Die im folgenden getestete
Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank
;)
Was steht drauf: Original. Schokoladen-Confiserie mit gerösteten Haselnuss-Splittern.
Hüftgoldfaktor: man schweigt sich aus...
Erster Eindruck: Ein Riegel mit Minderwertigkeitskomplex? Schmal liegt er da, hart und ganz fest in sich gespannt, wie ein kauerndes kleines Tier, das man in eine Ecke gedrängt hat. In unauffälliges Grün gehüllt, das an TypeONegative erinnert, mit altmodischem Silberstreifen, auf dem in einem penibel und überkommen wirkenden Schriftkasten das eine Wort steht, das alles sagt: "Minor". Der Minderjährige, der Kleine, der, der weniger ist, der weniger bedeutet. Doch "Minor" bezeichnet auch das schönste Tongeschlecht: Moll. Melancholisch, in sich gekehrt ja versunken, desinteressiert am äußeren Eindruck, sparsam im Ausdruck, streng und verweigernd und doch an sich selbst genug.
Eng und fest schmiegt sich dieser Riegel in seine Hülle, die man nur durch entschlossenen Zug aufzuheben vermag, darunter liegt ein unscheinbarer, mattbrauner Barren, stumpf, ohne Verzierungen, ohne Wellen, ohne Tollen. Wie roh behauen imponiert er, wie naturbelassen, mit hellen Haselnußaugen, die wie Wirbel sind im Stein. Dazu paßt, daß sich sogar noch vor den ambientären Schokoladengeruch, den der Riegel verströmt, eine kräftig-holzige Nußader drängt.
Mundhaptik: Weich wie Nougat - dem harten Anschein trotzend - gibt der Riegel nach, wenn man zubeißt. Doch sofort knirscht und birst es auch am Zahn, wenn er auf die allgegenwärtigen Einnussungen trifft:
So schweben sie in des Riegels Basalte
wie ein noch ungefundenes Metall!
Ehrfürchtig füll'n sie seine Felsenfalte,
und ihre Härte fühl ich überall.
Dieses Stück muß man langsam kauen, zergehen lassen wie einen Funeral-Doom-Akkord, der kriecht und sich wälzt und sich schleppt, während alles in der Dunkelheit des Mundes vermengt, verschmolzen wird: Schokolade, Nougat, Nüsse, und nur eine angenehm zähe, widerständige Masse bleibt: der zermalmte Rest der alles ist, was bleibt, so wie von uns allen, vom Kosmos, dereinst nur zermalmter Reste bleiben werden... wir alle fallen. Und es ist die Unausweichlichkeit, die Gewißheit des Untergangs, die die Minor-Melancholie süß und seine Mundhaptik so schmerzlich angenehm macht.
Geschmack: Das ist ein Riegel für den Winter (und man sollte ihn nicht, wie ich, im Sommer essen). Groß und düster, samtig, schwer und schmiegend ist der Geschmack, unfrisch und warm wie ein Pelzmantel. Breit und heimelig schmeckt das Nougat, darein sich die Röstaromen der Haselnussfragmente eintragen. Die dunkle, weiche Umarmung dieses Geschmacks trägt Melancholie in sich und Endlichkeit, wie die verglimmende Röte und Wärme der Glut der zu Asche gewordenen Scheite eines Holzfeuers, das im Schnee eines tiefgrünen Winterwaldes langsam herabgebrannt ist.
Fazit: Ein Riegel für das Ende der Tage, an dem man das Ende der Dinge erwartet und das Endenmüssen akzeptiert hat.
Freitag, 1. Juni 2018
Freitag, 13. April 2018
Riegelverkostung – Chokito
Die im folgenden getestete
Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank
;)
Was steht drauf: Mit Knusperreis
– Avec du riz soufflé
Hüftgoldfaktor: 201 Kalorien dat
Stück
Erster Eindruck: Ein Schelm, wer da nicht an spielerisch erotisierte
Asphyxiophilie dächte, offensichtlicher geht es wohl kaum, der Name deutet es
ja schon an: Chokito als Verschmelzung aus dem englischen „choke“ mit
spanischem Verniedlichungs-ito. Darüber das knallrote kußmundförmige
Nestlé-Logo, darunter die Information über die Beimengung von Reis, der
allerdings g’schamig-politisch-korrekt als „Knusper-“ denn als, nun, Reis aus
jenen halbweltlichen Etablissements für kommerzielle
Genitalrhythmuskoordination bezeichnet wird, obgleich natürlich jeder weiß, was
hier wirklich gemeint ist. Zu allem Überfluß windet sich dann noch von unten
links aus dem Nichts kommend ein wollüstig-würgewütiger karamellgelber und
„knusper“reisbesaugnapfter Tentakel hinter dem Chokito-Schriftzug entlang und
durchbohrt diesen neckisch und genau durch das erste „o“. Daß Nestlé endlich
mit Chokitos gewagt-verschrobener Erotik in seiner spöttisch signalwestenorangenen
Umhüllung der Fa. Wander den ovomaltinenen Schneid bei den Schweizern abkaufen
will, dürfte auf der Hand liegen.
Ohne seine grelle Pelle dampft
der Charme dieses pockigen Schlawiners etwas ein, denn die durch einen dünnen
Schokoguß über die gesamte Riegeloberfläche fixierten „knusper“reisigen
Warzoiden verleihen dem präprandial-erotisierten Erwartungsknistern eine
beunruhigend venerologische Tingierung, die durch den Geruch Chokitos nicht gerade
verbessert wird, erinnert er doch unzweideutig an den der Auskeuchungen aus
ihren Ventilen jener inflatiblen PVC-Damen, die sie hervorbringen müßssen, wenn
man sie nach gehabter Nutzung in kommodere Maße zurückwringt. Dennoch: ich bin
nicht ungespannt.
Mundhaptik: Naja. Allen
asphyxiogenen Andeutungen zum Trotz schnürt sich einem die Kehle hier wahrlich
nicht zu, noch stockt der Atem und auch die Luft bleibt nicht weg, höchstens
die Lust. Das kurze und schnellvergängliche Knistern des „Knusper“reises ist
genau so schnell zerkaut und im allerweltszähkaramelligen Toffeegehabe der
Hauptfüllkomponente Chokitos abgesoffen, wie es zur Ernüchterung kommt, nachdem
eine jener grell bemalten und nicht mehr taufrischen Satisfaktionsbeauftragten
mit Penetrationshintergrund die vorab streng und rein geschäftlich ausgehandelten
Handgriffe und sonstigen Verrichtungen abgearbeitet und unmittelbar danach zur
Beendigung der räumlichen Gemeinschaft ermuntert hat.
Geschmack: Wie würden Sie denn
schmecken, wenn Sie für ein paar Monate in der „stummen Ursel“ gesteckt hätten? Bestimmt nicht minder plastinär als unser genoppter Verzehrauftrag hier.
„Knusper“reis schmeckt ja in der Regel sowieso nach nichts, es bleibt also ein
Karamellkern in Schokohülle, der aber nurmehr durch eine immanente schiere basale
Süße kenntlich wird, weil seine komplexeren Aromen im tiefen Schlund jener übermächtigen
plastinös-vinylenen Schlauchhaftigkeit, jener ethylen-gummierten
Polymerschmelze, jenem bituminösen Weichmacherphtalat versackt sind!
Schmölze und verquickte man einen Scheffel braunen Zuckers, reichlich Styropor,
die in Knallfolie gewickelte Polyester-Perücke von Theo Lingen, einen
Polyurethan-Vibrator und eine Tafel Trumpf-Schokolade, so schmeckte diese
Mischung nicht anderes als Chokito.
Fazit: ein Riegel wie eine Nacht
voll französischer Küsse im Gummipuppen-Bordell.
Freitag, 6. April 2018
Riegelverkostung – Tronky Nocciola
Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und
wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank ;)
Was steht drauf: Wafer con ripieno cremoso al cacao e
nocciole
Hüftgoldfaktor: 99 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Wie niedlich, dieses vertiable
Leichtgewicht von einem Kleinriegel, der noch dazu einen zugleich albernen und
niedlich-plump klingenden Namen trägt, so wie ein vergleichsweise ungroßes weil
noch adoleszentes, tollpatschiges Elefäntchen als Hauptdarsteller in einem jener
gruseligen trubulent-rührenden Zeichentrickabenteuer für die ganze Familie, in
dem es durch seine arglose Unbeholfenheit und Neigung zu Tagträumereien immer
wieder in mit klassische Musik imitierender nervend-heiterer Filmmusik
unterlegte haar- bzw. borstensträubende Abenteuer und sonstige Schwulitäten
gerät. Auf der in der Hauptsache roten, wertig glatt-glänzenden Verpackung
findet sich eine comichafte Abbildung Tronkys nebst einer klischeehaften
Darstellung von Haselnüssen mit Blattgrün.
