Freitag, 3. März 2017

Riegelverkostung – Korovka



45 Was steht drauf: Cremiger Milchgeschmack – Baked milk taste; 2 Waffelriegel, 2 Wafer sticks in pack, Keine künstlichen Farbstoffe

Hüftgoldfaktor: 137 Kalorien pro Einzelriegel

Erster Eindruck: Da, da, wen will denn der Tovaritsch Russkie hier hinters Licht führen? Soll man sich so, wie auf der Verpackung dargestellt etwa Rußland vorstellen? Schöne blaue Himmel mit gemütlichen weißen Wattewölkchen über sanft geschwungenen, sattgrünen Hügeln, auf denen in Sichtweite eines pittoresken Dörfchens mit uriger Windmühle eine dicke, braungescheckte Kuh zufrieden lächelnd ein gewaltiges Gänseblümchen mümmelt? Darunter appetitlich angerichtete Schokoriegel nebst sonnengereiften Weizenähren auf stilisierten Wellen aus Milch? Come on!
Realistisch wäre doch wohl eher der aufgeplatzte und madendurchwühlte Kadaver eines verhungerten Milchviehs auf einem elenden, versalzenen Flecken unfruchtbarer Erde im sauren Regen unter einem schwärenden, fabrikabgasgrauen Himmel, in dessen brandigem, aufgetriebenen Wanst sich struppige Aaskrähen um die letzten Fetzen fauligen Pansens balgen, während im Hintergrund ein Journalist von einem 5-köpfigen und 8-zähnigen Bauernmob mit Hämmern und Sicheln im flackernden Schein einer in Brand geratenen Schwarzbrennerei aus seiner Datscha gejagt wird, der man sogleich den roten Hahn aufs Dach setzt, um dort einen neuen, noch größeren Thron samt Pferdekoppel für Vladimir den ersten und schrecklichen errichten zu können.
Aber vielleicht tue ich dem Riegelfreund ja auch unrecht, also mal runter mit dem Mäntlein und sogleich einen schlanken, schwach oberflächenstrukturierten Schokowaffelbarren, breit wie Stalins Schnorres, freigelegt, der interessanterweise weniger nach Schoko als ganz distinkt nach der weißen Phase in jenem schwarz-weißen Brotaufstrich aus Kindertagen duftet.

Mundhaptik: Tja, im Osten nix Neues, würde ich sagen. Speist sich exakt so, wie man es von in einen dünnen Schokojanker gewandeten Waffellamellen erwarten würde, derer vier übereinander gestapelt mittels der olfaktorisch schon antizipierten Milchcreme an- und relativ zueinander befestigt und stabilisiert sind. So knuspert und bröselt es leidlich daher und mit etwas Phantasie und nichts besserem zu tun könnte man versuchen, aus dem trockenen Geknarze und Gekrache aus dem eigenen Mund so etwas herauszuhören wie: Tovaritsch Pschemek wijellst Du Mijellchkrrremschnijette!?

Geschmack: Das Dörfchen eben war wohl doch nur ein potemkinsches, denn das bukolische Taiga-Idyll seiner Verpackung läßt sich dieser geminiden Knusperkolchose nun beim besten Willen nicht abschmecken. Zu einer vordergründigen, industriellen Grundsüße gesellt sich widerwillig und zögerlich und dabei eventuell anklingende Schoko- oder Waffelnoten feist wegspachtelnd ein überaus künstlicher Cremegeschmack, der in etwa soviel mit dem Geschmack des beliebten weißen Paarhufersafts zu tun hat, wie die Figur einer Babuschka-Puppe mit 90-60-90, wie eine Stalinorgel mit einer Silbermannorgel oder wie russisches Roulette mit einer richtig guten Idee. Das ganze schmeckt zwar nicht gerade übel, aber eben so aufregend oder überraschend, wie eine zweistündige, schwarzweiße Dokumentation aus den 70er-Jahren über das allmähliche Schalwerden lauwarmen Wassers auf Russisch mit usbekischen Untertiteln zu sehen. Ohne Russisch zu können, versteht sich. Und Uskbekisch.

Fazit: Etwas mehr Glasnost bei der Verpackung, dann klappt’s auch mit der Perestroika beim Geschmack. Sa starovje noch eins!



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