Samstag, 8. Juni 2019

Riegelverkostung - Hraun (dunkel)


Die im folgenden zu testende Riegelware wurde von Jan „Stift“ E. beim Isländer erworben und mir für Begutachtungszwecke großzügig überlassen. Dafür Dank.

Was steht drauf:  56% Dökkt Súkkuladi

Hüftgoldfaktor: 144 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Isländisch ist eine sonderbare Sprache. Fremdartig ist es mit seinen sperrigen, schnarrenden, knarrenden Konsonantenkonglomeraten und doch klingt bisweilen Vertrautes daraus hervor. So wird es kein Zufall sein, daß auf einer dunkelbraunen Hülle mit mittig zentriertem hellbraunen Strahlenkranz braunumrandet der Name „Hraun“ prangt, der nichts anderes als „braun“ auf Isländisch heißen wird, zumal wir es hier ja laut violettem Infowimpel mit dunkler Schokolade zu tun bekommen werden. „Hraun“ könnte aber ebensogut der erdig klingende Name desjenigen Gottes sein, der im soeben von mir erfundenen isländischen Pantheon für die Fruchtbarkeit von Feldern und Schößen, für die gute Aussaat in der dicken schwarzen Erde und die Ernte, aber auch die umarmende Wiederaufnahme jener in sein Reich zuständig ist, die schon weitergegangen und ihre sterbliche Hülle zurückgelassen.
Und genau danach sieht Hraun auch im ausgepackten Zustand aus: lang und schlank, grobkörnig und mit aufgeworfener Krume, wie eine frisch aufgerissene Ackerfurche, tiefdunkelbraun wie die reiche, vulkanische Erde dieser ferngerückten, einsamen, beschenkten, kalten Insel, dessen Bewohner glücklich und wenig sind und wenig und glücklich zu bleiben wünschen. Hraun riecht bitter und süß wie das dunkle, gehonigte Bier, das der Sämann trinkt in tiefen Zügen wenn der Dämmer die Vesperzeit anzeigt.

Mundhaptik: Krachend, wie die Pflugschar in den schwarzen, mineralischen Boden fährt und ihn aufbricht, birst auch Hraun auseinander, wenn man ihn abbeißt. Die Zähne durchbrechen zuerst die unter dem dunklen Schokoüberzug fixierten und aufgereihten Cerealspheroiden und dann die darunter gestapelten und mit einer Schokocreme verklebten Waffellamellen, die dem Krachen sogleich ein kontrapunktisches Geknusper hinzutönen. Da die Creme und auch die dunkle Schokohülle von eher arider, jedenfalls nicht sonderlich schmierender oder weichzeichnenden Qualität sind, imponiert die Mundhaptik insgesamt eher trocken und  bröselschartig, was ja nur als Allegorie des Isländer Riegelschöpfers auf den Raubbau an der Natur verstanden werden kann, eine dunkle Prophezeihung, daß das emsig von Menschenhand verdorbene Klima dereinst selbst die Insel der Glückseligen heimsuchen, sie verdorren und vertrocknen, ihre Felder auslaugen und ihre Böden ausbluten lassen wird. Und Hraun wird machtlos und tatenlos zusehen und wenn alles vorbei ist, wird er unterpflügen, was von uns geblieben.

Geschmack: Ein Geschmack wie ihn der Isländer Zuckerrübenbauer wird zu schätzen wissen. Etwas süß von Malz und dem Saft aus dem Stück Rübe, das er kaut, etwas herb vom Schweiß, der ihm trotz der Kühle von der Braue auf die Lippe tropft, unaufdringlich, einfach und ruhend auf einem Fundament von der dunklen, harten, bittersüßen Schokolade, deren ihm sein Weib die Hjördis ein Stück in die Vespertasche gegeben hat, daß sie ihm im Zergehenlassen etwas Frohsinn schenken und ihn die Sehnsucht nach dem heimischen Herdfeuer am Abend gar recht deutlich spüren lassen möge.

Fazit: Hrauns Segen mit Dir. Möge Deine Erde dunkel, Deine Ernte reich und Deine Seele ein guter Samen sein.



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