Dank der servicebewußterweise angebrachten Aufreißlasche gelangt man schnell zum Inhalt der Packung, der bei Inaugenscheinnahme sofort die Assoziation vom ulkigen Kleinpachydermer zerstört, wenn man mit ihm einen mit okkulten Runen und Gravuren bedeckten und auch noch haselnußholzfarbenen Waffelsarg herauszieht: denn genau wie eine jener Kisten, mit flacher Lade und hochgewölbtem Deckel mit coupierten Schrägenden zur längerfristigen, subterranen Verstauung thermodymanisch equilibrierter Herrschaften sieht der nackte Tronky aus. Und ebenso hermetisch wie sein Erdmöbelpedant seine modernden Gebeine verschließt jener jeden Geruch von Schokolade in sich und gibt lediglich einen waffeltypischen Süßodeur frei.
Dank der servicebewußterweise angebrachten Aufreißlasche gelangt man schnell zum Inhalt der Packung, der bei Inaugenscheinnahme sofort die Assoziation vom ulkigen Kleinpachydermer zerstört, wenn man mit ihm einen mit okkulten Runen und Gravuren bedeckten und auch noch haselnußholzfarbenen Waffelsarg herauszieht: denn genau wie eine jener Kisten, mit flacher Lade und hochgewölbtem Deckel mit coupierten Schrägenden zur längerfristigen, subterranen Verstauung thermodymanisch equilibrierter Herrschaften sieht der nackte Tronky aus. Und ebenso hermetisch wie sein Erdmöbelpedant seine modernden Gebeine verschließt jener jeden Geruch von Schokolade in sich und gibt lediglich einen waffeltypischen Süßodeur frei.
Mundhaptik: Leider fügt sich die Mundhaptik in ihrer
Phänomenologie der sarkophagistischen Assoziation bündig ein: Tronky ißt sich exakt so,
als knabbere man an eines in Mumifikation befindlichen Verstorbenen Finger! Die
trockene papyrusartige Waffelhülle entspricht dabei der im Wüstenklima
exsicierten Pergamenthaut, das auf beunruhigende Weise undifferenziert Weiche
des Inneren dem inzwischen durch Autolyse und allgemeine Zersetzung schwammig
aber bei simultaner Dehydrierung nicht zerfließlich gewordenen Gewebe. Die
zwischen den Zähnen knackenden Nußstückchen erinnern, ich bedaure, dies
unbeschönigt so sagen zu müssen, unweigerlich an einen morschen, porösen, ins
Fleisch eingebetteten Fingerknochen. So sehr diese Mundhaptik postmortale-Anthropophagie-Aficionados
zu Begeisterungsstürmen hinreißen mag, so deutlich muß doch mein Hinweis ausfallen,
daß man „special interest“ auch übertreiben kann und so ein Zungenkuß mit
Ramses dem II, wie er schon lange weder leibt noch lebt, nicht Jedesessers
Sache ist.
Geschmack: Kaum schließt man die Augen während man noch die
Reste altägyptischer Potentaten im Munde zermahlt, versetzt einen der
verblichen, schwach und erodiert wirkende Geschmack Tronkys in fernste
Vergangenheit. So muß das harte, trockene, ganz leicht gesüßte Protobrot
steineschleppender Pyramidensklaven, so die staubigen, mit Sirup benetzten
Bandagen geschmeckt haben, die sich die ägyptischen Balsamierer vor Mund und
Nase banden, um den Gestank ihres in Grabkammern ausgeübten Handwerks zu
übertünchen, wenn sie die Bälge ihrer toten Herrscher in die Kanopen leerten:
Tronky schmeckt alt, gewesen, vergangen, in der Zeit verloren, so, als sei sein
Geschmack seine Rache für die Störung,
die darin lag ihn zu verspeisen.
Fazit: Ein Riegel wie ein Fluch des Pharaos. Ist
Mumienschändung eigentlich strafbar?
