Samstag, 8. März 2014

Riegelverkostung - Manja

Was steht drauf: drauf nicht, aber dran an der Seite steht, daß es sich bei Manja, den ich aus Innsbruck importiert habe, um eine "feinste Haselnusscremestange, umhüllt von kakaohaltiger Fettglasur" handle

Hüftgoldfaktor: Ah geh!

Erster Eindruck: Ja, so waren sie, die 70er Jahre: man aß Manja und man hatte lange Haare. Diese mit veritabler Bonmotqualität ausgestattete Zeile aus einem noch zu komponierenden Song kam mir in den Sinn, als ich "Manja" in Augenschein nahm. Dieser schlanke, kantige Riegel strahlt in seiner Alufolienverpackung mit den dickweiß-dünnroten Querstreifen auf goldenem Grund und dem leicht angetrashten weißen Namensschriftzug auf rotem Wappen, dessen A-Oberstriche vermutlich asiatische Remineszenzen erwecken sollen, schon einen gewissen retro-mäßigen und in seiner Absage an die seelenlose Durchgestyltheit heutiger Produkte irgendwie hoimelig wirkenden Chrame aus. Nackt sieht Manja weniger spektakulär aus: ein simpler, relativ kantenscharfer Quader unter dessen Schokoladenüberzug es sich nur ganz sanft wellt. Dafür verrät ein genaues Hinschnuppern ein aus der Beschriftung nicht hervorgehendes Geheimnis: eingebettet im Schokogeruch finden sich unzweideutige Indizien erdnussiger Beimengung.

Mundhaptik: Uärgh... der ist ja ganz weich! (Ich weiß, liebe Leserinnen, ich weiß....) Damit hatte ich nicht gerechnet und war drum redlich erstaunt, als Manja dem Gebiß widerstandslos nach- und sofort seine feistschaumige Innenwelt preisgab. Ich war wohl fälschlicherweise auf irgendeine Art waffelhaften Knusper, nussiges Knacken oder zähe Kauigkeit vorbereitet gewesen. Stattdessen bekam ich es mit einer leicht angeteigten, feuchtwattigen Creme zu tun, die in ihrer ordinären, bratzigen Mundhaptik den Eindruck erweckte, sogleich ihre billigen Alufolienärmel aufkrempeln und die soeben neu bezogene Arbeitsstätte Mundhöhle mit großzügigen Kleisterschichten beunglücken zu wollen. Manja kaut sich auf eine ungustiöse Weise undifferenziert, irgendwie pappig und staubig, wie ein dehydriertes Milky Way, aber dabei nicht trocken, sondern garstig-sulzig

Geschmack: keine Entschädigung hier! Ok, ok, man schmeckt irgendwo die Haselnuß aus einem dumpfen Sumpf aus schwerer, unfeiner, fast brachialer Süße und ein Vergessenwordensein im Achselhaarnest eines seit den 70er Jahren weitergeschwooft und keine Zeit für Duschbäder gefunden habenden Disco-Enthusiasten vermuten lassendem Muff. Doch diese Haselnuß ist gebrochen, ist verdorben worden, sie ist wie ein Irrlicht, dem der Schmausende auf's Moor folgt und untergeht, ohne es doch je zu erreichen, sie ist wie ein irdenes, gesprungenes Totenglöckchen, das über tückischem Morast, leise die darin unbesungen Versunkenen beweint.
Der Manja-Geschmack ist somit eine wirklich schauderhafte Kombination, die sofort jeden Appetit erstickt, alles Verlangen absättigt und eventuelle Restnaschlust sechs Fuß tief begräbt. Man wünscht sich das gastronomische Pendant eines erfrischenden Wasserfalls und einer Tube Fenjala um sich von diesem verunglückten Geschmack so einfach und demonstrativ erlösen, ja reinwaschen! zu können wie von dessen meterologischem Pendant, aufgestaut-drückender, schwärender Schwüle.

Fazit: Die Ösis haben ja ein schon ein schönes Land, aber in puncto Schokoriegel-Schöpfung darf man die werten Nachbarn getrost zu den Entwicklungsländern zählen. Ein Riegel wie ein schmalzgläzender Schmerbauch! Sowas von nicht urleiwand - bist Du deppert!


