Freitag, 28. August 2026

Riegelverkostung – Krówkowa

Die vorliegende Riegelnaschware wurde von der Maggi aus den östlichen Reichen importiert und mir zu Verkostungszwecken fürsorglich zur Verfügung gestellt. Dafür Dank. 

Was steht drauf: Wawel ad 1898 - Zabierz w podroz- MINIczekolada mleczna z nadzieniem karmelowym 

Hüftgoldfaktor: 193,83 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Krówkowa? Und ein schwarz-weiß kuhgeschecktes Muster? Dieser mir hier vorliegende Polenriegel wird doch wohl nicht ein Cousin oder Oheim jener russischen Knusperkolchose sein? Da qua Abbildung aber statt des leidigen Waffelbruchs ein Schokohohling mit Karamellfluidfüllung zu erwarten ist, dann vermutlich aber nur ein weit entfernter oder nur einer von diesen so genannten Onkeln, so wie dieser eine Typ, der in meiner Vorstellung in polnischen Haushalten früher halt immer seitengescheitelt, schweigend, stierend und slibowitzkippend auf der Eckbank saß, ab und zu einen Fluch ausstieß oder kurz laut auflachte und den man nur als „Onkel“ kannte, von dem aber niemand wußte wessen Onkel er eigentlich war, wie er wirklich hieß und wo er herkam.

Durch Entkleidung dieses Onkels hier legt man jedenfalls fünf aneinandergereihte Schokobatzen mit Abbruchfuge frei, denen jeweils der Herstellername „Wawel“ oder dessen stilisiertes Kronenlogo eingraviert ist. Riechen tut der Onkel vordergründig nach Schokolade und – Darwin sei mein Zeuge und es getrommelt – ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, ein Klitze und ein Hauch nach irgendeinem Fusel oder Geist oder Sprit oder Brand. Ob der Pole nicht anders kann oder mein gebranntes Hirn schon Geister riecht wird sich nicht sagen lassen.

Mundhaptik: Kein Knack von fester Schoko, kein wollüstiges Ejaku… äh… Herausfließen von majestätisch-samtiger goldener Karamellmasse. Stattdessen ein weiches Zerdetschen der Schokohülle, ein Zer- und Herausgedrücktwerden zäh-breiiger Paste; Komponenten, die sich mundhaptisch innert kürzester Zeit nicht mehr auseinanderhalten lassen und kauend zu einer speichelgeschlämmten quatschenden Mantsche zermußt werden. Ähnlich unerfreulich stellt man sich die Mundhaptik einer jener in derbes Papier gewickelten Kamellen vor, die viele Jahre in der Tasche von des Onkels brauner, mit ihm verwachsenen Cordhose wohnten, dort feucht und wieder trocken, weich und wieder mürbe wurden, sich mit Flusen, alten Münzen, Fingernagelschmutz und speckigen Bindfäden paarten und daran rieben, bis die Aufschrift ihres Papier verrubbelt und ganz verblichen war, bis eines Abends der Moment kam, da der Onkel, als sein benebelter Blick auf Dich fiel, mit ausdruckslosem Gesicht in seine Tasche langte und Dir die Kamelle reichte. Du brauchtest fünf Minuten, um sie vom angebackenen und bei der kleinsten Berührung in kleinste Stückchen zerreißenden Papier zu befreien, aber als Du sie schließlich aßest, spürtest Du dasselbe wie ich jetzt gerade.

 Geschmack: Und so schmeckt Krowkowa auch. Da ist eine konturlose, unschokoladige, unkaramellige, ziemlich barsche Süße mit einem unguten, fruchtig-fuseligen Unterton, so als hätte in einer Art umgekehrten Gärung der vom Onkel überall hin und auch in seine Hosentasche aus ihm ausgeistende Slibowitz, der seinen Alkohol sämtlich und redlich im Onkel gelassen, seine Zucker und Zwetschgen wieder hergegeben, um sie über das Elend der gärenden, mumifizierenden, stockenden, morschenden Kamelle hinweinen zu können.

 Fazit: Auf Spanisch lernte ich früh den Satz: „Quieres un caramelo, mi niño?“ – Krowkowa ist der Grund, warum man auf diese Frage, vorsichtshalber und gleich in welcher Sprache, ganz entschieden „nie!“ antworten sollte!