Montag, 2. April 2018
Riegelverkostung - Torino
Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank ;)
Was steht drauf: Lait - Feiner Schweizer Milchschokoladenstengel mit Haselnuss- und Mandelcreme-Füllung
Hüftgoldfaktor: desisch nicccht so wicchtik, odrrr?
Erster Eindruck: Schon wieder ein Schweizer Stängerli und schon wieder im Armeemesser-Rot mit einem kleinen Fähnli auf der Umhüllung? Durch Phantasie bei der Hüllengestaltung brillieren sie ja nicht gerade, die eidgenössischen Schokoriegelanten, und diesem hat man gar nur ein hauchdünnes, fimschiges Mäntlein aus gewalztem und etwas unwertig knisterndem Aluminium umgetan. Drauf findet sich selbstbewußt der wohlstandsgoldumrandete Namenszug, der einen innerlich im Schatten der endlosen Arkadengänge jener bulligen Schönheit im Nordwesten Italiens wandeln läßt.
Schlägt man ihn aus seinem armen roten Talmi-Deckchen, kommt ein langer aber doch massiver, schlanker aber doch schwerer, ganz glatter und wie zur Obacht mahnender Schokoladenfinger zum Vorschein, der gemahnt, daß man es hier gar nicht nötig hat, durch kokette Verzierungen, jene wohlbekannten Wellen und Ziselierungen anderer und eben geringerer Riegel Oberflächen, von der Ausschließlichkeit des zu Erwartenden abzulenken. Nicht minder souverän schickt Torino einem auch eine olfaktorische Botschaft von reicher Schokolade, nuß- und mandelschwerer Fracht entgegen. All dies suggeriert ein so bewußtes Understatement, daß es ein zu erwartendendes Overstatement im Balderschmeckten nicht deutlicher ankündigen könnte.
Mundhaptik: Herrlich. Als stecke der geschickteste Uhrmacher seiner Majestät der Königin der Feen seinen schlanken Finger in feinsten Handschuhen aus Sammet und Elbenhaar uns behutsam und zärtlich in den wollüstig offenen Mund und streiche, gleite und kose damit inniglich uns'ren Gaumen, Zunge, Wangen und Rachen, wohlige, wonnige Schauer auslösend. Hier gelingt das seltene Kunststück, eine gänzlich homogene dick-pastöse Riegelfüllung nicht feist-bräsig, nicht pappig, schmierig oder aufdringlich sondern einfach nur balsamig-sanft und schmiegend-cremig sein zu lassen. Die mundhaptische Entsprechung einer Massage mit warmem Öl unter kundigsten Händen.
Geschmack: Mmmmhhhh.... für einen Moment nur läßt diese dunkelbraune Herrlichkeit, dieses aus den Herzen von Haselnüssen und Mandeln kondensierte Opiat, den mit geschlossenen Augen Kauenden alle Sorgen vergessen in einer Innigkeit und Süße, als werde im selbstvergessen schmeckend-schwelgenden Munde das Adagio aus Bruchs 1. Violinkonzert aufgeführt. Mit anderen Worten:
Er hat sich so unendlich klein begonnen
an jenem Tag, da ich mit ihm begann, -
ist dann im Mund gereift wie unter Sonnen
wobei sich sein Geschmack erst ganz entspann,
dass er in Menschenkindern voller Wonnen
sich ruhend jetzt vollenden kann:
Für kurze Zeit erlöst Geschmack den Kranken von seinem Leid. Und hebt die Augen dem Betrübten über alle Traurigkeit. Und dem Verzweifelten, der ohne Trost und ohne Hoffnung ist, schenkt dieses Schmecken doch Vergessen, wenigstens für kurze Frist. Nimmt alle Last für nur Momente, die schwer auf uns‘ren Schultern ruht: Alles ist gut, alles ist gut.
Fazit: Die mönchisch bescheidene Aufmachung dieses Prachtstücks von Schokoriegel ist nur ein tremulierter Septakkord, der sich in einer überwältigenden Kadenz von Wohlsein und Wohlgeschmack entlädt. Danke.
Was steht drauf: Lait - Feiner Schweizer Milchschokoladenstengel mit Haselnuss- und Mandelcreme-Füllung
Hüftgoldfaktor: desisch nicccht so wicchtik, odrrr?
