Die im folgenden zu testende Riegelware wurde von Jan „Stift“
E. beim Isländer erworben und mir für Begutachtungszwecke großzügig überlassen.
Dafür Dank.
Was steht drauf: 56% Dökkt Súkkuladi
Hüftgoldfaktor:
144 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck:
Isländisch ist eine sonderbare Sprache. Fremdartig ist es mit seinen sperrigen,
schnarrenden, knarrenden Konsonantenkonglomeraten und doch klingt bisweilen
Vertrautes daraus hervor. So wird es kein Zufall sein, daß auf einer
dunkelbraunen Hülle mit mittig zentriertem hellbraunen Strahlenkranz
braunumrandet der Name „Hraun“ prangt, der nichts anderes als „braun“ auf
Isländisch heißen wird, zumal wir es hier ja laut violettem Infowimpel mit
dunkler Schokolade zu tun bekommen werden. „Hraun“ könnte aber ebensogut der
erdig klingende Name desjenigen Gottes sein, der im soeben von mir erfundenen
isländischen Pantheon für die Fruchtbarkeit von Feldern und Schößen, für die
gute Aussaat in der dicken schwarzen Erde und die Ernte, aber auch die
umarmende Wiederaufnahme jener in sein Reich zuständig ist, die schon
weitergegangen und ihre sterbliche Hülle zurückgelassen.
Und genau danach sieht Hraun auch im ausgepackten Zustand
aus: lang und schlank, grobkörnig und mit aufgeworfener Krume, wie eine frisch
aufgerissene Ackerfurche, tiefdunkelbraun wie die reiche, vulkanische Erde
dieser ferngerückten, einsamen, beschenkten, kalten Insel, dessen Bewohner
glücklich und wenig sind und wenig und glücklich zu bleiben wünschen. Hraun
riecht bitter und süß wie das dunkle, gehonigte Bier, das der Sämann trinkt in
tiefen Zügen wenn der Dämmer die Vesperzeit anzeigt.
Mundhaptik:
Krachend, wie die Pflugschar in den schwarzen, mineralischen Boden fährt und
ihn aufbricht, birst auch Hraun auseinander, wenn man ihn abbeißt. Die Zähne
durchbrechen zuerst die unter dem dunklen Schokoüberzug fixierten und
aufgereihten Cerealspheroiden und dann die darunter gestapelten und mit einer
Schokocreme verklebten Waffellamellen, die dem Krachen sogleich ein
kontrapunktisches Geknusper hinzutönen. Da die Creme und auch die dunkle
Schokohülle von eher arider, jedenfalls nicht sonderlich schmierender oder
weichzeichnenden Qualität sind, imponiert die Mundhaptik insgesamt eher trocken
und bröselschartig, was ja nur als
Allegorie des Isländer Riegelschöpfers auf den Raubbau an der Natur verstanden
werden kann, eine dunkle Prophezeihung, daß das emsig von Menschenhand verdorbene
Klima dereinst selbst die Insel der Glückseligen heimsuchen, sie verdorren und
vertrocknen, ihre Felder auslaugen und ihre Böden ausbluten lassen wird. Und
Hraun wird machtlos und tatenlos zusehen und wenn alles vorbei ist, wird er
unterpflügen, was von uns geblieben.
Geschmack: Ein
Geschmack wie ihn der Isländer Zuckerrübenbauer wird zu schätzen wissen. Etwas
süß von Malz und dem Saft aus dem Stück Rübe, das er kaut, etwas herb vom
Schweiß, der ihm trotz der Kühle von der Braue auf die Lippe tropft,
unaufdringlich, einfach und ruhend auf einem Fundament von der dunklen, harten,
bittersüßen Schokolade, deren ihm sein Weib die Hjördis ein Stück in die
Vespertasche gegeben hat, daß sie ihm im Zergehenlassen etwas Frohsinn schenken
und ihn die Sehnsucht nach dem heimischen Herdfeuer am Abend gar recht deutlich
spüren lassen möge.
Fazit: Hrauns
Segen mit Dir. Möge Deine Erde dunkel, Deine Ernte reich und Deine Seele ein
guter Samen sein.
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