Was steht drauf: ΣΟΚΟΛΑΤΑ
ΠΑΥΛΙΔΟΥ ΥΓΕΙΑΣ; ΓΚΟΦΡΕΤΑ ME ΣΟΚΟΛΑΤΑ ΥΓΕΙΑΣ KAI KPEMA KAKAO (genau das!)
Hüftgoldfaktor: 175
Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Mit
seinen zahlreichen, altmodisch wirkenden Abbildungen von Münzen und dem ovalen
winzigen Abbild der Akropolis (?) in der Mitte, den talarschwarzen
Riegelstangen zur Rechten, das ganze auf einem Hintergrund so makellos-tiefblau
wie ein kretischer Spätsommerhimmel und natürlich mit seiner
kryptisch-gelehrten Beschriftung erscheint dieser Hellenenriegel höchst gehoben
und orthodox. Im Geiste hört man ernste und entschieden bärtige Männer mit
schweren, halbgesenkten Augenlidern und kellertiefen Baßstimmen liturgische
Anrufungen in einer nur von scheidendem Abendlicht und schwarzen Kerzen
beleuchteten Basilika singen.
Als ich dann behutsam die Basilikatür auf und die Riegelhülle
herunterschob, vermochte ich mich eines Schmunzelns nicht zu erwehren: statt
von edlem Schwarz waren die zum Vorschein kommenden beiden Stangen ganz
gewöhnlich schokobraun. Zusammengebacken waren sie, abgestoßen, mit kahlen
Stellen abgeplatzter Schokolade und durch Partialschmelze ihrer ehemals
einheitlichen Oberfläche beraubt. Ein Schelm, wer im Innen & Außen dieses
Doppelbarrens den Übergang des Griechenlands der Antike zur Moderne läse.
Mundhaptik: So
wenig, wie der Grieche das Rad hat er mit diesem an und für sich nicht
ungewöhnlichen und in sehr ähnlicher Machart allerorten anzutreffenden
Waffel-Schokoriegel ein überraschend neues Mund- und Kauerlebnis erfunden. Doch
während man so im tendentiell bei diesen Dingern ja immer eher trockenen Waffelbruch
herumknautscht, der wenigstens durch die dünnen und zwischen die ingesamt vier
Waffellamellen eingezogenen Kakaocremeblätter etwas aufgelockert und
beigeschmiert wird, versteht man plötzlich und überkommt einen ganz notwendig
eine gewisse Rührung. Es ist diese Normalität, diese unprekäre Nonextremis in
diesem braven, einfachen Waffelgenäsch, die sich die Griechen in ihrem gesegnet
schönen aber ach so gebeutelten Land so sehr und inniglich wünschen. Diese
stolzen Leute, deren ferne Vorfahren so unermeßlich viel geleistet, kriechen
und buckeln jetzt schon so lange im Schatten des Euros, der das Land der
Griechen floh, nachdem er die Drachme gemeuchelt, daß ihre Augen trüb sind, die
Rücken rund, die Knie wund. Und das
Zerknuspern der Waffeln aus den ramponierten Stangen flüstert mir die Sehnsucht
nach Normalität zu.
Geschmack: Und
wenn man sich darauf einläßt, dem Flüstern folgt, tut der Horizont sich auf und
wird der Blick weit. Über dem zuerst noch kleinen, hundsgewöhnlichen
Geschmäcklein den diese Alltagskombination von Schoko und Waffel normalerweise
bieten kann, spannt sich mit fortschreitendem Kau- und enzymatischem
Aufschlußprozess allmählich ein Geschmacksbaldachin über einem auf, wo sich wie
am Nachthimmel über dem Peloponnes gar viel entdecken läßt. Plötzlich ist da
ein Aroma wie von Mokka, etwas Röstartiges, das die zuvor nur minderkomplex
wahrnehmbare Süße aufnimmt, differenziert und kompartimentiert, so daß man
Waffeliges und Schokoladiges nun getrennt aber zusammenklingend wie Bratsche
und Gambe in einem Quintakkord wahrnimmt, dazu kommt eine sekundäre aber
unleugbare Bitternote, die wunderbar abrundet und kontrapunktiert. Und mit dem letzten Bissen endet die Epiphanie, das Licht geht an und die Basilikapforte schließt sich wieder.
Fazit: Man muß
Geduld haben, mit diesem Riegel. Und mit den Griechen. Per aspera ad astra…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen