Freitag, 4. November 2016

Riegelverkostung - Wispa

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Kai J. und wurde von ihm höchstselbst von der Affeninsel importiert. Dafür Dank :)    


Was steht drauf: The tiniest bubbles, the biggest taste­­­­. Aerated Cadbury chocolate bar.

Hüftgoldfaktor: 199 Kalorien dat Stück (nicht 198, nicht 200).

Erster Eindruck: Eine gewisse kognitive Dissonanz bemächtigte sich meiner, bei der ersten Inaugenscheinnahme dieses unedlen und leichtgewichtigen (Namens)Vetters seines goldenenVorgängers, denn während die wie pralle knallrote weißumrandete Zirkusballons (das „a“ hat tatsächlich sogar ein kleines Ventil zum Aufblasen) wirkenden wispa-Buchstaben auf einem metallic-violetten Hintergrund unordentlich und so wenig seriös wie akademisch anmuten und am ehesten an die nachlässig ausgesägten und angepinselten Holzbuchstaben auf dem Kastenwagen eines reisenden Zahnreißers und Schlangenölverkäufers aus dem wilden Westen erinnern, wird man im gleichen Zug qua Aufschrift höchst präzise, gelehrt und superlativreich informiert, daß es sich beim vorliegenden um einen lufteinschlussdurchwirkten Cadbury-Schokoladenriegel bei minimaler durchschnittlicher Lufteinschlussgröße und maximaler zu erwartender Geschmackssensationalistik handle. Ja, dasisdoch irgendwie, …. ne?
Die partielle Enthüllung legt dann einen eher flachen, schwach oberflächenstrukturierten, trapezoiden Riegelkorpus frei, der sofort ein distinktes, einladendes Cadbury-Schokoladenaroma verbreitet.

Mundhaptik: Schon der erste Anbiß versetzt den geneigten Nascher ob der luftigen Leichtigkeit, die einem das Innere von wispa entgegenküßt, auf ätherisch zarten Schwingen in linde Wolkenhöhen, wo es einen nicht überraschen würde, einem weiß-gefiederten Fluggefährten zu begegnen, dem man darob etwa folgende Zeilen zuzu“wispa“n sich genötigt sähe:

Die Beschwingtheit, durch bereits Getanes
leicht und ungebunden hinzugeh’n,
gleicht dem eleganten Flug des Schwanes

und das Wispa, dieser Riegel der in Weiten
uns’res Munds das Schmelzen will erfleh’n,
seinem stolzen, leisen Hinwärtsgleiten,

durch die Lüfte, die ihn sanft empfingen
und sich glücklich unter seinen Schwingen
rauschend an ihn schmiegen, Flug um Flug,

während Wispa, köstlich, leicht und lecker,
den Schmausenden erhöht zum frohen Schmecker,
der dies Wort vergißt: es ist genug!

Die Anpreisung auf der Verpackung verspricht also nicht zu viel: selten (auch nicht bei einheimischen „Luftschokoladen“) naschte es sich so zart-luftig-fluffig-sähmig-schmelzend.

Geschmack: Über den Wolken, muß die Schoki besonders gut sein! Mit seiner fokussierten und zugleich sphärischen Schokoladigkeit und dem vollmundigen und zugleich sublimen Schmelz kann man den Geschmack dieses Luftikus unter den Schokoriegeln wohl nur vergleichen mit dem Erlebnis, das man genösse, wenn einem ein Luftelementar, das von einem enigmatischen und gefeierten Starpatissier und Teilzeitdruiden in milder Mondnacht unter einer Kakaopalme heraufbeschworen wurde, eine Nocke von dessen allerfeinster Mousse au Chocolat auf die Zunge tupfen würde. Als Soundtrack zum Riegelverzehr eignet sich Bachs berühmte Air, die natürlich nichts mit Luft zu tun hat, aber genauso gut klingt, wie Wispa schmeckt.

Fazit: Love is in the Air. 



Sonntag, 28. August 2016

Riegelverkostung - Snickers White

Was steht drauf: Limited Edition

Hüftgoldfaktor: behält man im Hause Snickers (wohl aus PR-Gründen?) lieber für sich

Erster Eindruck: Huch, ein Politikum! Dachte ich, als ich dieses arisch-weißen Bürschleins, das mir da zum Verzehr angetragen wurde, ansichtig ward. Nicht nur erinnert das in weißen Lettern auf einen Grund im Braun des Originals gesetzte „WHITE“ unter dem eigentlichen Produktnamen an die segregatorischen Gepflogenheiten jener unappetitlichen Epochen, in denen es tatsächlich ein Snickers nur für Weiße hätte geben können. Zusammen mit „Limited Edition“ wirkt „white“ natürlich auch wie ein Abgesang, wie die Ankündigung einer letzten, süßen Eulogie auf eine aussterbende, überholte und ohne die Erhaltungsbemühungen einiger unverdrossener Hobbykuratoren längst verblichen sein würdenden Art, für die dieser Riegelfreund das Naschwerkpendant einer schützenden aber zugleich ausstellenden Vitrine darstellt.
Wenn man ihm dann das Mäntlein auszieht, verstärkt sich der Eindruck arachaisch-musealer Vergänglichkeit gepaart mit dem wortlosen Vorwurf an uns Pigmentarme noch, denn auf dem falben Korpus finden sich nicht die vom Original bekannten unregelmäßigen Wellenkämme, sondern regelmäßig angeordnete Strukturen, deren ikonographisches Vorbild nur die wiederkehrenden Jagdwaffen der australischen Ureinwohner gewesen sein können, die ihnen doch keinen Schutz vor den fahlen Land- und Kinderräubern, die von der See kamen, verschaffen konnten.
Olfaktorisch bietet sich eine Mischung aus unverkennbarer Erdnussnote mit dieser immer leicht plastinösen, unecht weil imitiert wirkenden Geruchskomponente weißer Schokolade.

Mundhaptik: Wegen des dem Original sehr ähnlichen inneren Aufbaus, einer auf einer zwar weißen aber in ihrer Konsistenz von der originalbraunen nicht unterscheidbaren Candycreme getragenen Karamelschicht, in die halbe Erdnüsse eingebettet sind, das ganze umhüllt von weißer statt brauner Schokolade, ist die Mundhaptik dieses kleinen Schlemmeralbinos kaum von einem Wildtyp-Snickers zu unterscheiden. Einzig die nuancenhaften und eben vernachlässigbaren Unterschiede zwischen weißer und brauner Schokolade in Schmelz- und Fließverhalten, Kauwiderstand und Zahnhaftungstendenz könnten von einem Kenner erkannt und würden nur von einem üblen Eiferer und Ideologen bis zur Bedeutsamkeit hochgejazzt bzw. –genegermusikt werden. Und nur darum geht es hier: die Nichtigkeit der Unterschiede zwischen braun und weiß zu betonen, die doch hinter das gemeinsame Entsprungensein aus derselben gütigen, schattenspendenden und braun wie weiß nährenden Mutterpflanze wie eine kleinliche, pedantische und unbedeutende Randnotiz zurücktreten.

Geschmack: Nunja. Wie Snickers mit weißer Schokolade, halt.

Fazit: Der Michael-Jackson unter den Schokoriegeln. Muß man mögen, ist aber in weiß auch nicht schlechter oder besser als in braun.


In other words:
Jamona! This bar ain’t a thriller
it just lost a bit choclate and added vanilla.
Hooohoooo! *grabshiscrotch*




















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Donnerstag, 30. Juni 2016

Riegelverkostung - Wispa Gold

Was steht drauf: The Wispa you love witha a cheeky caramel layer

Hüftgoldfaktor: 265 Kalorien dat Stück.

