Donnerstag, 2. Januar 2025

Riegelverkostung – Bolçi Dubai Chocolate

 Diese Riegelware wurde mir vom stets mit dem Finger den Puls der Zeit fühlenden Martin W. zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dafür Dank. 

Was steht drauf:  Milchschokolade mit 40% Pistazien-Creme-Füllung und gerösteten Teigfäden

Hüftgoldfaktor: 165 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Ich hatte gehofft, mich dem 2024er „Hype“ um des Dubaiers Schokolade entziehen zu können, dem Verfallene dem Vernehmen nicht nur meterlanges Schlangestehen vor Spezialorten, wo jene feilgeboten wurde, sondern gar Raufhändel um letztverbliebene Stücke in entsprechenden Lokalitäten in Kauf nahmen. Doch nicht nur stieß mich dieser  Hype (wie jeder andere auch) ab, es reizten mich auch weder besonders die allerorten verkündete Zusammensetzung des Produkts noch das aus unerfindlichen Gründen namengebende Kackland, das wohl ehrlicher „You buy!“ hieße.

Dennoch gelangte auf verschlungenen Pfaden (die auch durch die Hände eines deutschen  Importeurs führten, der überaus dankenswerter- wie hervorragenderweise den Namen „Naschimann“ trägt) ein 30g-Riegelwinzling von der Türkei bis auf meinen Rezensiertisch. Und da liegt er nun, der einhüllende Burnus längs in ein grünmetallic und ein weißes Feld geteilt, darauf der angebissene Riegel mit herausquellender neongrüner Mampfmatsche nebst ein paar verstreuter Pistazien abgebildet sind. Unter der Hülle kommt ein scharfkantiger, trapezquerflächiger Schokoquader zum Vorschein, dessen Oberfläche dreigeteilt und mit schmucken eingravierten Intarsien verziert ist. Ob es sich bei diesen um verschriftliche Hilfegesuche von Sklavenarbeitern aus einer dubaiakischen Schokoladenmine handelt, vermag ich als des Intarsinesischen Unkundiger nicht zu sagen. Jedenfalls steigt vom kleinen Quader sogleich ein angenehmer Schokoduft zur Nase auf, der etwas schweres, fülliges, nuß- bzw. nougatartiges in sich trägt.

Mundhaptik: Ob der Dubayer an Pistazie sparen muß oder wollte, kann ich nicht eruieren, Fakt aber ist, daß ein erklecklicher Volumenanteil dieses Riegels aus mundhaptisch angenehm cremig-nachgiebiger, bißdezelerierender Schokolade besteht, die man zahnschneidend zu durchtrennen hat, bis der Biß in ins eher flache grüne Gewölbe von und zu Pistazialien eindringt, dabei eine leises, weiches Abknapsgeräusch erzeugend. In die grobstollig-matschig imponierende, keineswegs neon- sondern eher fahlgrüne Masse eingebettet finden sich bei nahem Hinsehen wahrhaftig vereinzelte hellbräunliche Einsprengsel, die mutmaßlich jene „gerösteten Teigfäden“ darstellen sollen und beim Kauen in einer ansonsten mundhaptisch amorphen, schmierpastösen Kletsche ein leises, zurückhaltendes leicht knarzendes Geräusch und Gefühl erzeugen.

Geschmack:  Schokolade mit Pistazie halt. Wenn mir die Bayern und insbesondere die aus Du nicht so unsympathisch wären, wäre mir vielleicht die Assoziation vom die Wüste durchquerenden Nomaden gekommen, der bei der nächtlichen Rast an einer Oase in der rasch sich abkühlenden Wüste, da ihm die Kälte bereits in die müden Knochen kriecht, sich einen Becher Schokoladentrunks über dem Feuer erwärmt; und wie er in einen süßen Teigfladen beißt und sich kauend mit einer Hand seine Kamelhaardecke fester um sich zieht und sich dann behaglich an den Pistazienbaum, an dem er sein Lager aufgeschlagen hat, anlehnt; und wie ihm dann durch einen Windhauch in sternenklarer Wüstennacht eine Handvoll Pistazien in den Schoß geweht werden, die er sogleich schält und sich zu den Teigfladenresten in den zahnarmen Mund schiebt; und wie er dann, um sich das Kauen zu erleichtern, einen guten Schluck seiner schweren, dicken, heißen Schokolade zugießt und ihm bei der sich nun entfaltenden Geschmacksmelange ein Idee für ein Naschwerk kommt, die von Generation zu Generation weitervererbt und irgendwann zur erfolgreichen „Dubai-Schokolade“ wurde.

Diese Assoziation kommt mir aber nicht; stattdessen hat sich das ganze höchstwahrscheinlich eine KI ausgedacht, nachdem das Dubai-Pendant eines Marketing-Fynn-Leons ihm folgenden Prompt gab: „Generiere ein Naschwerk, das sich im Westen wie geschnitten Fladenbrot verhökern läßt, idealerweise für absurd hohe Preise, darf ruhig ganz lecker sein, und drin sein soll, wat wech muß -  klatsch einfach „Dubai“- davor, dat passt schon“.

Fazit: Ein Schokoriegel mit Pistazienfüllung. Ganz lecker, hat aber NIX mit Dubai zu tun und wer DAFÜR Schlange steht und batzenweise Zaster locker macht, hat die Socken offen und/oder zieht Nebenluft.

 




 

Montag, 26. August 2024

"Riegel"verkostung - Giotto Stroopwafel

Was steht drauf:  inspiriert von Stroopwaffeln

Hüftgoldfaktor: 208 Kalorien die Stange

Erster Eindruck: Ach Du lieber Giotto! Das ist ja gar kein Riegel! Vielmehr sind es neun in Reihe und mithin entfernt in Riegelform angeordnete „Pasticceria“-Ballen der italienisch anmutenden, zumindest aber so klingen sollenden Marke „Giotto“, welche aber geschmacklich den „Stroopwafeln“ genannten scheibenförmigen Naschgebilden aus dem tiefergelegten und daher klimawandelhalber mit unbestimmter Zukunft ausgestatteten westlichen Nachbarland(en) nahekommen sollen. In der Tat, schon von außen imponieren die Genußballen bereits etwas anders als von der Wildtyp-Variante gewohnt, so als hätte man die kugelkernbildenden Cremespheroiden statt in Nußsplittern in geborstenem Karamellkeksschrot vielleicht auch nur Stroopwaffelbruch gewälzt und so, angenehm karamellen-röstig, treten sie auch olfaktorisch in Erscheinung.

Mundhaptik: Es braucht ein paar Sekunden, um diese hartsplitterigen, widerborstigen, kratz- um nicht zu sagen „maas“kantjigen Mini-Oralminen vorsichtig in der bislang wenig amüsierten geulle herumzubugsieren und sie irgendwie an eine Stelle zu praktizieren, an der man sie schmerzfrei zerknatschen kann, bis man denkt: ich mach Dich kaputt, Muschi! Mit dem krachenden Zerbeißen wird dann unmittelbar die Creme freigesetzt, die die schartigen Kekstrümmer abfängt und nach 3-4 Kauhüben rasch einen akzeptablen Gesamtmundeindruck entstehen lässt, der dem, was noch kommt die Bühne bereitet.

Geschmack: Wider Erwarten gut! Wer hätte gedacht, daß das Ersetzen des feinen Nußaromas der üblichen Giottokalfaterung durch das etwas ordinärere, aber kräftige und krachkaramellige Stoopwaffelkeksaroma zusammen mit der Standardcreme so prima und schlüssig funktioniert? Man dächte ja auch nicht, daß es sinnig sein könne, zu einem feinen Espresso doppio statt eines Amarettini einen feisten, triefenden Olieballen zu nehmen, eine langbeinige, glutäugige neapolitanische Schöne auf ihrer pastellfarbenen Vespa durch einen XXL (aber nur mit einem Shirt in Größe M bekleideten) Oranje-Fan mit Plastikwikingerhelm auf dem Schädel und einer Frikandel mit Sausspecial in der Hand zu ersetzen, oder einen Wohnwagen mit Phantasialand- und 70-km/h-Aufkleber und einem in einen Holzschuh gequetschten Klorolle im Hinterfenster von einem Ferrari-Testarossa (der in dieser Phantasie offensichtlich eine Anhänherkupplung hat) ziehen zu lassen.
Tut es aber und kann es aber. Man kann ja auch mal was verrücktes machen. Live fast, die young, Du flachgeklopfte, panierte, pfannengebackene Koitus-Schweinefleischzubereitung!

