Samstag, 9. Juni 2018

Riegelverkostung - La Branche Originale

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von den Mädels der Zürcher-ForGe. Dafür Dank ;)

Was steht drauf: Praliné überzogen mit Milchschokolade und Haselnüssen - Cailler of Switzerland

Hüftgoldfaktor: 251 Kalorien dat Stück

Erster Eindruck: Entschuldigung, aber ich kann nicht anders, denn mein Französisch reicht aus, um den Hinweis zu verstehen: der Schriftzug mit dem Riegelnamen "branche originale" bedeutet: "Original-Arm", geschrieben in einer ungelenk wirkenden, klecksigen Schrift, wie sie mit vom Tode seines, des Armes, einstmaligen Besitzers noch klammen, steifen Fingern Frankensteins Geschöpf, für dessen Vollendung er diesen Original-Arm brauchte, schreiben würde. Dazu die metallisch-elektrisch blaue Hülle mit den beiden blitzsilbrigen Enden, die sofort an jenen (un)lebenspendenden Urfunken aus den tobenden Firmamenten denken läßt, den der Doktor entlang eines kunstvoll gelegten Leiters in jene Kreatur herabrief, der sie animierte und in ihr berüchtigtes und tragisches Dasein erweckte.
Unter der nach überaus unsachgemäßer und hyperthermer Lagerung (-was in voller Gänze mir selbst zuzuschreiben ist -) anpappenden Hülle kommt ein hellbrauner, knorrig und wegen des seine Oberfläche unregelmäßig durchstechenden Haselnußbruchs stollig wirkender, schlanker eher Finger oder Zweig als Arm zum Vorschein, der sogleich ein schokoladiges mit der typisch-stickigen Nougatkomponente angereichertes Aroma zur Wahrnehmung stellt. Angesichts der ausgemergelten, unfrischen Erscheinung dieses Ärmchens denkt man natürlich sofort an die mißliche und schlecht organisierte Situiertheit des illegalen Organhandels zum Zwecke prometheischer Todestransszendenz-Experimentalistik im 19. Jahrhundert und umso mehr wundert es einen, daß es Frankenstein, diesem Tausendsassa, tatsächlich gelungen ist.

Mundhaptik: Oha, was haben wir denn da? Steif, mit weicher Oberfläche, warm und hier und da eckig vom Nußholz fühlt sich ein Bissen des Originalarms an. Sofort stellt sich die Assoziation einer fremden, tauben Zunge, die schwer im eigenen Munde liegt ein. So muß es der Kreatur ergangen sein, als der künstliche Lebensfunke ihr die ersten Regungen in die schlotternden Glieder getrieben, das Licht seines Bewußtseins entzunden hatte und es, die fremde Zunge im fremden Munde noch ungestüm hin- und her und gegen fremde Zähne werfend, an den ersten lallenden Worten, am ersten "Wer bin ich?" würgte. Zerbeißt, zerdrückt und verspeist man den Bissen, klammert sich der Brei, die Creme, der Film, zu dem er wird, noch lange an Gaumen, Zunge und Rachen fest, wie eine totenstarre Hand, die nicht loslassen kann.

Geschmack: Groß und mächtig türmt sich der auf kleinsten Raum verdichtete, ja eingesperrte Geschmack dieses Riegels vor einem auf, in seiner schokoladen-nougatären Intensität nahezu überwältigend. Man läuft vor eine Wand aus Geschmack, an der sich zu orientieren man den Kopf in den Nacken legen muß, so hoch ist sie. Und doch ist da ganz in der Tiefe dieses Geschmacksgedröhnes etwas Mildes, etwas Sanftes ja fast Zartes, wie im tiefgekränkten Herzen jener riesenhaften, kolossalen Kreatur, die zur Einsamkeit verurteilt keinen Trost und kein Erkennen unter den Menschen fand. Solange man diesen Geschmack in sich hat, muß man stille stehn, innehalten, schmecken und nur schmecken und ihn, wie einen langsam mit schweren Schritten schreitenden Giganten an sich vorbeiziehen lassen. Wir schmecken ihn, doch er bemerkt uns nicht.

Fazit: Uff. Mächtig. Dieser Riegel hätte Prometheus genug Kraft gegeben, sich von seinem Felsen loszureißen. Nur für die ganz Hungrigen, die vom Tode auferstehen.




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