Freitag, 1. Juni 2018

Riegelverkostung - Minor

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank ;)

Was steht drauf: Original. Schokoladen-Confiserie mit gerösteten Haselnuss-Splittern.

Hüftgoldfaktor: man schweigt sich aus...

Erster Eindruck: Ein Riegel mit Minderwertigkeitskomplex? Schmal liegt er da, hart und ganz fest in sich gespannt, wie ein kauerndes kleines Tier, das man in eine Ecke gedrängt hat. In unauffälliges Grün gehüllt, das an TypeONegative erinnert, mit altmodischem Silberstreifen, auf dem in einem penibel und überkommen wirkenden Schriftkasten das eine Wort steht, das alles sagt: "Minor". Der Minderjährige, der Kleine, der, der weniger ist, der weniger bedeutet. Doch "Minor" bezeichnet auch das schönste Tongeschlecht: Moll. Melancholisch, in sich gekehrt ja versunken, desinteressiert am äußeren Eindruck, sparsam im Ausdruck, streng und verweigernd und doch an sich selbst genug.
Eng und fest schmiegt sich dieser Riegel in seine Hülle, die man nur durch entschlossenen Zug aufzuheben vermag, darunter liegt ein unscheinbarer, mattbrauner Barren, stumpf, ohne Verzierungen, ohne Wellen, ohne Tollen. Wie roh behauen imponiert er, wie naturbelassen, mit hellen Haselnußaugen, die wie Wirbel sind im Stein. Dazu paßt, daß sich sogar noch vor den ambientären Schokoladengeruch, den der Riegel verströmt, eine kräftig-holzige Nußader drängt.

Mundhaptik: Weich wie Nougat - dem harten Anschein trotzend - gibt der Riegel nach, wenn man zubeißt. Doch sofort knirscht und birst es auch am Zahn, wenn er auf die allgegenwärtigen Einnussungen trifft: 

So schweben sie in des Riegels Basalte
wie ein noch ungefundenes Metall!
Ehrfürchtig füll'n sie seine Felsenfalte,
und ihre Härte fühl ich überall.

Dieses Stück muß man langsam kauen, zergehen lassen wie einen Funeral-Doom-Akkord, der kriecht und sich wälzt und sich schleppt, während alles in der Dunkelheit des Mundes vermengt, verschmolzen wird: Schokolade, Nougat, Nüsse, und nur eine angenehm zähe, widerständige Masse bleibt: der zermalmte Rest der alles ist, was bleibt, so wie von uns allen, vom Kosmos, dereinst nur zermalmter Reste bleiben werden... wir alle fallen. Und es ist die Unausweichlichkeit, die Gewißheit des Untergangs, die die Minor-Melancholie süß und seine Mundhaptik so schmerzlich angenehm macht.

Geschmack: Das ist ein Riegel für den Winter (und man sollte ihn nicht, wie ich, im Sommer essen). Groß und düster, samtig, schwer und schmiegend ist der Geschmack, unfrisch und warm wie ein Pelzmantel. Breit und heimelig schmeckt das Nougat, darein sich die Röstaromen der Haselnussfragmente eintragen. Die dunkle, weiche Umarmung dieses Geschmacks trägt Melancholie in sich und Endlichkeit, wie die verglimmende Röte und Wärme der Glut der zu Asche gewordenen Scheite eines Holzfeuers, das im Schnee eines tiefgrünen Winterwaldes langsam herabgebrannt ist.

Fazit: Ein Riegel für das Ende der Tage, an dem man das Ende der Dinge erwartet und das Endenmüssen akzeptiert hat.