Fazit:  Das war ne chottverdammte leckere stroopjeballen, Chunge!! Lastkraftwagenfahrer!

 

 




 

Samstag, 29. Oktober 2022

Riegelverkostung - Marabou Skotte

Diese Riegelware wurde mir von der werten Tovaritsch Galinskarovskajowitsch zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dafür Dank. 

Was steht drauf:  Chokolad med russin i nougatfyllning

 Hüftgoldfaktor: 270 Kalorien dat Stück

 Erster Eindruck: Alter Schwede, schon wieder so ein alter Schwede(nriegel) und diesmal so gestaltet, wie sich der Schwede, so steht zu vermuten, den Schotten vorstellt, also so mit einer Wurfbahn grün-rot-grün-karierten Kiltstoffs über dem gewohnten Marabou-Beigegelb und drunter nichts als …äh… nichts eben. Weil der Schott zu geizig für Unterbuchsen ist, bzw. ein ganzer Stamm sich eine einzige teilt… oder so. Dennoch fragt man sich, warum der Schwede ausgerechnet dem Schotten mit ausgerechnet einem Schokoriegel geschmacklich beizukommen sucht. Was wird uns erwarten? Das Innere des Riegels, so wie es auf der Hülle abgebildet ist, verspricht in seiner bräunlich-gräulich-vermantschten Anmutung mit vereinzelten, wie Knochensplitter imponierenden hellen Flecken jedenfalls nichts Gutes, Appetitliches, sondern eher eine bekannte Grausamkeit schottischer Provenienz, wo der Magen eines wegen allgemeiner Moribünde vom Dasein erlösten Wiederkäuers mit allerhand Unaussprechlichem gestopft wird, darunter das Fett seiner eigenen Nieren, antike Haferflocken und allerhand durchgedrehte Fleischabfälle, Schlimme-Augen-Wurst sowie Pureés von Pferdelippen, Ziegenknorpel und Kuheuter, dazu einen guten Klacks Schließmuskelsülze.

Nach Entkleidung von der Hülle hält sich das antizipierte Grauen noch zurück, denn selbige verbirgt lediglich zwei, kurze, flache, gänzlich unspektakuläre aber auch -bedenkliche Schokobarren von eher durchschnittlich-harmlosem Schokoladenaroma.

Mundhaptik: In der Tat bietet der Skotte keine „aufgeräumte“ Mundhaptik, da es sich goschenseits gleich so anfühlt, als hätte man in, sagen wir, chaotisches Gerümpel gebissen. Da ist neben einer gewissen nougatären Feistesse auch etwas grobstollig-knarziges, aber auch zäh-festes knorpeliges, das von darin befindlichen Haselnüssen und Rosinen herrühren mag. Vermutlich wurde diese Mundhaptik nicht nur nicht geplant oder designt, sondern sie wurde in bester kiltlüpfender sackpfeifender Wurschtigkeit geschehen gelassen, als Folge dessen, daß für die Zusammenstellung dieses Riegels wie auch für des Schotten Nationalgericht, das sparsame und rationalistische Prinzip des: „wat muß den wech?“ (und „ist dat überhaupt noch gut?“) angewandt und einfach alles, was noch von hinteren Regalen und nach dem Ausfegen aus den Bodenritzen der Speisekammer zu klauben war, in die Riegelpresse gefeuert wurde in der Hoffnung, daß es schon irgendwie zusammenpappt.