Donnerstag, 19. September 2013

Riegelverkostung - Marvellous Creat!ons

dieser Riegeltest gehört zur Reihe "Australian Experience"



Was steht drauf: Jelly, Popping Candy & Beanies – Covered in delicious dairy milk milk chocolate


Hüftgoldfaktor: 227 Kalorien dat Stück.

Erster Eindruck: “Der Zirkus ist in der Stadt!” – das ist die erste Assoziation, die sich in mir heranbildete, als ich die Verpackung, die Farben und die beiden Schriftarten des Riegelnamens betrachtete. Sie ist bunt, wirkt ein bisserl altmodisch, unaufgeräumt und überladen und der Hintergrund ist so gestreift wie die Ringerleibchen der eisenbiegenden Starken Männer der fahrenden Zirkusse vergangener Zeiten. Die Beschriftung läßt ja zudem auf eine wahrhaft abenteuerliche Mischung schließen und die Vorahnung wird nach dem Aufreißen der Verpackung noch verstärkt, denn der Riegel ist zwar in einzelne Stücke unterteilt doch diese haben jeweils individuell verschiedene Formen und Oberflächen, unter denen gelegentlich schon ein bunter Farbschimmer hervorscheint, vermutlich, um wirklich auch dem letzten Naschanwärter deutlich zu machen, daß ihn unkonvent!onelles, sonderbares, verrrrrrücktes (das „rrrrr“ ist auszusprechen wie in „Herrrrrreinspaziert!“) erwarte. Der Schokogeruch ist, wie bei Cadbury-Produkten üblich, angenehm und wertig, verrät aber über den sonstigen Inhalt des Riegels noch nichts.

Mundhaptik: Man müßte wohl ein hyperkapnischer Psilocybinist, ein irrsinniger orthodoxer Weihrauchschwenker, ein erschöpfungsdelirierender haitianischer Vodun-Priester nach der Geisterbeschwörung sein, um das Spektakel, das Marvellous Creat!ons im Mund entfesselt, annähernd treffend zu beschreiben, weshalb ich dem nun folgenden Versuch wohl bereits im Voraus das Gescheitertsein zu konzedieren habe. Wahrhaftig: der Zirkus ist in der Stadt! Eingebettet in die Schokoladenpolyeder der Einzelstücke sind kleine quietschbunte Weingummizylinder und Smarties! Doch damit nicht genug: es finden sich auch ubiquitäre Fragmente dieser Knusperbrause aus Kindertagen, die im Mund so ein geräuschvolles Prasseln und Knacken erzeugt. So auch hier: während man die angenehm sanft nachgebende Schokolade zerbeißt und bas erstaunt die merkwürdigen Klänge aus dem eigenen Mund zur Kenntnis nimmt, turnt mit einem Salto ein typisch weich-galertiges Weingummi in die kauende Manege und als wäre das nicht genug, knackst man zuweilen auch noch einen Smartie entzwei. Ich fand das zu gleichen Teilen amüsant wie verstörend und behalf mir mit der Einrede, daß dieser Riegel nicht ernst gemeint oder nur zur Unterhaltung Heranwachsender konzipiert sein könne.

Geschmack: In die schmackhafte Grundierung solide-wertiger Cadbury-Schokolade mischen sich die nicht gerade perfekt dazu passenden Weingummigeschmäcker, die Smarties, die ja nur aus einer bunten Zuckerkapsel um einen Schokokern bestehen, vermochte ich nicht trennscharf herauszuschmecken und auch die Knisterbrösel sind nicht oder kaum eigenschmeckend. Bleiben also in der Hauptgeschmackssache Schokolade und Weingummi, deren Geschmackskombination nicht erhellend aber auch nicht richitg übel ist. Marvellous Creat!ons ist damit wohl die schokoriegelige Geschmacksentsprechung des Tellers eines Kindes, das an einem vollgeladenen Partybuffet ungehemmt extemporieren durfte und sich alles, was ihm schmeckt auf einmal aufgetan hat, ohne Rücksicht darauf, ob es zusammenpaßt, solange nur die Einzelkomponenten lecker und farblich extrem sind.