Freitag, 13. April 2018

Riegelverkostung – Chokito

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank ;)    

Was steht drauf: Mit Knusperreis – Avec du riz soufflé

Hüftgoldfaktor: 201 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Ein Schelm, wer da nicht an spielerisch erotisierte Asphyxiophilie dächte, offensichtlicher geht es wohl kaum, der Name deutet es ja schon an: Chokito als Verschmelzung aus dem englischen „choke“ mit spanischem Verniedlichungs-ito. Darüber das knallrote kußmundförmige Nestlé-Logo, darunter die Information über die Beimengung von Reis, der allerdings g’schamig-politisch-korrekt als „Knusper-“ denn als, nun, Reis aus jenen halbweltlichen Etablissements für kommerzielle Genitalrhythmuskoordination bezeichnet wird, obgleich natürlich jeder weiß, was hier wirklich gemeint ist. Zu allem Überfluß windet sich dann noch von unten links aus dem Nichts kommend ein wollüstig-würgewütiger karamellgelber und „knusper“reisbesaugnapfter Tentakel hinter dem Chokito-Schriftzug entlang und durchbohrt diesen neckisch und genau durch das erste „o“. Daß Nestlé endlich mit Chokitos gewagt-verschrobener Erotik in seiner spöttisch signalwestenorangenen Umhüllung der Fa. Wander den ovomaltinenen Schneid bei den Schweizern abkaufen will, dürfte auf der Hand liegen.
Ohne seine grelle Pelle dampft der Charme dieses pockigen Schlawiners etwas ein, denn die durch einen dünnen Schokoguß über die gesamte Riegeloberfläche fixierten „knusper“reisigen Warzoiden verleihen dem präprandial-erotisierten Erwartungsknistern eine beunruhigend venerologische Tingierung, die durch den Geruch Chokitos nicht gerade verbessert wird, erinnert er doch unzweideutig an den der Auskeuchungen aus ihren Ventilen jener inflatiblen PVC-Damen, die sie hervorbringen müßssen, wenn man sie nach gehabter Nutzung in kommodere Maße zurückwringt. Dennoch: ich bin nicht ungespannt.

Mundhaptik: Naja. Allen asphyxiogenen Andeutungen zum Trotz schnürt sich einem die Kehle hier wahrlich nicht zu, noch stockt der Atem und auch die Luft bleibt nicht weg, höchstens die Lust. Das kurze und schnellvergängliche Knistern des „Knusper“reises ist genau so schnell zerkaut und im allerweltszähkaramelligen Toffeegehabe der Hauptfüllkomponente Chokitos abgesoffen, wie es zur Ernüchterung kommt, nachdem eine jener grell bemalten und nicht mehr taufrischen Satisfaktionsbeauftragten mit Penetrationshintergrund die vorab streng und rein geschäftlich ausgehandelten Handgriffe und sonstigen Verrichtungen abgearbeitet und unmittelbar danach zur Beendigung der räumlichen Gemeinschaft ermuntert hat.

Geschmack: Wie würden Sie denn schmecken, wenn Sie für ein paar Monate in der „stummen Ursel“ gesteckt hätten? Bestimmt nicht minder plastinär als unser genoppter Verzehrauftrag hier. „Knusper“reis schmeckt ja in der Regel sowieso nach nichts, es bleibt also ein Karamellkern in Schokohülle, der aber nurmehr durch eine immanente schiere basale Süße kenntlich wird, weil seine komplexeren Aromen im tiefen Schlund jener übermächtigen plastinös-vinylenen Schlauchhaftigkeit, jener ethylen-gummierten Polymerschmelze, jenem bituminösen Weichmacherphtalat versackt sind! Schmölze und verquickte man einen Scheffel braunen Zuckers, reichlich Styropor, die in Knallfolie gewickelte Polyester-Perücke von Theo Lingen, einen Polyurethan-Vibrator und eine Tafel Trumpf-Schokolade, so schmeckte diese Mischung nicht anderes als Chokito.

Fazit: ein Riegel wie eine Nacht voll französischer Küsse im Gummipuppen-Bordell. 