Erster Eindruck: “Ah teras tak, jedna wispa!” dieser polnische Ausruf, der das schon länger erwartete aber zum Zeitpunkt seines Eintretens dann doch mit milder Überraschung zur Kenntnis genommene Sichtbarwerden eines Eilands am Horizont verbalisiert, war mir aus alten Zeiten offenbar noch engrammiert und muß nun durch die Begegnung mit dieser glänzenden Riegelware aus den neuronalen Tiefen aufgerufen worden sein. Zusammen mit „Gold“ und dem Güldenglanz der Verpackung, auf dem dieser Name in rundlichen blauweißrotumrandeten, prallen Lettern prangt, müßte man ein phantasieloser Staubling, ein innerlich erloschener Parallelogrammsortierer, ein pedantischer seelentoter Realitätsfluchtverweigerer sein, um sich nicht sofort auf eine von Piraten zur temporären unterirdischen Lagerung ihrer goldschweren Prisen heimgesuchte Schatzinsel versetzt zu wähnen, wo man im warmen, goldbraunen Sand steht, beschattet von einer symbolischen Palme, und dem vom gelb- ins rotgolden changierenden Sonnunterspektakel beiwohnt und während goldige Papageien umherflattern und die von den meist unvollständigen Freibeutern erlernten, rüden Apostrophen krächzen, genüßlich in einen Wispa Gold beißt.
Diese Epiphanie wird auch keineswegs aufgehoben, wenn man des Riegels Hülse öffnet, denn sein Korpus, der nicht nur Cadbury-schokoladigen Duft, sondern auch einen unterschwelligen Karrrrramel-Oberton freisetzt, könnte goldbarrrrrrrenförmiger nicht sein.

Mundhaptik: Eigentlich unspektulär. Der vergleichsweise flache Barrenkorpus gestattet die Unterbringung lediglich einer dünnen, spongiformen und im Vergleich zu an dieser Stelle oft vorfindlichen Standarrrrrrrdcandycremes eher starrrrrrrrren und steifen Schicht aus schokoladenhaltiger Masse, auf der das angekündigte, halbflüssige und goldene Karamell ruht und bei Abbiß durch die gönnerhaft dicke Schokoladenumhüllung garrrrrrr appetitliche Fäden zieht.

Geschmack: Gut, gut, nichts auszusetzen. Schokolade, Karamell und Schokoschwamm, hochwertige Zutaten, was soll da schiefgehen? Allein….. den inneren Seeräuberfilm angeschmacks dieses zwar braven aber doch so ganz und gar zahmen, berechenbaren, ja unpiratischen Geschmäckchens weiter im inneren Kino laufen zu lassen, bedarf es doch einiger Krücken und Kunstgriffe. Am ehesten entspricht dieses nie von rauher See und salziger Brise geküßte, nie von Entermessern und Belegnägeln malträtierte und stets den ranzigen Zwieback mit brennendem Rum herunterzuspülen verweigert habende Geschmackserlebnis dem verweichlichten, fimschigen Quartiermeister an Bord. So wie jener Zweitgeborene aus gutem Hause, der trotz weichem und angriffsunlustigem Wesen auf die schiefe Bahn und so eines Tages unter die Fittiche der Piraten geriet und dort nun seine bildungsbürgerlich erworbenen Lese-, Schreib- und Rechenkünste zur gerechten Aufteilung der Beute anzuwenden hat, sich aber ansonsten nicht mit den insgeheim verachteten Grobianen der Mannschaft gemein machen will, so wie jener verlorene, empfindliche Jüngling mit güldenen Locken, untraditionell vollständigen Sätzen von Händen, Füßen und Augen und einer blassen, salzfreien Haut, die er dem vornehmen Teint zuliebe penibel der Sonne unausgesetzt hält, so schmeckt Wispa Gold.

Fazit: Außen harrrrr und innen harrrrrmlos.




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Freitag, 8. April 2016

Riegelverkostung - Double Decker, Version 2.0

Die im folgenden getestete Riegelware wurde gesponsort von Kai J. und wurde von ihm höchstselbst von der Affeninsel importiert. Dafür Dank :) 
Es handelt sich überdies um die Neuauflage der Rezension eines Riegels, den ich vor mehr als drei Jahren schon einmal aß und bewertete. Ich bin selber gespannt, ob sich meine Meinung geändert hat.

Was steht drauf: “Soft on top with a crispy bottom - milk chocolate with a soft, chewy nougat & crunchy cereal bottom"

Hüftgoldfaktor: 250 Kalorien dat Stück.

Erster Eindruck: Wohlan, ein Riegel von (Über)format. Wenn man Double Decker so in der Hand wiegt, kommt er einem, verglichen mit bekannter Standardriegelware, wie ein veritables Brikett vor. Ist ja schließlich auch kein Einfach-Decker, sondern ein Doppel-Decker. Außerdem von Cadbury, wie dem violetten, entfernt comicunterseebootumrissförmigen Klecks auf der ansonsten unmißverständlich orangenen Umhüllung zu entnehmen ist, was schonmal eine anständige Schokoladenqualität erhoffen läßt.
Nach Entkleidung präsentiert sich der Riegel, vermutlich durch wenig liebevollen Transport, etwas angedetscht und aus dem Leim gegangen, es sind aber noch die beiden längsachsenparallelen Schokograte auf dem geschundenen Korpus zu erkennen, den der ruppige Umgang am Vorderende hat aufplatzen lassen. Irgendwie kam mir bei diesem Anblick und dem vorfindlichen Farbszenario die Assoziation einer feisten und behäbigen Schabe, die immer zuviel ihre Ess- und stets zu wenig ihre Laufwerkzeuge trainiert hatte und dann, eines Tages, als plötzlich heranbrandendes Licht, mit dem sich der Hausbewohner nach durchzechter Nacht noch bei einem kleinen Mitternachtsimbiss in seiner Küche heimzuleuchten suchte, ihren Fluchtreflex auslöste, nicht schnell genug davon huschen konnte und so ihr tragisches, aufplatzendes und Hämolymphe aus den cuticulären Bruchfugen herausquatschendes Ende unter einem Herrenschuh fand. Doch ich schweife ab, denn geruchlich hat der Doppeldecker rein gar nichts mit Schabenmölm oder Doppeldeckerabgasen, dafür viel mit lecker Schoki zu tun.

Mundhaptik: Aha, ja, in der Tat. Die Aufteilung von ca. 45 zu 55 Volumenanteilen der beiden Schichten, die das Innenleben des Riegels ausmachen, bildet sich auch recht präzise im Kaubild ab: Die obere Schicht besteht aus einer pastösen Candycreme, die die typische mundhaptische Komponente schaumiger Kauigkeit liefert, die untere Schicht hingegen ist ein schokoladärer Balken, der zugleich als Trägermedium für knuspervermittelnde dicht an dicht gedrängte Cerealspheroide fungiert. Beim Anbiss machen sich die unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften dieser Riegelphasen auch durchaus bemerkbar: die obere soft und geschmeidig, die untere hartleibig und knusperkrachend. Beim Kauen vermengt sich's dann zu einem nicht idealen Gesamtmundeindruck, da die Komponenten nicht recht zusammentreten und -wirken wollen. In etwa so, als würde man die Insassen eines britischen Doppeldeckerbusses zu einer Runde Ringelpietz mit Anfassen auffordern, bei dem oben die Crème der Gesellschaft bei bester Beleuchtung und Belüftung, angetan in pastellene Gewänder, bestäubt mit edlen Duftwässern und befasst mit oberflächlichem Konversationsgeplätscher breitbackig auf weichem Leder sitzt und unten, im Mief von Mauken, Schweiß und Motoröl beim dimmen Licht von 20W-Birnen die knorrigen, grobknochigen, schieberbemützten Arbeiter halb stehen, halb in den speckigen an der Decke angeschraubten Schlaufen hängen und auf ihrem Weg durch runtergekommene Viertel zum tristen Heim fragwürdige und nicht eben subtile Anekdoten austauschen. Es würde schon irgendwie gehen, aber man bliebe doch lieber unter sich. Und so schafft es dieser Riegel tatsächlich, halb schmierig und halb torfig im Mund zu imponieren.

Geschmack: Ich weiß ja nicht. Vielleich liegt es daran, daß dieser Kamerad nicht mehr der frischeste war oder weil durch die Bruchnähte eingedrungener Sauerstoff wenig feinfühlig mit den Aromen umgesprungen ist, aber irgendwie bleibt der Geschmack hinter den Möglichkeiten der Zutaten zurück. Mehlig und verschwommen-unscharf, etwas bräsig und irgendwie süßlich, mit hie und da noch schokoladigen und getreidigen Handreichungen. Wie ein alt gewordener Stutzer in verschoss'ner Tracht mit angelaufenen Epauletten, der im jungen Leben dem Ruhme nachgesehen und  nun muß doppelt sterbend untergehen, im gemeinen Staub aus dem er entsprungen, unbeweint, ungeehrt und unbesungen.

