45 Was steht drauf:
Cremiger Milchgeschmack – Baked milk taste; 2 Waffelriegel, 2 Wafer sticks in
pack, Keine künstlichen Farbstoffe
Hüftgoldfaktor:
137 Kalorien pro Einzelriegel
Erster Eindruck:
Da, da, wen will denn der Tovaritsch Russkie hier hinters Licht führen? Soll
man sich so, wie auf der Verpackung dargestellt etwa Rußland vorstellen? Schöne
blaue Himmel mit gemütlichen weißen Wattewölkchen über sanft geschwungenen, sattgrünen
Hügeln, auf denen in Sichtweite eines pittoresken Dörfchens mit uriger Windmühle
eine dicke, braungescheckte Kuh zufrieden lächelnd ein gewaltiges Gänseblümchen
mümmelt? Darunter appetitlich angerichtete Schokoriegel nebst sonnengereiften
Weizenähren auf stilisierten Wellen aus Milch? Come on!
Realistisch wäre doch wohl eher der aufgeplatzte und
madendurchwühlte Kadaver eines verhungerten Milchviehs auf einem elenden,
versalzenen Flecken unfruchtbarer Erde im sauren Regen unter einem schwärenden,
fabrikabgasgrauen Himmel, in dessen brandigem, aufgetriebenen Wanst sich
struppige Aaskrähen um die letzten Fetzen fauligen Pansens balgen, während im
Hintergrund ein Journalist von einem 5-köpfigen und 8-zähnigen Bauernmob mit
Hämmern und Sicheln im flackernden Schein einer in Brand geratenen
Schwarzbrennerei aus seiner Datscha gejagt wird, der man sogleich den roten
Hahn aufs Dach setzt, um dort einen neuen, noch größeren Thron samt
Pferdekoppel für Vladimir den ersten und schrecklichen errichten zu können.
Aber vielleicht tue ich dem Riegelfreund ja auch unrecht,
also mal runter mit dem Mäntlein und sogleich einen schlanken, schwach
oberflächenstrukturierten Schokowaffelbarren, breit wie Stalins Schnorres,
freigelegt, der interessanterweise weniger nach Schoko als ganz distinkt nach der
weißen Phase in jenem schwarz-weißen Brotaufstrich aus Kindertagen duftet.
Mundhaptik: Tja,
im Osten nix Neues, würde ich sagen. Speist sich exakt so, wie man es von in
einen dünnen Schokojanker gewandeten Waffellamellen erwarten würde, derer vier
übereinander gestapelt mittels der olfaktorisch schon antizipierten Milchcreme
an- und relativ zueinander befestigt und stabilisiert sind. So knuspert und
bröselt es leidlich daher und mit etwas Phantasie und nichts besserem zu tun
könnte man versuchen, aus dem trockenen Geknarze und Gekrache aus dem eigenen
Mund so etwas herauszuhören wie: Tovaritsch Pschemek wijellst Du
Mijellchkrrremschnijette!?
Geschmack: Das
Dörfchen eben war wohl doch nur ein potemkinsches, denn das bukolische
Taiga-Idyll seiner Verpackung läßt sich dieser geminiden Knusperkolchose nun beim
besten Willen nicht abschmecken. Zu einer vordergründigen, industriellen
Grundsüße gesellt sich widerwillig und zögerlich und dabei eventuell
anklingende Schoko- oder Waffelnoten feist wegspachtelnd ein überaus künstlicher
Cremegeschmack, der in etwa soviel mit dem Geschmack des beliebten weißen
Paarhufersafts zu tun hat, wie die Figur einer Babuschka-Puppe mit 90-60-90,
wie eine Stalinorgel mit einer Silbermannorgel oder wie russisches Roulette mit
einer richtig guten Idee. Das ganze schmeckt zwar nicht gerade übel, aber eben
so aufregend oder überraschend, wie eine zweistündige, schwarzweiße Dokumentation
aus den 70er-Jahren über das allmähliche Schalwerden lauwarmen Wassers auf
Russisch mit usbekischen Untertiteln zu sehen. Ohne Russisch zu können,
versteht sich. Und Uskbekisch.
Fazit: Etwas mehr
Glasnost bei der Verpackung, dann klappt’s auch mit der Perestroika beim
Geschmack. Sa starovje noch eins!
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