Freitag, 6. April 2018

Riegelverkostung – Tronky Nocciola


Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank ;)

Was steht drauf: Wafer con ripieno cremoso al cacao e nocciole

Hüftgoldfaktor: 99 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Wie niedlich, dieses vertiable Leichtgewicht von einem Kleinriegel, der noch dazu einen zugleich albernen und niedlich-plump klingenden Namen trägt, so wie ein vergleichsweise ungroßes weil noch adoleszentes, tollpatschiges Elefäntchen als Hauptdarsteller in einem jener gruseligen trubulent-rührenden Zeichentrickabenteuer für die ganze Familie, in dem es durch seine arglose Unbeholfenheit und Neigung zu Tagträumereien immer wieder in mit klassische Musik imitierender nervend-heiterer Filmmusik unterlegte haar- bzw. borstensträubende Abenteuer und sonstige Schwulitäten gerät. Auf der in der Hauptsache roten, wertig glatt-glänzenden Verpackung findet sich eine comichafte Abbildung Tronkys nebst einer klischeehaften Darstellung von Haselnüssen mit Blattgrün.
Dank der servicebewußterweise angebrachten Aufreißlasche gelangt man schnell zum Inhalt der Packung, der bei Inaugenscheinnahme sofort die Assoziation vom ulkigen Kleinpachydermer zerstört, wenn man mit ihm einen mit okkulten Runen und Gravuren bedeckten und auch noch haselnußholzfarbenen Waffelsarg herauszieht: denn genau wie eine jener Kisten, mit flacher Lade und hochgewölbtem Deckel mit coupierten Schrägenden zur längerfristigen, subterranen Verstauung thermodymanisch equilibrierter Herrschaften sieht der nackte Tronky aus. Und ebenso hermetisch wie sein Erdmöbelpedant seine modernden Gebeine verschließt jener jeden Geruch von Schokolade in sich und gibt lediglich einen waffeltypischen Süßodeur frei.

Mundhaptik: Leider fügt sich die Mundhaptik in ihrer Phänomenologie der sarkophagistischen Assoziation bündig ein: Tronky ißt sich exakt so, als knabbere man an eines in Mumifikation befindlichen Verstorbenen Finger! Die trockene papyrusartige Waffelhülle entspricht dabei der im Wüstenklima exsicierten Pergamenthaut, das auf beunruhigende Weise undifferenziert Weiche des Inneren dem inzwischen durch Autolyse und allgemeine Zersetzung schwammig aber bei simultaner Dehydrierung nicht zerfließlich gewordenen Gewebe. Die zwischen den Zähnen knackenden Nußstückchen erinnern, ich bedaure, dies unbeschönigt so sagen zu müssen, unweigerlich an einen morschen, porösen, ins Fleisch eingebetteten Fingerknochen. So sehr diese Mundhaptik postmortale-Anthropophagie-Aficionados zu Begeisterungsstürmen hinreißen mag, so deutlich muß doch mein Hinweis ausfallen, daß man „special interest“ auch übertreiben kann und so ein Zungenkuß mit Ramses dem II, wie er schon lange weder leibt noch lebt, nicht Jedesessers Sache ist.

Geschmack: Kaum schließt man die Augen während man noch die Reste altägyptischer Potentaten im Munde zermahlt, versetzt einen der verblichen, schwach und erodiert wirkende Geschmack Tronkys in fernste Vergangenheit. So muß das harte, trockene, ganz leicht gesüßte Protobrot steineschleppender Pyramidensklaven, so die staubigen, mit Sirup benetzten Bandagen geschmeckt haben, die sich die ägyptischen Balsamierer vor Mund und Nase banden, um den Gestank ihres in Grabkammern ausgeübten Handwerks zu übertünchen, wenn sie die Bälge ihrer toten Herrscher in die Kanopen leerten: Tronky schmeckt alt, gewesen, vergangen, in der Zeit verloren, so, als sei sein Geschmack seine Rache für die  Störung, die darin lag ihn zu verspeisen.

Fazit: Ein Riegel wie ein Fluch des Pharaos. Ist Mumienschändung eigentlich strafbar?

 
 

Montag, 2. April 2018

Riegelverkostung - Torino

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank ;)    

Was steht drauf: Lait - Feiner Schweizer Milchschokoladenstengel mit Haselnuss- und Mandelcreme-Füllung

Hüftgoldfaktor: desisch nicccht so wicchtik, odrrr?

