Freitag, 24. März 2017

Riegelverkostung - Yorkie Original



Was steht drauf: no artificial colours*, flavours or preservatives; Chunky with Chocolate; Man Fuel for Man Stuff

Hüftgoldfaktor: 249 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Was weiß man schon über York? Sie haben ein kolossales Münster dort, das ebenso klotzig und gravitätisch - nur weniger gelb – die „ewige Stadt“ beherrscht, wie die blutrot umrandeten Lettern des Yorkie Schriftzugs die Hülle dieses Riegels auf ihrer Grundierung im melancholischen, tiefsten Ozeanblau.
Düster, scharf und mit verweigernder Gebärde ganz wie die Zinnen, Scharten und Erker jener gotischen Kathedrale der nördlichen Reiche ragen auch die amputiert und unvollendet wirkenden Schokoladentrapezoeder von Yorkie aus einem flachen, glatten Schokoladenfundament in die Höhe. Betrachtet man die fünf gleichförmigen Höcker eine Weile lang, bis der Blick verschwimmt, so vermittelt sich unwillkürlich der Eindruck tiefster, tiefster Einsamkeit, der Einsamkeit verlassener, vergessener, moosbedeckter Grabeshügel lange schon namenloser Toter in einem uralten, wilden Tal, dessen Stille nichts und niemand mehr zu stören wagen darf.
Auch sein Geruch kündet von Sehnsucht und Vergängnis. Etwas schweres ist darin und etwas altes, das zu verharren scheint und zurückbleiben und uns vergessen wird, wenn wir gegangen sind.

Mundhaptik: Yorkie sei, so heißt es, Männer-Kraftstoff für Männersachen. Damit kann nur das Beißen und Kauen von Yorkie gemeint sein, das in etwa die mundhaptische Entsprechung der Tätigkeit jener Schwerstarbeiter sein dürfte, die seinerzeit die Meilen um Meilen eiserner Trassen legten, welche jenen Ort der Eibenbäume mit dem Herzschlag der Welt verbinden sollten. Und so wie ihr Leben, einfach und hart, verspeisen sich auch die fünf coupierten Monolithen Yorkies, die aus reiner, unverfälschter, unverzierter Schokolade bestehen, ohne Talmi und Schierschandudel. Man gehet hier durch schwere Berge, in harten Adern wie ein Erz, allein.

Geschmack:  Das gustatorische Unisono der schokoladenen Ausschließlichkeit im Geschmack dieses Riegels unterstellt uns für einen Augenblick der großen Melancholie endloser Ebenen, die sich wie ein braunes Mönchsgewand um all das ungelebte Leben legt. Und solange wir noch schmecken, schweifen unsere Blicke sehnend über jene fernen Horizonte, die wir Lebenden, so weit wir auch wandern, doch nie erreichen können...

Fazit: Yorkie zu essen entfesselt die Saudade des Nordens, das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes verloren zu haben, die leise aber unwiderlegliche Ahnung vom Unglück und der Gewißheit, die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können, da es wohl nicht wiederkehren wird…




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