Fazit: Ein Doppeldecker der nicht mehr fährt, weil ihm nach zu langem Stehen der Motor abgesoffen ist. Man ahnt, was möglich gewesen wäre und ist umso trauriger um diesen Raub der Vergänglichkeit.










Dienstag, 3. November 2015

Riegelverkostung - Snickers Peanut Butter

Was steht drauf: “2 Squares filled with peanut butter, caramel & nougat and covered in milk chocolate - Now with 25% more peanut butter – save one for later”

Hüftgoldfaktor: 125 Kalorien, dat Square.

Erster Eindruck: Dieses arme Snickers muß was an der Leber haben, so gelb und knubbelig wie es daherkommt! Das dachte ich mitleidig, als ich diesen gedrungenen, doppelknolligen kleinen Speisekameraden für seinen großen Augenblick hervorholte, diesen ironischen Moment, in dem jenes „Kichert“  der Vollendung seines Zwecks und zugleich seiner vollständigen Vernichtung würde zugeführt werden. Durch die ungewöhnlich derbe, plastinöse Hülle lassen sich zweifelsfrei die beiden diskreten, batzenartigen, eckigen Verzehreinheiten palpieren und wenn man dann den ersten freisetzt, wofür deutlich beherzteres Hinreißen nottut als bei der fimschigen, mönchsbraunen Gugel des großen, besser bekannten Bruders, kommt ein schokoladiges, relativ glattflächiges, feistes Klötzchen hervor, welches irgendwie an aus den Fugen geratenes Konfekt erinnert.
Beim Geruch bleibt man traditionell und erwartungsgemäß und gestattet sich keine Kapriolen.

Mundhaptik: Hmm. Also diese Erdnussbutter - und ich sage das durchaus als Erdnussbutterenthusiast - ist ja mundhaptisch oft ein Problem, zu dessen Kompensation es allerhöchster Confiseurskunstfertigkeit bedarf, es kann also gelingen, muß es aber keineswegs  und in diesem speziellen Fall gerät die Komponente nachgerade zur Hypothek für das zu verkostende Riegelgut, für deren Sicherheit dringend ein grandioser Geschmack einzustehen hätte, doch dazu später mehr. Die wattig-trockene Kletsche der E-Butter ersetzt im Volumen hier zu gleichen Teilen die Erdnüsse am Stück, das Karammelfluidium und die Candycreme aus dem Klassikerriegel. Von allen dreien ließ man schon noch etwas übrig, aber beherrschend schwärt im Zentrum doch eine spacke Ader jener drüschen Nussschlotze. Daher kommt es, wie es so oft kommt: es fehlt an gleitender Schmatzigkeit, wird zu trocken-staubig-pappig und man malmt letztlich lustlos im hygroskopischen Elend herum und hofft auf Wiedergutmachung durch Geschmacksklimaxe.

Geschmack: Doch Fehlanzeige. Wie ebenfalls so oft, wenn ein Dilettant der Naschwerkkomposition mit so etwas heiklem wie Erdnussbutter sein Unwesen treiben darf, entgleitet hier auch der Geschmack. Man nimmt doch auch kein gut eingespieltes Symphonieorchester, wirft die Hälfte der Streicher, Holzbläser und die Pauke raus, um sie durch eine unflätige und ungeniert bratzende Blech-Horde samt Heavy-Metal-Schießbude mit getriggerten Doublebases zu ersetzen und wundert sich dann über das Ergebnis, wenn diese sich im Uffta-Uffta-Rhythmus Roberto-fucking-Blanco covernd durch die traurigen Reste dessen fräst, was die Überbleibsel der Originalbesetzung vom zweiten Satz der Pastorale noch zustande bringen. Obacht und nur, daß wir uns nicht falsch verstehen: absolut nichts gegen unflätige, laute Blechhorden, solange sie unter einem tiefen, riesenhaft erscheinenden Vollmond vor einem von tanzenden, wankenden Schwarzgewandeten liebevoll getragenen Sarg langsam durch die nach Zimt, Räucherstäbchen und Brathuhn duftenden, staubigen Straßen von New Orleans ziehen und dazu ein melancholisches Jazzlargo des Todes spielen. Aber so nicht!