Erster Eindruck: Schon wieder ein Schweizer Stängerli und schon wieder im Armeemesser-Rot mit einem kleinen Fähnli auf der Umhüllung? Durch Phantasie bei der Hüllengestaltung brillieren sie ja nicht gerade, die eidgenössischen Schokoriegelanten, und diesem hat man gar nur ein hauchdünnes, fimschiges Mäntlein aus gewalztem und etwas unwertig knisterndem Aluminium umgetan. Drauf findet sich selbstbewußt der wohlstandsgoldumrandete Namenszug, der einen innerlich im Schatten der endlosen Arkadengänge jener bulligen Schönheit im Nordwesten Italiens wandeln läßt.
Schlägt man ihn aus seinem armen roten Talmi-Deckchen, kommt ein langer aber doch massiver, schlanker aber doch schwerer, ganz glatter und wie zur Obacht mahnender Schokoladenfinger zum Vorschein, der gemahnt, daß man es hier gar nicht nötig hat, durch kokette Verzierungen, jene wohlbekannten Wellen und Ziselierungen anderer und eben geringerer Riegel Oberflächen, von der Ausschließlichkeit des zu Erwartenden abzulenken. Nicht minder souverän schickt Torino einem auch eine olfaktorische Botschaft von reicher Schokolade, nuß- und mandelschwerer Fracht entgegen. All dies suggeriert ein so bewußtes Understatement, daß es ein zu erwartendendes Overstatement im Balderschmeckten nicht deutlicher ankündigen könnte.

Mundhaptik: Herrlich. Als stecke der geschickteste Uhrmacher seiner Majestät der Königin der Feen seinen schlanken Finger in feinsten Handschuhen aus Sammet und Elbenhaar uns behutsam und zärtlich in den wollüstig offenen Mund und streiche, gleite und kose damit inniglich uns'ren Gaumen, Zunge, Wangen und Rachen, wohlige, wonnige Schauer auslösend. Hier gelingt das seltene Kunststück, eine gänzlich homogene dick-pastöse Riegelfüllung nicht feist-bräsig, nicht pappig, schmierig oder aufdringlich sondern einfach nur balsamig-sanft und schmiegend-cremig sein zu lassen. Die mundhaptische Entsprechung einer Massage mit warmem Öl unter kundigsten Händen.

Geschmack: Mmmmhhhh.... für einen Moment nur läßt diese dunkelbraune Herrlichkeit, dieses aus den Herzen von Haselnüssen und Mandeln kondensierte Opiat, den mit geschlossenen Augen Kauenden alle Sorgen vergessen in einer Innigkeit und Süße, als werde im selbstvergessen schmeckend-schwelgenden Munde das Adagio aus Bruchs 1. Violinkonzert aufgeführt. Mit anderen Worten:
Er hat sich so unendlich klein begonnen
an jenem Tag, da ich mit ihm begann, -
ist dann im Mund gereift wie unter Sonnen
wobei sich sein Geschmack erst ganz entspann,
dass er in Menschenkindern voller Wonnen
sich ruhend jetzt vollenden kann:

Für kurze Zeit erlöst Geschmack den Kranken von seinem Leid. Und hebt die Augen dem Betrübten über alle Traurigkeit. Und dem Verzweifelten, der ohne Trost und ohne Hoffnung ist, schenkt dieses Schmecken doch Vergessen, wenigstens für kurze Frist. Nimmt alle Last für nur Momente, die schwer auf uns‘ren Schultern ruht: Alles ist gut, alles ist gut.

Fazit: Die mönchisch bescheidene Aufmachung dieses Prachtstücks von Schokoriegel ist nur ein tremulierter Septakkord, der sich in einer überwältigenden Kadenz von Wohlsein und Wohlgeschmack entlädt. Danke.





Samstag, 3. März 2018

Riegelverkostung - Tabló? Perugina?