Fazit: Dieses Produkt ist eine brausende gustatorische Zirkusvorstellung mit Knalleffekten und allen Artisten auf einmal in der Manege. Verrückt, durcheinander und chaotisch, aber unterhaltsam.



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Nachtrag bzw. -schlag: die oben fabrizierte Verkostungsrezension lässt sich im Prinzip auch auf andere Produkte der Marvellous Creat!ons-Reihe anwenden, denn das Konzept hinter den geometrisch gleichgestalteten Riegeln scheint zu sein, daß ein im Rheinland ausrangierter aber immer noch "jecker" Prinz Karnevall in der Fabrik des Herstellers an einem Fließband steht und mit irrem Blick und vollen Händen völlig randomisierte "Kamelle" aus stets wechselnden ihm vorgesetzten Trögen in die auf dem Fließband vorbeiziehende und der Erstarrung entgegenkühlende Schokomasse schmeißt. So entstehen dann Produkte wie
Banana Candy Peanut Drops & Choco Candy









Mittwoch, 4. September 2013

Riegelverkostung – Yorkie Raisin & Biscuit

dieser Riegeltest gehört zur Reihe "Australian Experience"

Was steht drauf: No artificial colours, flavours or preservatives

Hüftgoldfaktor: 277 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Warum eigentlich Yorkie? Beziehungsweise was hat der Riegel mit York, New York oder Yorkshire Terriern zu tun? Wird dieses Produkt etwa vorzugsweise in jenen Städten oder von jenen Kreaturen verspeist? Jedenfalls hat Nestlé diesen Riegel in eine hübsche violett-metallicfarbene Verpackung gesteckt und seinen Namen in orange-gelb-changierenden klotzigen 3D-Blockbuchstaben mit rotem Powerrand draufgeschrieben. Der Riegel selbst besteht aus fünf Einzelbissen je in Form einer coupierten Pyramide mit „Yorkie“-Gravur auf der Schnittfläche, die in einigem Abstand voneinander auf einem quaderhaften, ca. 1 cm dicken Schokofundament aufgereiht sind. Der Geruch ist nicht intensiv, wenn man aber genauer hinschnüffelt, winkt einem aus dem Schokohintergrund auch schon ein Rosinenhändchen zu.

 Mundhaptik: Wenn man einen Pyramidenhappen komplett abbeißt, sieht man, daß selbst die Schokobasis mit Rosinen durchsetzt ist. Das Mundgefühl beim Kauen erinnert am ehesten an Tafelschokoladen der Sorte Trauben-Nuss, wo in eine feste Schokoladenmatrix knackig-trockene sowie fruchtig-weiche Elemente eingebettet sind. Hier allerdings rührt der zugestanden schwachbrüstige und zurückhaltende Knackakzent jedoch von Keksbröseln (der Angelsachse nennt Keksartiges bekanntlich und putzigerweise „Bisquit“) her, die laut Beschriftung in Yorkie hineinfabriziert werden. Wenn man dann den Querbiss einer Pyramide in Augenschein nimmt, kann man mit etwas Glück auch mal eines jener ominösen Keksnuggets angesichtig werden, die rundlich und selten wie Opale im Schokogestein verborgen sind. Speist sich insgesamt wenig spektakulär, mehr wie York als New York.

Geschmack: Der Hauptbestandteil, die Schokolade, ist hochwertig und wohlschmeckend und Yorkie bietet insgesamt eine völlig erwartungsgemäße, bodenständig-bürgerliche, freundlich-unheischige, „unkünstliche“ Schmackhaftigkeit, die dem Esser nichts zumutet, ihn nicht herausfordert und nur ausgemachte Rosinenverächter aus seiner Verzehrgemeinschaft ausschließt. Einen Yorkie zu essen gleicht vielleicht einer gemächlichen Fahrt in einem Bummelzug durch die Lüneburger Heide im Frühherbst, wo alles ist, wie es sein soll, behaglich und unaufgeregt, fade für manche, beruhigend für andere, wo die Fluren in gleichförmiger Frucht und Blüte stehen und nur hie und da ein versprengter heller Tupfen auftaucht, Heidschnucken für den Reisenden, Keksbrösel für den Yorkieschmauser.

Fazit: Yorkie eignet sich als Pausenvesper für gemütliche Landpartien, als erdende Speisung für Rekonvaleszente nach einer Überdosis Nouvelle Cuisine. Yorkie ist die Bratschenpartie in einer Haydn-Sinfonie.





Freitag, 14. Juni 2013

Riegelverkostung - Milka Pull


Was steht drauf: Caramel & Noisettes entières / Toffee hele noot

Hüftgoldfaktor: 240 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Oho, Monsieur le Riegel sind also polyglott und richten sich sowohl an französische, wie niederländische Verspeiser und Verspeiserinnen. Das hält unseren schlanken Milkariegel aber nicht davon ab, rechtslateral einen neckischen und zum üblichen Milkalila des Hauptverpackungsanteils komplementärgelben kleinen Präser aufzutragen, der mit der ausgerechnet englischsprachigen Aufforderung ihn durch einen beherzten Zug fortzuzupfen, bedruckt ist. Kommt man, schokohungrig wie man gelegentlich ist, diesem frivolen Imperativ nach, entblößt sich rasch eine diszipliniert hintereinandergereihte Kette sanft aufgeschwungener Schokohügel mit viereckiger Basis, über deren trapezoide Kuppen, bald sich verjüngend, bald verbreiternd, eine flache Talzunge sich wellt. Die Hügel sind durch, die Abgrenzung der mundformatigen Verzehreinheiten anzeigende, recht schroff abfallende Schluchteinschnitte vereinzelt, in welchen  abbeißende Schneidezähne vermutlich trefflich anzusetzen sein werden.

Mundhaptik:  So geschah es auch: ich biß in die erste Schlucht und trennte dabei einen Hügel in den Mund ab. Zu Beginn der Zerkauung fällt einem Ferrero Küßchen ein. Wegen des Formats und wegen des Nußkerns, nehme ich an. Sonst wegen nichts, denn Milka Pull speist sich doch recht anders. Nach Durchdringung der Schokoladendeckschicht fällt zuerst eine feiste Schmiere, eine Art Candycreme auf, in die die Nuß, die das Zentrum jedes Hügels füllt, eingebettet ist wobei die Creme das Restvolumen ausfüllt. Weitere Kaubewegungen zersplittern dann die Nuß und auch klebriges Karamell mengt sich schließlich unter, so daß diese Komponenten zu einem schmierig-pappigen Gemenge zusammentreten, in dem es gelegentlich nussig knirscht. Mir ist die Mischung schon in ihrem Mundgefühl zu spack und aufdringlich sähmig, nicht ausgewogen, nicht rücksichtsvoll genug.

Geschmack: Der haptische Eindruck findet auch geschmacklich seine Entsprechung: gleich einem zu ausladend dirigierten ritardando quillt, ja schält sich recht spät erst der Toffee/Karamell-Geschmack aus der Tiefe der speckig-sulzigen Süße der Candycreme, die den Esser eine Idee zu lange mit ihrer bräsig-buttrigen Schwartigkeit behelligt, so wie ein teiggesäßiger Gast mit unbesonntem Teint, der zu fortgerückter Stunde das Sofa hartleibig zu verlassen sich ziert, obwohl man den Platz lieber dem schon an der Türe wartenden, leichtfüßigen Charmeur mit dem rrrrrrollenden R anböte. Und auch der Nuß ist der lange Einschluss in jenem lipophilen Hünengrab nicht wohl bekommen, denn die Zeiten, zu denen man ihr noch ihre Herkunft aus den Schatten der Zweige eines windgewiegten, sonnengekosten, toskanischen Haselbaumes hätte abschmecken können, dürften ähnlich lange vergangen sein, wie jene, als sich die Firma mit der lila Kuh ausschließlich mit der Herstellung akzeptabler Tafelschokolade mit der einzigen Geschmacksrichtung „Schokolade“ begnügte statt bei der Herstellung uninspirierter Riegeleien umeinanderzudilettieren.
 
Fazit: Ein unnötiger und wenig glaubhafter Riegel, dem in letzter Konsequenz die Homöostase zwischen frivol und ordinär gen letzteres entgleitet, so daß ich mich veranlaßt sehe, der Fa. Milka zu empfehlen, bei dem zu bleiben, welches das Äquivalent des Leistens jenes schuhwerkrichtenden Handwerkers ist, dessen Entsprechung die Fa. Milka im bekannten und nun von mir wirklich im Übermaß verhackstückten Sprichwort darstellt.