Geschmack: Es pappt. Und es schmeckt sogar, erstaunlicher- fast unheimlicherweise. Man muß sich eben darauf einlassen, über die Unordnung im Mund hinwegsehend, und sich daran erfreuen, daß man gerade einen schwedischen Schokoriegel verspeist, der mit Haselnuss-, Rosinen- und Nougatgeschmack eine skandinavisch gefärbte Hommage für ein unkonventionelles, unordentliches, rebellisches Völkchen darstellt, wo man als Mann im Rock geht und gerne beachtliche Konvolute brauner, zimmerwarmer Schlacke zur Stimmungsaufhellung hinunterstürzt, zum Musizieren dann in einen quäkenden Lederbalg bläst, als Sport Baumstämme rumschmeißt, Fässer rollt und – zumindest im Geiste und nachvollziehbarerweise – die verhassten usurpatorischen Engländer verdrischt. Und warum denn auch nicht?

Fazit: Die Wegzehrung für die Tageswanderung eines Schweden über holprige Stolperpfade in den nebelverhangenen schottischen Hochlandmarschen.

 



 

Freitag, 21. Oktober 2022

Riegelverkostung - Făgăraș

Diese Riegelware wurde mir von der werten Tovaritsch Galinskarovskajowitsch zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dafür Dank.

Was steht drauf:  Cel Mare - Baton stafide si rom

Hüftgoldfaktor: 198 Kalorien dat Stück

 Erster Eindruck: Potztausend, der Rumäne hat also auch Schokoriegel? Ich dachte, er habe vielleicht nur Schulden, Wald, Löcher in den Socken, Seitenscheitel, Peter Maffay und schlechte Laune. Zugegeben: jener gnomenhaft kurze Riegelito, der gerade vor mir liegt, sieht in seiner hellblau-weißen Verpackung, die einen weißen Himmel über schneebedeckten Gipfeln andeutet, gar nicht so… rumänisch aus, wie ich mir das vorgestellt hätte, so mit finsteren, wie Fangzähne emporstechenden, schartigen Karpatengipfeln, düsteren, dichtbewaldeten Tälern, wo es noch Wölfe hat und gefährlich und verschlagen aussehende, dunkelgesichtige Zigeuner, deren Familien, eine derer Făgăraș heißt, dem gefürchteten Grafen oben auf dem einsamen Schloß  schon seit Jahrhunderten bis auf’s Blut treu ergeben sind.

Unter der Hülle wird das Bild auch sogleich schlüssiger, denn der freigelegte Făgăraș mit seiner tiefbraunen Farbe, seiner grobwelligen Oberflächenstruktur und seinen Beulen, Verformungen und Dellen gemahnt sofort an den groben, feuergehärteten Eichenknüttel, den des Grafen Lakeien stets mit sich führen, um Wölfe abzuwehren oder dem gelegentlichen ahnungslosen Wandersmann aufzulauern und ihm mit geübten Streichen die Beine zu zerschmettern, wenn der Graf sie so geheißen. Unheilvoll regelrecht ist auch der Geruch, säuerlich-fruchtig, wie von eingetrockneten Blutstriemen, die nach nachlässigem Überwischen mit einem wilden Himbeerzweig noch haften geblieben sind.

Mundhaptik: Der Abbiß gestaltet sich unerwartet zäh, da das Riegelinnere sehr dicht und zudem mit etwas durchzogen ist, was der Kauhaptik noch eine fürchterliche irgendwie sehnig-knorpelige Eigenschaft verleiht. Da ist nichts schmelzend-zergehendes, cremiges, was einem von normalen Schokoriegeln vertraut ist; das Ganze wirkt eher wie die Mundhaptik der kargen Wegzehrung, die die Făgăraș auf dem beschwerlichen Fußmarsch hoch zur Burg zur Stärkung zu sich nehmen, also wie zum Strang verdrehte abgehangen-ledrige, sehnige, gepökelte alte Keilerschwarte, die man mit der Faust kräftig packen und festhalten muß, um mit den Zähnen und unter Mithilfe der gesamten Nackenmuskulatur ein Stück herausreißen zu können, das man nur unter größter Anstrengung schluckfertig niedergekaut bekommt.