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank ;)    

Was steht drauf: Latte cremoso

Hüftgoldfaktor: 160 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Kaos italiano! Man darf sich, angesichts der unordentlichen Vielfalt der Entitäten und Botschaften auf der sommerhimmelblauen, persenninghaften Umhüllung dieses Naschwerks nicht einmal seines Namens sicher sein. Ist er nun „Perugina“? Oder „Tablò“ und was hat die „Latte cremoso“ damit zu schaffen? Und was der offenbar erst 1907 eingetroffene (?) Pegasus und was die Stadt Perugia? Und erwarten einen im Inneren wirklich jene abgebildeten dunkelbraunen, vierrundeckigen medianeingewölbten Pastilloiden, die in Form und Farbe irgendwie an eine Hälfte dieser typischen Dickbrillen aus den 60er, 70er Jahren erinnern und aus denen eine fröhlich-liquide anmutende weiße Milch(?)haftigkeit herausperlt? Aber warum sollte ein zumindest formhalber als schokorieguläres Produkt durchgehendes Nascherzeugnis auch in und an sich stimmiger sein, als die Politik und generell innere Verfaßtheit der Insassen des Landes, in dem es gegossen? Nichts paßt hier zusammen, Farben, Formen, Aussagen, Botschaften, alles scheint in jeweils entschlossener doch ebenso unverdrossener und vielleicht gar augenzwinkernder Selbstbehauptung im unversöhnlichen Konflikt mit allem anderen zu liegen. Es wird sich zeigen, ob, wie dem Land so auch dem Riegel das Wunder gelingen kann, in der Summe dennoch ganz wunderbar zu sein.
Befreit man den Inhalt aus seiner Hülle, offenbar sich Überraschendes: die Pastilloiden sind in Wirklichkeit vier zur Kette verschmolzene olympischen Ringe (einen hatte man wohl leider der N’drangheta schutzhalber aushändigen müssen…oder verloren), die bei genauer nasaler Inspektion eine leicht plastilingeschwängerte Schokobrise aufgeben.

Mundhaptik: Ein Schwindel! Alles nur ein großer Schwindel! Mit fadem Knacken gibt der Reif dem Zahne nach und offenbart den Betrug: nichts als gemeine, schnöde, einfache Schokolade ist die Substanz dieser Konkatenats. Nichts weißes, nichts fluides, nichts milchig-cremig-schmelzendes, nur in seiner faden, unfrischen und leicht verhorn imponierenden Konsistenz an die Gesäßschwielen eines Schokonikolauses erinnernd, der gleich mehrere Saisonen dem Verzehr entrann, weil er im entscheidenden Moment einem von der Vereinigten Schokoladenhohlfigureninteressengemeinschaft (VSHFI) angezettelten Sitzstreik zur Erzwingung besserer Arbeitsbedingungen beihalf. Die Kongruenz der Verworfen- und Abgetragenheit seiner inneren Strukturen zu denen seines Heimatlandes ist hier augenfällig.

Geschmack: Hier endet die Übereinstimmung: denn während die italienische Küche trotz allen Elends ihrer Herkunft Nase, Gaumen und Zunge singen, tanzen und selbstbewässert frohlocken macht, würde diesen zerlöcherten Bettler im Reiche des Gustos, diesen Verräter an den Möglichkeiten des Schokoladengeschmacks, diesen fad-drögen Staubschmecker wohl selbst ein italienischer Kerkersträfling beim Essenfassen nicht in seinem Emaillenapf erdulden. Bastardo! Mamma mia, Bastardo! Was erlauben Tablò?!

Fazit: Der Berlusconi unter den Riegeln: außen braun, poliert, bizarr-chaotisch und das Blaue vom Himmel versprechend, innen hohl, verlogen und das am Äußeren weggelogene Alter schmerzhaft kenntlich werden lassend. 




Freitag, 12. Januar 2018

Riegelverkostung - Munz



Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank :)    

Was steht drauf: Prügeli weiß; Branche blance – Weißer Schokoladenstengel mit Pralinéfüllung

Hüftgoldfaktor: 266 Kalorien pro Prügeli, odrr?