Samstag, 25. Mai 2013

Riegelverkostung - Kex Chokolad

Was steht drauf: Chokladöverdragna fyllda rån 

Hüftgoldfaktor: 280 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Die sehr flache und sehr breite Verpackung erinnert in ihrer Form und dem mit typisch waffelhaftem Rautenmuster verzierten Produktnamen aber auch durch das geringe Gewicht stark an solch fragile Waffelnaschereien wie Neapolitanerwaffeln oder Milka Leo. Die Farbgebung der Verpackung dürfte hingegen von Leibnizens PickUp zumindest inspiriert worden sein (oder umgekehrt), was Kex damit aber noch nicht in die Nähe des besten aller Riegel bringt.
Unter der Oberfläche der Verpackung erwartet jenen, der Lust auf Kex hat, eine scheinbar in ozeanhafter Bewegung erstarrte, weite Schokofläche, unter der man leichte, in etwa epipelagiale Absenkungen parallel verlaufen und die ganze Waffelplatte durchziehen sehen kann, so daß man sich sofort an submarine Tiefseegräben erinnert fühlt, die sich vor Äonen durch plattentektonische Kollisionen aufgetan haben. Platten? Ja, Platten! Genau genommen ist also der überaus flache, leichte und fragile Kex auch mit Phantasie eher kein Schokoriegel und eigentlich ungeeignet, sich für eine Besprechung an dieser Stelle zu qualifizieren. Nun hat er aber die weite Drift aus Schweden auf sich genommen, um sich von mir vernaschen zu lassen, da wollen wir, wie es gute Theater tun, Gnade vor Brecht ergehen lassen und mit Verve aber ohne Courage ans Naschwerk gehen. So, nun aber Schluß mit den faden Kaulauern und der (Sch)waf(f)elei, o'grupft is!

Mundhaptik: Hier gibt es keine Überraschungen. Kex bröselt, knuspert, beißt und kaut sich genau so, wie man es von einer dreivierteldicken Neapolitanerwaffel, die mit Schokolade umhüllt ist, erwarten würde. Es sind abwechselnd insgesamt drei dünne Waffellamellen mit zwei 'auch-'auch-dünnen Schokocremeschichten wie ein Kartenstapel übereinandergelegt und durch Schokolade in dieser Form fixiert worden. Derlei Produkte kauen sich ja immer etwas staubig und wüstensportmäßig, da ihnen das Saftige, Kauige und Fette fehlt, so daß zum Verzehr ein Glas Vanillemilch oder eine Tasse koffeinhaltigen Heißgetränks anzuempfehlen ist.

Geschmack: Joah, lecker, ne? Nothing special, wie der Brite sagen würde. Man schmeckt wie Neapolitaner, der sich eine Schokogugel umgetan hat, wie ein kastriertes Banjo (also ohne Nüsse, Sie verstehen?). Man schmeckt die Hüllschokolade und Schokokreme, erahnt die Waffel (die ja in solchen Produkten nie frisch wirken kann und sicher eher knusprig statt schmackhaft machen soll) und die Kombination mundet vertraut aber eben auch alltäglich. Kex ist wie das Wurstbrot nach einem Tag auf dem Feld. Aber eben auch das Wurstbrot am Abend des 50. Hochzeitstages. Dieser Geschmack hat seine Zeit, doch diese sollte nicht zu oft sein.

Fazit: Ein braver kleiner Waffelsnack vom Schweden. Nicht schlecht aber auch nicht besonders sexy. Kexy eben.





Samstag, 18. Mai 2013

Riegelverkostung - Zetti Fetzer

Was steht drauf: Zartes Karamell auf einer luftig-lockeren Candy Creme umhüllt von Milchschokolade (also das Mars des Ostens?)

Hüftgoldfaktor: ist dem Ossi urst egal (nü gloor!)