Geschmack: Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß etwas mit Făgăraș ganz und gar nicht stimmt. So darf doch ein Schokoriegel nicht schmecken und wer weiß schon, was „Poate contine urme“ heißen soll, was als Zutat dieser Ausgeburt aufgelistet wird. Ich gehe davon aus, daß es „Bluuuuuuuuuuut der Lebenden“ heißt, denn genauso abscheulich und furchteinflößend schmeckt diese Monstrosität: in ältlichem Schokoladengeschmack, muffiger Ränze und Schmalz schlecht verborgen ist da ein alptraumhaftes metallisch-beeriges Aroma: wie das aus der aufgeschlitzten Kehle des letzten Opfers des dunklen Grafen direkt in den Kessel spritzende Blut, in dem Mutter Făgăraș unter uralten Verwünschungen die von einem zum Kentern gebrachten Schiff aus den Kolonien geraubte Schokolade schmelzen läßt und zusammen mit dem Mark aus gebrochenen Hirschknochen, zerquetschten schwarzen Käfern und feinen Streifen der Flughäute von Fledermäusen zu einer schauderhaften Masse einkocht, die, wenn sie im kalten Mondlicht erstarrt sein wird, sich als Făgăraș, der Ghoul unter den Schokoriegeln, in ein entsetzliches Unleben erheben wird.

Fazit:  “Aaaahhhh….taste of them! The creatures of night, what sweet candy they make!”



 

 

 

Samstag, 8. Oktober 2022

Riegelverkostung – Marabou „Japp“

Diese Riegelware wurde mir von der werten Tovaritsch Galinskarovskajowitsch zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dafür Dank.


Was steht drauf:  Milk Chocolat with cocoa meringue and caramel

 Hüftgoldfaktor: 264 Kalorien dat Stück

 Erster Eindruck: Tjapp… was soll man sagen? Das Ding sieht mit seinen roten, goldumrandeten gegen einen schwarzen Untergrund imponierenden Buchstaben in eben der gleichen Type ziemlich so aus, wie man einen schwedischen Abklatsch des absoluten Klassikerriegels zu Ehren des römischen Kriegsgottes erwarten würde. Ich gehe einfach mal davon aus, daß der altnordische Gott des Krieges, vielleicht auch nur besoffenen Raufhändels, „Japp“ heißt. Das wäre zwar etwas albern und weniger respekteinflössend als „Mars“ oder „Ares“ aber viele nordische Begriffe klingen ja irgendwie drollig, niedlich, goldig oder leicht vetrottelt, so wie Bröllop, Polisi, hygge, Brömmsje, Kötbullar, Plopsi etc.

Unter seinem glattplastilinem Cape hält Japp denn auch gleich zwei kurze, etwas breitere, dafür leicht flachere Bärrchen bereit, die ebenfalls, auch geruchlich an den Gott und erdnahen Rotplaneten erinnern, allerdings schwer von ihrer ruppigen Überfahrt auf rauher Nordsee im Drachenboot gezeichnet sind.

 Mundhaptik: Der erste Bissen segelt in den Mund, richtet dort aber keinesfalls bartsträubende, schwertschwingende Verheerung an, sondern fordert lediglich großamplitudige, wogenhafte Kauhübe, um ihm in seiner zäh-creme-pastigen und dabei recht angenehmen Kauigkeit beizukommen. Japp ist eben doch kein echter Wikinger, kein Krieger, kein Zerstörer, haut nicht, sticht nicht, schreit nicht Blut und Mord, sondern zieht beim Reinkommen die Schuhe aus, hängt die Cordjacke an den Haken, schlüpft in seine „Søren der Elch“-Hushpuppies und läßt sich dann, zum Gruße freundlich nickend, bräsig auf der Racamière nieder, wo er sich den geölten Hipster-Bart streicht und sich sein Embonpoint als gemütlicher Reif Schwarte vorwölbt. Japp könnte auch Jochen heißen.