Fazit: Wenn eines auf der Welt Jazz an falscher Stelle ist, dann ja wohl ein E-Buttersarkom in Snickers. Dassäh… geht nicht!




Freitag, 9. Oktober 2015

Riegelverkostung - Cow Tales

Was steht drauf: „Artificially Flavored Caramel Apple" (uh-oh)

Hüftgoldfaktor: 110 Kalorien dat Stück.

Erster Eindruck: Ja was bist Du denn für einer?! So ein kümmerlicher Murkel von einem Riegel, der vielmehr so eine Art schlankes, längsachsenrotationssymmetrisches Rölleken ist, geriet mir ja wahrhaftig noch gar selten unter die naschbereiten Griffel. Und die Merkwürdigkeiten erschöpfen sich auch keineswegs im Formate, denn überaus rätselhaft erscheinen auch der braunrot umrandete Name und die konkomitant auf die Hülle gedruckten Cartoons, die den braunen Schattenriß eines über einen rotumrandeten, weißäugigen und leicht zerdetscht daliegenden Halbmond qua Hopser hinwegsetzenden Milchviehs und eines halb von flüssiger Schokolade übergossenen Paradiesapfels, wie ihn Menschen meiner und vorheriger Generationen sowie Asoziale jeden Alters vom Rummelbesuch kennen.
Dazu der Name, der "Kuhgeschichten" bedeutet, aber ausgesprochen auch als "Kuhschwänze" verstanden werden kann, was aufgrund seiner Form zumindest etwas näherliegend wäre, stünde da nicht der Plural. Nun enthält das in dieses enigmatische Mäntlein gehüllte Naschwerk aber, glaubt man den aufgedruckten Ankündigungen, so gar keine (über wieviele Zwischenstufen auch immer) von der Kuh stammende Komponenten, keine Milch, keine Schokolade, kein Hack, kein Sirloin und kein gar nichts. Wasch soll das?
Es bleibt dem in dadaistische Verwirrung gestürzten Rezensenten mithin nur, schwurbulant herumzufabulieren, daß uns dieses Produkt offenbar die Mär von der Überwindung, also dem Sieg der (US-amerikanischen) Cow-Boys über den halbmondartig am Boden liegenden Mohammedaner aufbinden will .... und außerdem: Paradiesapfel mit Schoko.
Aus Verwirrung wurde nach dem Abstreifen jener fragwürdigen Hülle sogleich Verstörung, denn untermalt von höchst künstlichem und seine mangelnde Natürlichkeit durch penetrante Intensität ausgleichen wollendem Apfelgeruch ohne jede Karamellnote gafft einem unverhofft die blutrote Fratze eines augenlosen, mehlbestäubten Plattwurms aus einer feist durchfallbraun-glänzenden Karamellcuticula entgegen, denn genauso sieht der Riegel dieses Stänglein aus. Die Assoziation, daß einem ein derartig gestalteter Schädling aus der heimischen Mehldose entgegenquakt, während man gerade nichts ahnend einige Scheffel der beliebten Backzutat schöpft, um sie seinem im Entstehen begriffenen Kuchenwerk beizumengen, ist so potent, daß sie aus einem Gruselfilm stammen könnte.

Mundhaptik: Mmmhmmm, angenehm kauig mit genau richtiger abgemessener Zähigkeit. Nicht unähnlich, jedenfalls, wie Haribo-Lassos, nur eine Idee zarter und, ich vermute durch das Karamell, irgendwie auch leicht sähmig-cremig, was zu Beginn irgendwie unintuitiv und eine Spur beunruhigend wirkt. Man muß sich halt zwingen, nicht an zermalmten, blutroten Riesenwürmerbrei in der Goschen zu denken aber sobald man sich einmal an diesem Unbehagen vorbei in das Stangerl hineingekaut hat, ist's eigentlich recht angenehm, vielleicht so, wie wenn man zuerst zögert, sich in einen warmen, blubbernden Schlickpfuhl, dem sonderbare Dämpfe entfleuchen, zu setzen, es aber dann, wenn man erstmal drinhockt, ganz knorke findet.