Erster Eindruck: Als erstes springt natürlich die Dichotomie von Name und Aufmachung ins Auge. Trotz des von Zettis kecken Ostverpackungsgestaltern, die ihr Verzehrwarenumhüllungsgestaltungsdiplom noch am Volkskunst- und Ver- und Gebrauchswarenverzierungsanfertigungs-Ausbildungskombinat Zwickau gemacht haben, vorgesehenen und noch kecker vom F-Oberstrich von "Fetzer" unterbrochenen Z-Unterstrichs, erscheint "fetzig" bei Inaugenscheinname der Verpackung von "Zetti Fetzer" als die abwegigste aller möglichen Assoziationen. Genau genommen kündet die Ansicht von einem Riegel, der so sehr einen spröden Reform-, wenn nicht Sanitätshauscharme, den zu übertünchen man als lahmen, wie entlarvenden Versuch zu Peppigkeit und Volksnähe den i-Punkt herzförmig gemacht hat, ver- äh.. kleckert, der so sehr in seiner verweigernden, asketischen, lebertraneuphemisierenden Schlichtheit anzudrohen scheint, daß das, was nun kommt, gut für einen ist, daß man sich bereits vor Öffnen der Packung hingebungsvoll das noch nicht einmal vermisste pralle, feiste Schlechte zurückzuwünschen beginnt.
Doch wollen wir fair sein und erst einmal die Packung öffnen. Es erwartet einen, was die Beschriftung schon nahelegt: ein Schokobarren, der frappant an Mars erinnert, sowohl in Farbe als auch Oberflächenaufwühlung und woran auch die geringe Abweichung im Format, der Fetzer ist etwas flacher, nichts zu ändern vermag. Man riecht zunächst nichts, doch wenn man genauer hinschnüffelt, tritt der Schokogeruch deutlich weniger wertig in Erscheinung als beim kriegsgöttlichen Kollegen, in etwa, wie der Mantel eines von unnamhaften Herstellern im Spätsommer schon ergossenen Schokoladennikolaus' röche, der ihn nach einem Gewaltmarsch durch den Taunus, mit dem er sich erfolgreich dem weihnachtszeitlichen Kinderverzehr entzogen hatte, in einen ungelüfteten Schrank gehängt und dort vergessen hatte.

Mundhaptik: Es wird an meinen Naschexperimenten Anteilnehmende nicht wunder nehmen, daß Zettis Fetzer, bei ähnlichen Inhalten und ähnlicher Form auch dem Munde ähnlich anmutet, wie Mars. Das ganze beißt und kaut sich eine Kleinigkeit leichter und fluffiger, was sowohl mit dem geringeren Durchmesser, als vor allem auch mit der deutlich schaumigeren, luftigeren und ganz hellen, fast weißen Candycreme zu tun hat. Alles andere, d.i. die Dicke und Knackigkeit der oberen Schokoschicht, die Menge, Haptik und Zähigkeit des Karamells und die Fäden beim Abbiss sind für mich nicht von Mars zu unterscheiden. Vielleicht wäre daher ein besserer Name als "Fetzer", auch hinsichtlich der sozialistischen Gesinnung die die Genossen Nachbarn zu Zeiten der Schöpfung dieser Nascherei noch innegehabt haben dürften, Zettis "Roter Planet" gewesen. Nun ja...

Geschmack: Gar nicht mal so übel. Den errochenen Schokomuff schmeckt man nicht und auch insgesamt erweckt zumindest des Fetzers Geschmack nicht den Eindruck, als müsse gespart und gedarbt werden und ich fühlte beim Essen auch keinen Neid auf den imperialistischen Klassenfeind in mir aufsteigen, denn der Fetzer schmeckt zwar nicht fetzig, doch wie ein solider, einfacher Schokoriegelfreund. Nicht ganz so gut wie Mars, weil die Candycreme irgendwie eine leicht plastinär-discountäre Unternote hat und die Schokolade zwar nicht schlecht aber auch nicht der wahre Jakob ist.
Dennoch wird man, interviewte man einige der Tapferen, die damals "rübergemacht" haben, ob ihrer Gründe für derartige Waghalsigkeit, vermutlich nur selten zur Antwort bekommen: "um endlich nicht mehr Zetti Fetzer fressen zu müssen"

Fazit: Das Mars für Arme wäre ungerecht. Eher das Mars der zu Unrecht Unterbezahlten, der Antikapitalisten, der ehrlichen und unverschuldet Prekariatären, das Mars derer, für die Anderssein so fetzig ist, daß es Fetzer sein muß.


Freitag, 10. Mai 2013

Riegelverkostung - Sport Lunch Power Break


Was steht drauf: Mjölkchokolad med frasiga rån, toffee och hasselnötter

Hüftgoldfaktor: 530 Kalorien dat Stück !!

Erster Eindruck: Uff, der Riegel meint es ernst mit sich und seinem Namen. Nicht nur, daß er genug „Energie“ für eine nicht eben karge Mahlzeit enthält, er tritt in seiner kompromißlos scharfkantigen Quaderform auch als veritabler Klotz von einem Riegel auf. Das Logo ist zweigeteilt in einen sportive Dynamik (Sport Lunch) und einen erdige Kraft (Power Break) andeuten wollenden Teil. Alles an ihm scheint unmißverständlich  mitteilen zu wollen, daß man es mit ihm, Sport Lunch Power Break, nicht mit einem dieser hängeschultrig kalorienverschämten Wellnessschlaffinährkonglomerate sondern mit einem mühelos die ATP-Öfen der Beine selbst eines Marthonisten befeuern könnenden hochverdichteten Minimonument aus reiner Kraftnahrung zu tun habe. Sport Lunch Power Break ist unterteilt in ungeschlacht wirkende, schokoladenumhüllte Einzelverzehreinheiten eher unmundlichen Formats auf deren obere Fläche noch einmal das zum sofortigen Aufbruch zu drängen scheinende und von comichaften Schwunglinien umflorte „Sport Lunch“-Logo eingeprägt ist. Die Schokolade offenbart sich geruchlich erst bei starker Annäherung.


Mundhaptik: Man is(st) konsistent, alles was recht ist. Das Dichteversprechen des Äußeren setzt sich im Inneren des kolossalen Naschwerks fort, indem keine der beiden komplexen Schichten volumenschindende Bläh- oder Schaumelemente enthält. Auf dem  grundsoliden Fundament einer mindestens 1cm dicken nougatisierten Schokoschwelle, in die ein gerüttelt Maß Haselnusssplitter eingelassen sind und die in ihrer Mitte einen Hohlraum umwölbt in den sich ein Strom reichen und fädenziehenden Karamelltoffees einschmiegt, ruht eine ebensofeiste Wechselschicht aus dünnen Nougatschokolade- und Waffellamellen, denen nicht unähnlich, die man in Neapolitanerwaffeln oder auch Duplo antrifft. Belegte man ein Stück Toblerone mit einer halben Neapolitanerwaffel und schlüge seine Zähne in diesen Stapel, wäre man imstande, so meine ich, das Kaugefühl von Sport Lunch bis auf das zähfädige Toffeekaramell in etwa nachzuempfinden. Es kaut sich reichhaltig und arbeitsam, mit angenehm aufeinander abgestimmten knackigen, sahnigen, knusprigen und zäh-kauigen Komponenten, so daß des Riegels Untertitel „Power Break“ als durchaus zureichende Beschreibung erkennbar wird.


Geschmack: Die Reichhaltigkeit des Riegelinhalts läßt einen die korrespondiere Opulenz seines Geschmacks erwarten und man wird nicht enttäuscht. Doch der Riegel schmeckt nicht nur mächtig sondern auch prächtig. Die mannigfachen Komponenten harmonieren dabei so gut, daß ihre Eigenheiten zu einem breit strömenden Gesamtgeschmack verschmelzen, aus dem für den aufmerksam Nachschmeckenden vielleicht ab und zu ein abgrenzbares Charakteristikum aufblitzt aber gleich wieder verschluckt wird, so wie beim Blick aus einem Schnellzug, der nahe an einem einsamen, frommen Dörfchen vorbeirauscht, für einen Lidschlag nur ein Kirchturm im Augenwinkel konkret werden mag, bevor sein Eindruck unverzüglich wieder sich einmengt und verwischt wird in der Verschweifung allen Eilens.

Fazit: ein ausgezeichneter, leckerer Riegel, den allerdings in seiner Gänze am Stück zu verzehren, wohl nur Triathleten vor dem Sprung ins arktische Meer, grobknochigen Salzbergwerkern bei Schichtbeginn und aufzupeppelnden Kachektikern möglich und nahezulegen ist.