Erster Eindruck: Schon wieder ein Schweizer Stängerli und schon wieder im Armeemesser-Rot mit einem kleinen Fähnli auf der Umhüllung? Durch Phantasie bei der Hüllengestaltung brillieren sie ja nicht gerade, die eidgenössischen Schokoriegelanten, und diesem hat man gar nur ein hauchdünnes, fimschiges Mäntlein aus gewalztem und etwas unwertig knisterndem Aluminium umgetan. Drauf findet sich selbstbewußt der wohlstandsgoldumrandete Namenszug, der einen innerlich im Schatten der endlosen Arkadengänge jener bulligen Schönheit im Nordwesten Italiens wandeln läßt.
Schlägt man ihn aus seinem armen roten Talmi-Deckchen, kommt ein langer aber doch massiver, schlanker aber doch schwerer, ganz glatter und wie zur Obacht mahnender Schokoladenfinger zum Vorschein, der gemahnt, daß man es hier gar nicht nötig hat, durch kokette Verzierungen, jene wohlbekannten Wellen und Ziselierungen anderer und eben geringerer Riegel Oberflächen, von der Ausschließlichkeit des zu Erwartenden abzulenken. Nicht minder souverän schickt Torino einem auch eine olfaktorische Botschaft von reicher Schokolade, nuß- und mandelschwerer Fracht entgegen. All dies suggeriert ein so bewußtes Understatement, daß es ein zu erwartendendes Overstatement im Balderschmeckten nicht deutlicher ankündigen könnte.
Mundhaptik: Herrlich. Als stecke der geschickteste Uhrmacher seiner Majestät der Königin der Feen seinen schlanken Finger in feinsten Handschuhen aus Sammet und Elbenhaar uns behutsam und zärtlich in den wollüstig offenen Mund und streiche, gleite und kose damit inniglich uns'ren Gaumen, Zunge, Wangen und Rachen, wohlige, wonnige Schauer auslösend. Hier gelingt das seltene Kunststück, eine gänzlich homogene dick-pastöse Riegelfüllung nicht feist-bräsig, nicht pappig, schmierig oder aufdringlich sondern einfach nur balsamig-sanft und schmiegend-cremig sein zu lassen. Die mundhaptische Entsprechung einer Massage mit warmem Öl unter kundigsten Händen.
Geschmack: Mmmmhhhh.... für einen Moment nur läßt diese dunkelbraune Herrlichkeit, dieses aus den Herzen von Haselnüssen und Mandeln kondensierte Opiat, den mit geschlossenen Augen Kauenden alle Sorgen vergessen in einer Innigkeit und Süße, als werde im selbstvergessen schmeckend-schwelgenden Munde das Adagio aus Bruchs 1. Violinkonzert aufgeführt. Mit anderen Worten:
Er hat sich so unendlich klein begonnen
an jenem Tag, da ich mit ihm begann, -
ist dann im Mund gereift wie unter Sonnen
wobei sich sein Geschmack erst ganz entspann,
dass er in Menschenkindern voller Wonnen
sich ruhend jetzt vollenden kann:
Für kurze Zeit erlöst Geschmack den Kranken von seinem Leid. Und hebt die Augen dem Betrübten über alle Traurigkeit. Und dem Verzweifelten, der ohne Trost und ohne Hoffnung ist, schenkt dieses Schmecken doch Vergessen, wenigstens für kurze Frist. Nimmt alle Last für nur Momente, die schwer auf uns‘ren Schultern ruht: Alles ist gut, alles ist gut.
Fazit: Die mönchisch bescheidene Aufmachung dieses Prachtstücks von Schokoriegel ist nur ein tremulierter Septakkord, der sich in einer überwältigenden Kadenz von Wohlsein und Wohlgeschmack entlädt. Danke.
Samstag, 3. März 2018
Riegelverkostung - Tabló? Perugina?
Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und
wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank ;)
Was steht drauf: Latte cremoso
Hüftgoldfaktor: 160 Kalorien dat Stück
Was steht drauf: Latte cremoso
Hüftgoldfaktor: 160 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Kaos italiano! Man darf sich, angesichts
der unordentlichen Vielfalt der Entitäten und Botschaften auf der
sommerhimmelblauen, persenninghaften Umhüllung dieses Naschwerks nicht einmal
seines Namens sicher sein. Ist er nun „Perugina“? Oder „Tablò“ und was hat die
„Latte cremoso“ damit zu schaffen? Und was der offenbar erst 1907 eingetroffene
(?) Pegasus und was die Stadt Perugia? Und erwarten einen im Inneren wirklich
jene abgebildeten dunkelbraunen, vierrundeckigen medianeingewölbten
Pastilloiden, die in Form und Farbe irgendwie an eine Hälfte dieser typischen
Dickbrillen aus den 60er, 70er Jahren erinnern und aus denen eine
fröhlich-liquide anmutende weiße Milch(?)haftigkeit herausperlt? Aber warum
sollte ein zumindest formhalber als schokorieguläres Produkt durchgehendes
Nascherzeugnis auch in und an sich stimmiger sein, als die Politik und generell
innere Verfaßtheit der Insassen des Landes, in dem es gegossen? Nichts paßt
hier zusammen, Farben, Formen, Aussagen, Botschaften, alles scheint in jeweils
entschlossener doch ebenso unverdrossener und vielleicht gar augenzwinkernder
Selbstbehauptung im unversöhnlichen Konflikt mit allem anderen zu liegen. Es
wird sich zeigen, ob, wie dem Land so auch dem Riegel das Wunder gelingen kann,
in der Summe dennoch ganz wunderbar zu sein.
Befreit man den Inhalt aus seiner Hülle, offenbar sich
Überraschendes: die Pastilloiden sind in Wirklichkeit vier zur Kette
verschmolzene olympischen Ringe (einen hatte man wohl leider der N’drangheta
schutzhalber aushändigen müssen…oder verloren), die bei genauer nasaler
Inspektion eine leicht plastilingeschwängerte Schokobrise aufgeben.
Mundhaptik: Ein Schwindel! Alles nur ein großer Schwindel!
Mit fadem Knacken gibt der Reif dem Zahne nach und offenbart den Betrug: nichts
als gemeine, schnöde, einfache Schokolade ist die Substanz dieser Konkatenats.
Nichts weißes, nichts fluides, nichts milchig-cremig-schmelzendes, nur in
seiner faden, unfrischen und leicht verhorn imponierenden Konsistenz an die
Gesäßschwielen eines Schokonikolauses erinnernd, der gleich mehrere Saisonen
dem Verzehr entrann, weil er im entscheidenden Moment einem von der Vereinigten
Schokoladenhohlfigureninteressengemeinschaft (VSHFI) angezettelten Sitzstreik
zur Erzwingung besserer Arbeitsbedingungen beihalf. Die Kongruenz der
Verworfen- und Abgetragenheit seiner inneren Strukturen zu denen seines
Heimatlandes ist hier augenfällig.
Geschmack: Hier endet die Übereinstimmung: denn während die
italienische Küche trotz allen Elends ihrer Herkunft Nase, Gaumen und Zunge
singen, tanzen und selbstbewässert frohlocken macht, würde diesen zerlöcherten
Bettler im Reiche des Gustos, diesen Verräter an den Möglichkeiten des
Schokoladengeschmacks, diesen fad-drögen Staubschmecker wohl selbst ein italienischer
Kerkersträfling beim Essenfassen nicht in seinem Emaillenapf erdulden.
Bastardo! Mamma mia, Bastardo! Was erlauben Tablò?!
Fazit: Der Berlusconi unter den Riegeln: außen braun,
poliert, bizarr-chaotisch und das Blaue vom Himmel versprechend, innen hohl,
verlogen und das am Äußeren weggelogene Alter schmerzhaft kenntlich werden
lassend.
Freitag, 12. Januar 2018
Riegelverkostung - Munz
Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und
wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank :)
Was steht drauf:
Prügeli weiß; Branche blance – Weißer Schokoladenstengel mit Pralinéfüllung
Hüftgoldfaktor: 266
Kalorien pro Prügeli, odrr?
Erster Eindruck:
Es hat etwas zugleich militärisches und lächerliches (und mir ist die nicht
unerhebliche Schnittmenge dieser beiden Formen der Daseinsfristung durchaus
nicht unverborgen geblieben), wie es so daliegt, das robuste, schwere Stängerli
in seinem Mäntlein im
Schweizer-Taschenmesser-Rot, darauf das lustige Additionszeichen von der
Flagge jener Nation erztüchtiger und erzgeschäftiger Erz-Neutraler (desto
neutraler, je höher der Goldgehalt im Erz) und sein lächerlicher Name „Munz“,
dem gefühlt ein ‚Oberst’ vorangestellt und ein dicker Schnorres druntergemalt
gehört. Zum konservativ-militärisch-zuchtmeisterlich-virilen Hautgout trägt
überdies die Überbetonung der Weißheit des Produkts und seine morphologische
Nähe zu primär einem Schlagwergzeug aber in zweiter untertöniger Annäherung auch
einem Phallus bei, linguistisch erfaßt als „branche“, als
rührend-verniedlichendes „Prügeli“ oder als „Stängel“.
Unterm Wappenrock kommt denn auch ein schlanker, akkurater,
leicht oberflächengewellter Barren zum Vorschein, der in seiner vornehmen, an
der Grenze zum kränklichen rangierenden weißschokoladären Blässe den strammen
Waden noch des stolzesten Gebirgsjägers Ehre machen würde. Riecht man ganz
konzentriert hin, und nur dann, ist ein all seine Inhalte fest verschließendes
und für weiße Schokolade ansonsten typisches plastinöses Miniaroma zu merken
Mundhaptik: Mit
einem dumpfen „Knack“, so zackig wie die stracks zur Stirne zum Gruß expedierte
Hand, bricht Munz unter dem ersten Bisse ab und in den Mund, wo der Bissen sich
dienstbeflissen und nicht unangenehm als dichte rauh-weiche Verzehrmasse verbreitet,
die in der Hauptsache aus einer braunen Pralinéecreme mit dünnen Hüllen aus
brauner und natürlich der äußeren weißen Schokolade besteht. So ergibt sich ein
Kaugefühl, daß in etwa dem nachmittäglichen Bestandsbericht des 2.
Schanzoffiziers aus dem 4. Aufklärungs- und pionierbrigadebattallions zur
Koordinationsoptimierung der gesamtlogistischen Versorgungslage in Anschauung
von Wetterlage und mitteleuropäischer Sommerzeit entspricht. Also durchaus
nicht spannend und unzäh, aber doch mit einem entschlossenen, nachhaltigen Eindruck
von Folgerichtigkeit und Notwendigkeit ausgestattet. Wie soll es sich denn
sonst kauen? Wer Praliné sagt, muß auch B sagen.
Geschmack: Wie der
Schneewalzer zum Abschluß des Tanzballs beim Zapfenstreich zu Ehren des aus dem
Dienst ausscheidenden Vier-Sternli-Generals und Backenbart-Weltrekordlers Urs
Rüebli-von-Zitzewitz, den man zu Transpiration sich bereits anschickend in
einem überheizten und überdünsteten Saale tanzt, weil er eben obligatorisch
ist, nicht weil man möchte und trotz der nicht unbeträchtlichen Menge
halbflüssigen Käsefondues, das sich gerade und schon eine Weile, zusammen mit einem
respekteinflössenden Konvolut darübergegossenen Birnengeists, seinen Weg durch
die bereits mit dem Aufruhr liebäugelnden Eingeweide bahnt. Will sagen: das
ganze hat etwas schwüles, schweres, mächtiges, unfrisches und
bräsig-ungelenkes, dem aber, wenn es ersteinmal in Fahrt und Schwung gekommen
ist, bei all seiner großen Süße auch etwas angenehm mildes,
rührend-anheimelnd-argloses und in seiner Erwartbarkeit Beruhigendes innewohnt.
Und trotz der reduzierten Maße dieses Hölmleins ist man nach seinem Verzehr
nicht minder aufwendig ernährt, grenzgesättigt und in schwerleibiger Stimmung
der Bettstatt zuzustreben aufgelegt als wenn das Alphorn-Korps zum Ende jenes
Gelages und zur endgültigen Auskehr „My way“ spielt.
Fazit: Das
Schweizer-Armeemesser unter den Schokoriegeln. Nicht cool, nicht hip, nicht
trendy. Dafür schwer und treu und verläßlich und zur Not bringt es einen durch
den Winter und wenn man ein Bein damit schienen muß. Darf in keinem
Schweizer-Armee-Rucksack fehlen.
Freitag, 8. Dezember 2017
Riegelverkostung – Almond Joy
Was steht
drauf: Milk Chocolate, Coconut & Almond
Hüftgoldfaktor:
220 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Mandelfreude. Ein so
scheinbar einfaches Wort, ein vermeintlich so naheliegender Name für einen
Riegel mit Mandeln stürzt mich sogleich in tiefe epistemische Verwirrung. Von
welcher Freude mag hier die Rede sein, von der, die mir der Verzehr durch das
enthaltene Mandelgut bereiten soll oder gar jener, die, wem? den enhaltenen
Mandeln oder doch der Mandel als
platonischer Idee zu empfinden zugetraut wird, wenn dieser Riegel seinem Zweck,
der ja notwendig seine Vernichtung, seine Verendlichung beinhaltet, zugeführt
wird? Gehört das Verzehrtwerden mithin zum kant’schen Zweck an sich selbst der einzig zu
Verzehrzwecken gepflanzten Mandel oder ist er bereits in der seinsmäßigen Mandelhaftigkeit,
aus der grundsätzlich Verzehrbarkeit emergiert, enthalten? Und was ist mit der
Kokosnuß? Wieso ist sie nicht Teil des Namens? Weil sie weder Freude bereiten
noch empfinden kann oder soll oder weil man sich aus unbekannten Gründen der
Asymmetrie der Beurteilbarkeit dieser Frage bei ihr weniger gewiß ist als bei
der Mandel und sie daher provisorisch unbeurteilt läßt? Wie ein fragender Mund
und zwei schräggestellte Mandelaugen darüber starren einen die Abbilder der Zutaten
von der in verschiedenen Blautönen gehaltenen Umverpackung an und werfen die
Frage auf den Esser zurück, der im Inneren derselben, auf einer weißen Papplade
drapiert, zwei kurze, pseudoovale Schokoschiffchen vorfindet, auf denen je zwei
Mandeln liegend unter Schokoguß festgehalten sind. Und während sich jene
Mandeln durch ihren Umriß verraten, bleiben sie doch unriechbar, wo vom
Schiffchen bereits eine leichte Kokosbrise herweht.
Mundhaptik: Ich
weiß auch, wie die Schiffchen heißen: Bounty, ohne Zweifel und die Mandeln sind
als blinde Passagiere an Bord, die zu inert, zu phlegmatisch und unwirksam sind,
um eine Meuterei auszulösen. Denn diese Chose kaut sich keinen Deut anders, als
jener vulgärkaribische Allerweltshalbriegel, dem man aus unerfindlichen aber
wahrscheinlich neckisch gemeinten Gründen zwei jener Rosaceasamen oktroyiert
hat. Es bietet sich dem Munde also ein
halbzähkauiges, koksfaseriges nicht unangenehmes Kaugut, in dem, je nach
Abbißstelle, mal mehr, mal weniger Mandelknack enthalten ist, was aber weniger
Freude als milde Irritation verbreitet.
Geschmack: Die
Freude an der Mandel kann hier wohl nur ein von seinen Fesseln freigesetzter
platonischer Höhlenbewohner empfinden, der sich von der Allgegenwart der seinen
Horizont aus Kavernenwänden füllenden, ja erfüllenden und alles andere
überstrahlenden Kokosprojektion abgekehrt, sich umgewandt und beim Lichte der
Idealwelt in der tiefsten geschmacklichen Tiefe der Wirklichkeit die reine Idee
der Mandel geschaut hat. So furchtlos, messerscharf und genau muß man schon
hinschmecken, wenn man im breiten, dröhnenden, beherrschenden, leicht
schokolierten Kokosgewitter, das sich aufmerksamkeitheischend über den
Geschmackspapillen entlädt und sie in Bann schlägt, das dünne, ephemere
Fistelarömchen der Mandelidee aufnehmen will, welches zumeist nicht einmal mehr
und nicht eigenständiger ist, als bloß die Summe des Nicht-Kokosseienden.
Fazit:
Mandelfreude bezeichnet also die Freude, über den eigenen epistemischen Mut,
die aufgebrachte metaphysische Sinnenschärfe, derer es bedarf, sich aufzuraffen
und scheinbar gegen alle Vernunft einen Funken vor der Feuersbrunst, einen
Tropfen im Wolkenbruch, ein Blatt im Urwald aufzufinden. Ich gehe jetzt zurück
in die Höhle um zu verkünden, was ich gefunden habe. Man wird mir keinen
Glauben schenken.
Abonnieren
Posts (Atom)