Freitag, 23. Januar 2026

Riegelverkostung – Jeżyki classic

Die vorliegende Riegelnaschware wurde von der Maggi aus den östlichen Reichen importiert und mir zu Verkostungszwecken fürsorglich zur Verfügung gestellt. Dafür Dank.  

Was steht drauf:  Goplana 1912, Baton najezony bakaliami – delicious bar with biscuit, caramel, hazelnuts and rice crisps in milk chocolate

Hüftgoldfaktor: 142 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Was weiß man eigentlich über Polen? Und über des Polen rätselhafte Sprache, die er nicht nur mit reichlich weichen „schö“-, fremdartigen „znje-„ und schnarrenden „rrrr“-Lauten anreichert, sondern im Schriftbild auch gerne mit zufällig wirkenden Pünktchen, Bögen, Zinken, Haken, Ösen und Durchstreichungen garniert und die außer ihm keiner spricht und kaum einer lernen will? Wenig, zugegeben. Aber es geht ihm erbaulicherweise gut genug, um sich ein paar eigene Schokoriegel zu leisten, immer ein Zeichen von nennenswerter kultureller Stellung, derer einen, Jeżyki, was vermutlich „Seitenscheitel“ oder „graubraun“ bedeutet, ich zur Verkostung vorliegen habe. Auf der Hülle in fröhlichem apricôt wird er jedenfalls wie eine jemandem rechts oben in der Ferne herausgestreckte dickpockige braune Zunge gezeigt, die, als hätte er zuviel geredet an der Basis abgeschnitten scheint, so daß man ins Innere blicken und die dank der auch in bekannter „Zunge“ verfügbaren Beschreibung angepriesene Ausstattung mit Keks, Nuß und Karamell gewärtigen kann.

Der Hülle entledigt kommt ein kurzer genoppter Flachmann zum Vorschein, mit schwachbrüstigem Schokoarömchen, der formhalber auch irgendwie als Art obskurer Feile oder Hornhauthobel durchginge.

Mundhaptik: Und dann überrascht mich der Riegelfreund mit einer entgegen der Erwartung nicht trocken-knackenden sondern weichlich-zähen Abbißhaptik, die einen Bissen produziert, der eine angenehme Kauigkeit, mit leichten Knusperakkorden und insgesamt schön ausgewogener und nicht uninteressanter Mundlichkeit herschenkt. So als wäre Jeżyki ein pfiffiges Trainingsgerät, das Mund und Zunge auf die Herstellung und rechte Ausbildung polnischer Silben vorbereitet, wo penibel sortiert, phrasiert und geformt werden, man die Zunge schlängeln und tanzen und die Zähne stoppen und stanzen lassen muß.

Geschmack: Ein guter Lehrmeister weiß, daß man Mühe belohnen und Fleiß vergelten soll; Jeżyki erreicht das, indem er dem, der das polnische Kauballett bestanden, einfach recht wohl mundet! Geboten wird hier eine schöne, stimmige Mischung der genannten Komponenten, die sich zwar zunächst noch einzeln erschmecken lassen, dann aber getragen von einer gemessenen und temperierten Süße nach einigen Kauhüben zu einer famosen, röstig-schokoladenkaramelligen Gesamtannehmlichkeit zusammentreten.

Wäre „Jeżyki“ ein Mensch, dann hieße er genauso und wäre wohl der unprätentiöse polnische Handwerker und Geheimtip in der Nachbarschaft, der alles kann, alles hat, und alles macht, außer viele Worte - und den man rufen muß, wenn es ordentlich und gut werden soll. Und wenn man, bevor er kommt, einen Jeżyki gegessen hat, dann nur vermag man auch, ihn, den Begehrten mit den goldenen Händen, gebührend zu begrüßen: "Pokój z tobą, Jeżyki, nasz prysznic przecieka, czy mogą Państwo pomóc?"

Fazit: Entgegen früherer Annahmen meinerseits gibt es ganz offensichtlich in Polen deutlich mehr zu holen, als bloß Schuhe ohne Sohlen.