Erster Eindruck: Es hat etwas zugleich militärisches und lächerliches (und mir ist die nicht unerhebliche Schnittmenge dieser beiden Formen der Daseinsfristung durchaus nicht unverborgen geblieben), wie es so daliegt, das robuste, schwere Stängerli in seinem Mäntlein im  Schweizer-Taschenmesser-Rot, darauf das lustige Additionszeichen von der Flagge jener Nation erztüchtiger und erzgeschäftiger Erz-Neutraler (desto neutraler, je höher der Goldgehalt im Erz) und sein lächerlicher Name „Munz“, dem gefühlt ein ‚Oberst’ vorangestellt und ein dicker Schnorres druntergemalt gehört. Zum konservativ-militärisch-zuchtmeisterlich-virilen Hautgout trägt überdies die Überbetonung der Weißheit des Produkts und seine morphologische Nähe zu primär einem Schlagwergzeug aber in zweiter untertöniger Annäherung auch einem Phallus bei, linguistisch erfaßt als „branche“, als rührend-verniedlichendes „Prügeli“ oder als „Stängel“.
Unterm Wappenrock kommt denn auch ein schlanker, akkurater, leicht oberflächengewellter Barren zum Vorschein, der in seiner vornehmen, an der Grenze zum kränklichen rangierenden weißschokoladären Blässe den strammen Waden noch des stolzesten Gebirgsjägers Ehre machen würde. Riecht man ganz konzentriert hin, und nur dann, ist ein all seine Inhalte fest verschließendes und für weiße Schokolade ansonsten typisches plastinöses Miniaroma zu merken

Mundhaptik: Mit einem dumpfen „Knack“, so zackig wie die stracks zur Stirne zum Gruß expedierte Hand, bricht Munz unter dem ersten Bisse ab und in den Mund, wo der Bissen sich dienstbeflissen und nicht unangenehm als dichte rauh-weiche Verzehrmasse verbreitet, die in der Hauptsache aus einer braunen Pralinéecreme mit dünnen Hüllen aus brauner und natürlich der äußeren weißen Schokolade besteht. So ergibt sich ein Kaugefühl, daß in etwa dem nachmittäglichen Bestandsbericht des 2. Schanzoffiziers aus dem 4. Aufklärungs- und pionierbrigadebattallions zur Koordinationsoptimierung der gesamtlogistischen Versorgungslage in Anschauung von Wetterlage und mitteleuropäischer Sommerzeit entspricht. Also durchaus nicht spannend und unzäh, aber doch mit einem entschlossenen, nachhaltigen Eindruck von Folgerichtigkeit und Notwendigkeit ausgestattet. Wie soll es sich denn sonst kauen? Wer Praliné sagt, muß auch B sagen.

Geschmack: Wie der Schneewalzer zum Abschluß des Tanzballs beim Zapfenstreich zu Ehren des aus dem Dienst ausscheidenden Vier-Sternli-Generals und Backenbart-Weltrekordlers Urs Rüebli-von-Zitzewitz, den man zu Transpiration sich bereits anschickend in einem überheizten und überdünsteten Saale tanzt, weil er eben obligatorisch ist, nicht weil man möchte und trotz der nicht unbeträchtlichen Menge halbflüssigen Käsefondues, das sich gerade und schon eine Weile, zusammen mit einem respekteinflössenden Konvolut darübergegossenen Birnengeists, seinen Weg durch die bereits mit dem Aufruhr liebäugelnden Eingeweide bahnt. Will sagen: das ganze hat etwas schwüles, schweres, mächtiges, unfrisches und bräsig-ungelenkes, dem aber, wenn es ersteinmal in Fahrt und Schwung gekommen ist, bei all seiner großen Süße auch etwas angenehm mildes, rührend-anheimelnd-argloses und in seiner Erwartbarkeit Beruhigendes innewohnt. Und trotz der reduzierten Maße dieses Hölmleins ist man nach seinem Verzehr nicht minder aufwendig ernährt, grenzgesättigt und in schwerleibiger Stimmung der Bettstatt zuzustreben aufgelegt als wenn das Alphorn-Korps zum Ende jenes Gelages und zur endgültigen Auskehr „My way“ spielt.

Fazit: Das Schweizer-Armeemesser unter den Schokoriegeln. Nicht cool, nicht hip, nicht trendy. Dafür schwer und treu und verläßlich und zur Not bringt es einen durch den Winter und wenn man ein Bein damit schienen muß. Darf in keinem Schweizer-Armee-Rucksack fehlen. 



