Die vorliegende Riegelnaschware wurde vom Mütterlein aus Montenegro importiert (auch, wenn auf serbisch "Ungarn" draufsteht) und mir zu Verkostungszwecken freundlichst zur Verfügung gestellt. Dafür Dank.
Was steht drauf: Potpuno Preliven
Hüftgoldfaktor: 197,4 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Wohlsein. Wohlergehen. So heißt dieser Riegulant aus Serbien…oder Ungarn. Wie schlimm das ist. Daß man nicht einmal, wenn man so etwas bewußt unvernünftiges, sich dem Genuß Hingebendes, hedonistisches, epikuräisches tut, wie selbst- und gesundheitsvergessen einen Schokoriegel zu vernaschen, mit dieser zeitgeistigen Pest der Selbstoptimierung in Ruhe gelassen wird. „Wellness“ soll hier doch auf „leichte Kost“, „Vereinbarkeit mit schlanker Linie und Fuß“, „fitnessarmandtragende Waldläufe“, „Vanilla Girls“ und dergleichen Grausigkeiten verweisen, darauf, daß man ja auch „bewußt“ naschen und dabei noch auf sich und seine eigene Besserung achten könne und solle. Zum Teufel damit! „Feistmann“, „Mastschwiele“, „Spackbrot“, „Nen dicken Schockeladenwämmser“ oder „5 Pfund drup“ sollte das Dingen heißen und gefälligst keine ökowashenden grünen Linien auf der Packungsabbildung tragen, wenn es mich ansprechen will.
Selbiger entledigt schrumpft der arrogante Healthhypokrit gleich auf Normalmaß zusammen, wie er in seiner verschossenen, gesprungenen (und sein „best before“ schon ein Weilchen hinter sich gelassen habenden) und ansonsten eigenschafts- und verzierungslosen Unansehnlichkeit umhüllt von ermattetem Schokoladenfirnis so daliegt. Nach letzterem, statt nach den üblichen gymnastisch-mageren Preziosen der „Wellness“ riecht er auch. Wenigstens.
Mundhaptik: Haben Sie schon mal in die aus bei der Firma Birkenstock jährlich zusammengekehrten Sägespänen und Hornhautresten bestehenden Füllung einer in den 80er Jahren im hinteren Bereich eines Grundschulturnhallengerätraums vergessenen und dort altgewordenen rhythmische-Sportgymnastik-Matte gebissen? Nein? Seit dieser Riegelverkostung kann ich das bedauerlicherweise von mir nicht mehr sagen, denn exakt diese mundhaptische Abartigkeit mutet einem Wellness hier zu: man malmt dröge auf einer faserigen, trocken-hobelspanigen Bastmatte herum, der man sehr wohl anmerkt, daß sie von Generationen darauf in Form getrimmten Schülermauken, -puckeln und -podices zu jener gerade sich im eigenen Munde windenden Jämmerlichkeit herunter getreten, gewalzt und gewalkt wurde.
Geschmack: Und wie es sich für etwas, das „Wellness“ wenn nicht verspricht so doch zumindest heißt, gehört, schmeckt es auch. Nämlich nicht. Also, nicht nach nichts, das wäre ja noch zu verkraften, sondern eben ungut, unfroh, ungeliebt. Man schmeckt staubige Getreidereste, bitteren aber selbstgerechten Verzicht, die sich mit verhärmter, galliger Miene verkniffene Süßung, den herablassenden Blick auf alle die Disziplinlosen und Völlerer, die sich, sich gehen lassend, etwas gönnen und „ja“ sagen zu Leben und Pracht, wo doch „nein danke, für mich bitte nicht!“ die gebotene Antwort wäre, ja, man spürt den neidischen und tugendhaft spitzmundigen Blick der ausgezehrten Stoiker auf die aus dem Leim gehenden Bachhanal-Schwelger in Epikurs Garten mit denen einmal, nur ein einziges Mal, den Platz tauschen zu können, sie sich im tiefsten Herzen ihrer Herzen so sehnlich wünschen, wie ich, daß ich niemals wieder „Wellness“ erleben muß .
Fazit: Wenn DAS „Wellness“ sein soll, dann wünsche ich mir mit jeder Faser meines Leibes „Unwellness“!
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