 Geschmack: Es wundert sicher nicht, daß Japp keinerlei metallische Note hat, weder vom Blute der Feinde, noch vom theatralischen Ablecken der knochenspaltenden Axtklinge. Während ein mordlüsterner Wikinger, nennen wir ihn Asgeir Thornesson, noch tropfend von Gedärm und Tränen der feisten englischen Mönche, die er soeben im Dutzend niedergemacht, am Feuer trocknend wohl einen Geschmack wie von Japp empört als verweichlicht, unmännlich und seine Chancen auf einen Platz in Valhalla nicht gerade verbessernd geziehen hätte, findet sich genau dieser Geschmack in Jochens großlumiger „Paddington“-Tasse wieder, in die er, schon in seinem Peanuts-Schlafanzug aus Frottier, in den dicken Kakao (3,8% Milch, Schuß Sahne, geschmolzene Nougat-Schokolade) noch einen großzügigen Schuß Karamellsirups und eine Handvoll Mini-Marshmallows gegeben hat.

 Fazit:  Ja, also, ich bin der Japp so, ne, ich arbeite gerne mit Menschen und ich würd gern ma’n Stück weit in der Gruppe über meinen Schokoriegel diskutieren, ne?

 

 



 

Freitag, 15. April 2022

Riegelverkostung - Prince Polo Smak Orzechowy

 Was steht drauf:  od 1955 roku – Smak Orzechowy

 Hüftgoldfaktor: 184 Kalorien dat Stück

 Erster Eindruck: Das ist nicht mein erstes Rodeo auf des ollen Prinzen Polo-Klepper – wir erinnern uns. Aber offenbar hat sich auch der charakteristisch kanisterköpfige Ostnachbar dieses Moppeds angenommen und ihm nicht nur einen eigenen Anstrich, grün, wie die Wälder der Kaschubei, sondern offenbar auch einen „Smak“ nach … ähm… „Orzechowy“ verpasst. Was mag das nur sein? Erbsensuppe – daher die Farbe? Neid auf den Westen – daher die Farbe? Barschtsch aus Russenblut – und die Farbe, weil Rot halt geklaut aus war? Man weiß es nicht, man riecht es auch nicht, wenn man den Barren aus seinem Metallic-Verpackungsjanker auswickelt und hinschnüffelt (da erscheint nur schmalschultriges Kakaoaroma mit einer leicht pomadigen Zweitstimme). Ausgepackt sieht der grüne Prinz übrigens und natürlich aus, wie jeder einzelne andere Schokowaffelriegel dieses und aller paralleler Universen und bedarf keiner weiteren Besingung.

 Mundhaptik: Es bröselt, knuspert, beißt und kaut sich genau so, wie man es von einem schokoüberzogenen, dünnen Stapel Waffellamellen, isoliert und gebunden durch ebensodünne Schichten aus einer Art Haftmasse undifferenzierbarer Konsisten, erwartet. Es sind abwechselnd insgesamt drei dünne Waffellamellen mit zwei 'auch-'auch-dünnen Schokocremeschichten wie ein Kartenstapel übereinandergelegt und durch Schokolade in dieser Form fixiert worden. Derlei Produkte kauen sich ja immer etwas staubig und wüstensportmäßig und auch dieser knuspert  leidlich aber auch a weng dröge vor sich hin.

So.

Ich habe übrigens die Beschreibung der Mundhaptik aus Bausteinen früherer Waffelriegelmundhaptikbeschreibungen zuammengeklaut (verstehen Sie? 😉). Hat keiner gemerkt, ne? Is' nämlich immer datselbe mit den Waffelriegeln und man kann ja nicht jedesmal die gleiche Sülze schreiben....

 Geschmack: Wat soll ich sagen? Es ist ein verdammter Schokowaffelriegel. Den kriegt nicht mal der Pole richtig mies hin, selbst wenn er angeblich nach Orzechowy schmecken soll. Zugegeben, das Ding war nicht mehr ganz frisch und es ist offenbar auch keine Extrazutat drin, die ihm ein gewisses Panaché hätte verleihen können. Also haben wir es hier mit einem trockenen, leicht muffigen, pflichtschuldig minimalsüßen, schokoverweigernden, vollkommen unglamourösen, unbravourösen und keinerlei Adel ausstrahlenden, im Abgang aromaeinsilbigen Krümmelproletarier zu tun. Ist halt eben doch nicht Prinz Polo sondern eher Prinz PolEN: ein fader Seitenscheitel, ein gebrauchter Skoda Popel, ein mit unterschwelliger Bitterkeit angedickter, freudlos-ausdruckloser Gesichtsausdruck, ein einsamer Fußmarsch unter bleigrauem Himmel durch 300 km Mansureneinöde in Gestalt eines Schokowaffelriegels.

Fazit: Wenn ich jemals einst Prinz gewesen wäre in Arkadien hätte ich weder Polo gespielt noch diesen Riegel gegessen. Currrrva!



 

 

Samstag, 5. Februar 2022

Riegelverkostung – Zetti Bambina

Was steht drauf:  Vollmilchbutterkaramell mit gerösteten Haselnusssplittern umhüllt von zartschmelzender Vollmilchschokolade

Hüftgoldfaktor: 211 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Ach nee! Nach so langer Zeit mal wieder ein Riegel von der Ost-Riegelfirma Zetti. Sollte mich nicht wundern, war ja schließlich dabei, als das Ding in einem Subbrmorggd in der Zone im Osten gekooft wurde. Und auch die Hüllengestaltung mit der glücklichen Kuh in idealisierter Graslandschaft unter blauem Wölckenhimmel erinnert mich an einen anderen Riegel von noch weiter östlich, den ich schonmal unter hatte.

Woher aber kommt der italienische Name, der „Mädchen“ bedeutet? Ist das ein Riegel nur für Mädchen? Wußte der Marketingfuzzi es nicht besser? Oder dachte der Enriegöh, daß durch diese südländisch melodische Benennung seinem Brödüggd, dem man auf den ersten und auch folgende Blicke wohl kaum weltläufigen Charme und kulinarische Sophistiziertheit beizumessen hätte, ein gewisses spielerisch kosmopolitisches Flair zuwachsen müsse?

Man weiß es nicht, das qua vielversprechender Beschriftung angekündigte Nachvergnügen deutet sich im ausgepackten Zustand jedenfalls noch nicht an: hier imponiert Bambina lediglich als sehr breiter, wenig hoher, nur sehr schwach schokooberflächenstrukturierter Flachmann dessen Inneres optisch an eine Schicht bröselig gewordener Silikonfuge erinnert.

Mundhaptik: Was bei Baba Yagas gekräuselten Sackhaaren soll DAS denn sein? Was hatte ich erwartet? Etwas knackig-crispiges doch sicher, Karamell und Haselnuss eben, und etwas cremiges von der Schokoladenhülle. Und was bekomme ich? Bröselige Silkonfuge trifft es schon ganz gut. Dazu aber auch die rausgeprokelte und mit Hirschhorngelatine verspackte Füllung einer von drei Generationen Thälmannpionieranführern speckiggetretenen Birkenstocklatsche und das mehlig-bräsige Gekletsche von in reichlich Kartoffelstärke gestockten Arbeiterschweißes. Das ist schon fast beeindruckend, eine so kontraintuitive und abartig unattraktive Mundhaptik muß man erstmal hinbekommen.

Geschmack: Ganz, ganz köstlich!

Schijerz!

Vielleicht dachte man sich, es wäre hilfreich, auf die Riegelverpackung zu schreiben, wonach Bambina überhaupt gar nicht schmeckt?! Das käme sehr gut hin, denn ich habe noch nie etwas gegessen, daß weniger nach der wohlbekannten und zurecht beliebten Trias Karamell, Haselnuss und Schokolade schmeckt. Stattdessen kann man den impertinenten Fehlgeschmack dieses miesen, ausgeleierten Riegelflittchens nur bezeichnen, als so muffig wie ein ausgewachsener Wolf unter Ommas Polyeethylenrock aus dem Textilkombinat Zwickau, so katastrophal alt geworden wie die Scheibe formalingetränkten Graubrots, die man neulich beim Restaurieren in Lenins linker Innentasche fand, und so elend ranzig wie der mit Mümmesen vermantschte Maukenmölm eines smogatmenden Pekinger Barfußgängers.

Fazit: Bambina is für misch ABFALL! Ich schmeiß die Scheise aus’m Fenstor naus!