Freitag, 8. Dezember 2017

Riegelverkostung – Almond Joy



Was steht drauf: Milk Chocolate, Coconut & Almond

Hüftgoldfaktor: 220 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Mandelfreude. Ein so scheinbar einfaches Wort, ein vermeintlich so naheliegender Name für einen Riegel mit Mandeln stürzt mich sogleich in tiefe epistemische Verwirrung. Von welcher Freude mag hier die Rede sein, von der, die mir der Verzehr durch das enthaltene Mandelgut bereiten soll oder gar jener, die, wem? den enhaltenen Mandeln oder doch der Mandel als platonischer Idee zu empfinden zugetraut wird, wenn dieser Riegel seinem Zweck, der ja notwendig seine Vernichtung, seine Verendlichung beinhaltet, zugeführt wird? Gehört das Verzehrtwerden mithin zum kant’schen Zweck an sich selbst der einzig zu Verzehrzwecken gepflanzten Mandel oder ist er bereits in der seinsmäßigen Mandelhaftigkeit, aus der grundsätzlich Verzehrbarkeit emergiert, enthalten? Und was ist mit der Kokosnuß? Wieso ist sie nicht Teil des Namens? Weil sie weder Freude bereiten noch empfinden kann oder soll oder weil man sich aus unbekannten Gründen der Asymmetrie der Beurteilbarkeit dieser Frage bei ihr weniger gewiß ist als bei der Mandel und sie daher provisorisch unbeurteilt läßt? Wie ein fragender Mund und zwei schräggestellte Mandelaugen darüber starren einen die Abbilder der Zutaten von der in verschiedenen Blautönen gehaltenen Umverpackung an und werfen die Frage auf den Esser zurück, der im Inneren derselben, auf einer weißen Papplade drapiert, zwei kurze, pseudoovale Schokoschiffchen vorfindet, auf denen je zwei Mandeln liegend unter Schokoguß festgehalten sind. Und während sich jene Mandeln durch ihren Umriß verraten, bleiben sie doch unriechbar, wo vom Schiffchen bereits eine leichte Kokosbrise herweht.

Mundhaptik: Ich weiß auch, wie die Schiffchen heißen: Bounty, ohne Zweifel und die Mandeln sind als blinde Passagiere an Bord, die zu inert, zu phlegmatisch und unwirksam sind, um eine Meuterei auszulösen. Denn diese Chose kaut sich keinen Deut anders, als jener vulgärkaribische Allerweltshalbriegel, dem man aus unerfindlichen aber wahrscheinlich neckisch gemeinten Gründen zwei jener Rosaceasamen oktroyiert hat. Es bietet sich dem Munde  also ein halbzähkauiges, koksfaseriges nicht unangenehmes Kaugut, in dem, je nach Abbißstelle, mal mehr, mal weniger Mandelknack enthalten ist, was aber weniger Freude als milde Irritation verbreitet.

Geschmack: Die Freude an der Mandel kann hier wohl nur ein von seinen Fesseln freigesetzter platonischer Höhlenbewohner empfinden, der sich von der Allgegenwart der seinen Horizont aus Kavernenwänden füllenden, ja erfüllenden und alles andere überstrahlenden Kokosprojektion abgekehrt, sich umgewandt und beim Lichte der Idealwelt in der tiefsten geschmacklichen Tiefe der Wirklichkeit die reine Idee der Mandel geschaut hat. So furchtlos, messerscharf und genau muß man schon hinschmecken, wenn man im breiten, dröhnenden, beherrschenden, leicht schokolierten Kokosgewitter, das sich aufmerksamkeitheischend über den Geschmackspapillen entlädt und sie in Bann schlägt, das dünne, ephemere Fistelarömchen der Mandelidee aufnehmen will, welches zumeist nicht einmal mehr und nicht eigenständiger ist, als bloß die Summe des Nicht-Kokosseienden.

Fazit: Mandelfreude bezeichnet also die Freude, über den eigenen epistemischen Mut, die aufgebrachte metaphysische Sinnenschärfe, derer es bedarf, sich aufzuraffen und scheinbar gegen alle Vernunft einen Funken vor der Feuersbrunst, einen Tropfen im Wolkenbruch, ein Blatt im Urwald aufzufinden. Ich gehe jetzt zurück in die Höhle um zu verkünden, was ich gefunden habe. Man wird mir keinen Glauben schenken.