, schokoüberzogenen Jahresendgewürzteigtaler. Doch diese mißliche Assoziation löst sich sofort in Wohlgefallen auf, wenn sich die Verzehrmasse nach ein paar Kieferschlägen sogleich in einen nußknackig-karamellkauigen, exakt angenehmen Kauwiderstand leistenden Mundschmeichler verwandelt, der gutmütig und in eigenweltlicher Behaglich- und Behäbigkeit, ganz Schildkröte also, in den kauenden Hallen auf und ab watschelt, bis er schließlich die Reise den großen Fluß herab in den Schlund antritt. Dieses innerorale Geschehen hat etwas so stillvergnügtes, selbstgenügsames, rührend-argloses, daß man sogleich einem Verein zum Schutz bedrohter Testudinata beitreten möchte.
Geschmack: So wie der Panzer der Schildkröte ihr zu Schutz und schmuckvoller Aufbewahrung ihrer wertvollen Innereien dient, so beherbergen diese reizlosen, unscheinbaren Klötzchen das eigentlich Wichtige dieses Naschwerks in ihrem Inneren: Pekannußstücke! Diese etwas streng und sonderbar und sehr eigen mundenden Hickoryfrüchte schmecken einen aus dem fein auf sie abgestimmten und sie gut zur Geltung bringenden Passepartout aus Schokolade und Karamell mit eigentümlich starrer Intensität an. Es fühlt sich an wie die geschmackliche Entsprechung des vorwurfsvollen aber auch resignativen und doch milde verzeihenden Blicks aus den feuchten, unergründlichen Augen des letzten Exemplars einer Schildkrötenart, die mit ihm zusammen aussterben wird, der Dir sagt: „Ihr habt uns ausgerottet, totgeschlagen und aufgegessen wo immer ihr uns fandet, wir haben keinen Widerstand geleistet und mit mir stirbt die letzte von uns, das Leiden hat jetzt ein Ende. Doch ich zürne Euch nicht, Ihr seid nur Menschen, eine junge, brutale und jammervoll verworfene Spezies, die sich dereinst, als erste und einzige Art in der Geschichte des Lebens, ihr eigenes Ende bereiten wird – wir vergeben Euch, denn Ihr wißt es nicht besser…“. Genauso schmecken Turtles.
Fazit: Ein sehr besonderes Naschwerk oder: drei Batzen für melancholisch-nostalgische Hobbyherpetologen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen