Freitag, 6. April 2018

Riegelverkostung – Tronky Nocciola


Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Christopher N. und wurde von ihm höchstselbst aus dem ulkigen Nachbarstaat im Süden importiert. Dafür Dank ;)

Was steht drauf: Wafer con ripieno cremoso al cacao e nocciole

Hüftgoldfaktor: 99 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Wie niedlich, dieses vertiable Leichtgewicht von einem Kleinriegel, der noch dazu einen zugleich albernen und niedlich-plump klingenden Namen trägt, so wie ein vergleichsweise ungroßes weil noch adoleszentes, tollpatschiges Elefäntchen als Hauptdarsteller in einem jener gruseligen trubulent-rührenden Zeichentrickabenteuer für die ganze Familie, in dem es durch seine arglose Unbeholfenheit und Neigung zu Tagträumereien immer wieder in mit klassische Musik imitierender nervend-heiterer Filmmusik unterlegte haar- bzw. borstensträubende Abenteuer und sonstige Schwulitäten gerät. Auf der in der Hauptsache roten, wertig glatt-glänzenden Verpackung findet sich eine comichafte Abbildung Tronkys nebst einer klischeehaften Darstellung von Haselnüssen mit Blattgrün.
Dank der servicebewußterweise angebrachten Aufreißlasche gelangt man schnell zum Inhalt der Packung, der bei Inaugenscheinnahme sofort die Assoziation vom ulkigen Kleinpachydermer zerstört, wenn man mit ihm einen mit okkulten Runen und Gravuren bedeckten und auch noch haselnußholzfarbenen Waffelsarg herauszieht: denn genau wie eine jener Kisten, mit flacher Lade und hochgewölbtem Deckel mit coupierten Schrägenden zur längerfristigen, subterranen Verstauung thermodymanisch equilibrierter Herrschaften sieht der nackte Tronky aus. Und ebenso hermetisch wie sein Erdmöbelpedant seine modernden Gebeine verschließt jener jeden Geruch von Schokolade in sich und gibt lediglich einen waffeltypischen Süßodeur frei.

Mundhaptik: Leider fügt sich die Mundhaptik in ihrer Phänomenologie der sarkophagistischen Assoziation bündig ein: Tronky ißt sich exakt so, als knabbere man an eines in Mumifikation befindlichen Verstorbenen Finger! Die trockene papyrusartige Waffelhülle entspricht dabei der im Wüstenklima exsicierten Pergamenthaut, das auf beunruhigende Weise undifferenziert Weiche des Inneren dem inzwischen durch Autolyse und allgemeine Zersetzung schwammig aber bei simultaner Dehydrierung nicht zerfließlich gewordenen Gewebe. Die zwischen den Zähnen knackenden Nußstückchen erinnern, ich bedaure, dies unbeschönigt so sagen zu müssen, unweigerlich an einen morschen, porösen, ins Fleisch eingebetteten Fingerknochen. So sehr diese Mundhaptik postmortale-Anthropophagie-Aficionados zu Begeisterungsstürmen hinreißen mag, so deutlich muß doch mein Hinweis ausfallen, daß man „special interest“ auch übertreiben kann und so ein Zungenkuß mit Ramses dem II, wie er schon lange weder leibt noch lebt, nicht Jedesessers Sache ist.

Geschmack: Kaum schließt man die Augen während man noch die Reste altägyptischer Potentaten im Munde zermahlt, versetzt einen der verblichen, schwach und erodiert wirkende Geschmack Tronkys in fernste Vergangenheit. So muß das harte, trockene, ganz leicht gesüßte Protobrot steineschleppender Pyramidensklaven, so die staubigen, mit Sirup benetzten Bandagen geschmeckt haben, die sich die ägyptischen Balsamierer vor Mund und Nase banden, um den Gestank ihres in Grabkammern ausgeübten Handwerks zu übertünchen, wenn sie die Bälge ihrer toten Herrscher in die Kanopen leerten: Tronky schmeckt alt, gewesen, vergangen, in der Zeit verloren, so, als sei sein Geschmack seine Rache für die  Störung, die darin lag ihn zu verspeisen.

Fazit: Ein Riegel wie ein Fluch des Pharaos. Ist Mumienschändung eigentlich strafbar?

 
 

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