Geschmack: Ja nun. Korrespondierend merkwürdig natürlich doch abermals nach initialem Geschmackskulturschock gar nicht mal so übel, sofern man kein grundsätzlicher Verächter ultraartifizieller Aromen in seinem Naschwerk ist, man nicht unbedingt auf harmonierende Geschmackskomponenten besteht und es einem gelingt, oben exemplifizierte Assoziationen im Keim zu ersticken. Unter dem Kunstapfel knattert lässig und untertönig ein nicht minder künstliches Karamellfähnchen und zusammen watschelt dieses ungleiche, bizarre Pärchen Arm in Arm und erhobenen Haupts vorbei an ungläubig dreinschauenden Geschmacksknospen in den Sonnenuntergang ... will meinen Schlund.

Fazit:  Joa wos woar jetzad noch des do herinnen? Mit anderen Worten:  Äh... wassäh?





Paradiesapfel mit Schoko
Kuh über Halbmond











mehliger Plattwurm

blutrote Plattwurmfratze



Samstag, 18. Juli 2015

Riegelverkostung – U-NO

Was steht drauf: „Rich creamy Chocolate – Rico Chocolate Cremoso“

Hüftgoldfaktor: 250 Kalorien dat Stück.

Erster Eindruck: Was will uns der Riegelschöpfer damit sagen? Das habe ich mich gefragt, als ich den Riegel in seiner an Alufolie erinnernden, silbrig-spiegelnden Hülle in Augenschein nahm. Ist das klug? Einem Riegel eine Verpackung anziehen, die den Esser in seine eigene vom Naschwunsch zerfurchte Fratze blicken läßt? Die großen weißen, blauunterlegten Buchstaben des Schriftzugs erinnern mich jedenfalls in Form, Farbe und Altbackenheit an die gute, altmodische BLOCK-Schokolade aus dem Backzutatenregal.
Und wie soll ich den Namen des Riegels verstehen? Soll er eine Anspielung auf das auf allen Campingplätzen dieses Planeten und in allen Ferienerinnerungen der Menschen meines Alters obligatorische Kartenspiel sein? Soll man es wie „You know“ aussprechen und wenn ja, wäre das doch aus philosophischer Sicht nicht überaus naßforsch? Man weiß ja vielleicht gerade, daß man nichts weiß. Qua Aufschrift aber zu suggerieren, daß man durch den Verzehr dieses spiegelnden Schlawiners zu einem Wissenden werde oder für die Inangriffnahme des Verzehrs gar bereits ein Wissender sein müsse, finde ich … sagen wir: keck.
Nun aber runter mit der Hülle: Ich hätte das gute Stück vielleicht essen sollen, bevor es mehr als einen Monat sein „best before“ überschritten hat und es eventuell auch nicht mehrmals in der Sonne schmelzen und erstarren lassen sollen. Sein arg ramponiertes Erscheinungsbild will ich ihm angesichts dieser Unbilden daher nachsehen. Sein intensiv schokoladiger Geruch weist jedenfalls auf hohe Kakaoanteile hin.

Mundhaptik: Als beiße man in eine Wolke. Leider in eine lauwarme, suppige Wolke aus Staub und Fett, die aus einem Kessel aufsteigt, in welchem übellaunige, arthritische und diabeteshalber einfüßige U-No-Hexen über einem prasselnden Feuer den armen Sarottimohren, nachdem sie ihn eigenhändig geschlachtet und entbeint haben, zu Sülze zerkochen. Was einem U-No, der unter der dünnen Schokohüllschicht vollständig aus jener elenden Schwammigkeit besteht, da in den Mund zumutet, hieße besser Oh-No und breitet sich rasch zu einer feisten, tranigen und auf schauderhafte Weise gaumenhaftsaugenden Pelzschmiere aus, die an die kränklichgelb ausgeflockten, öligen und schmatzenden Schwimmschäume aus den brackigen Becken übel beleumundeter Schmugglerhäfen erinnert, wo sie sich in der Peripherie spelunkiger Bierschwemmen-Hausboote um Abortrohre und Kombüsenverklappungsschächte herum ansammeln, im Takte der Gezeiten schwappen und wogen und irgendwann vermatscht mit grünen Algengespinsten an schimmeligen Molen pappenbleiben. Eigens zu betonen also, U-Nos Mundhaptik sei „unangenehm“, scheint daher so notwendig, wie fuderweise jener großäugigen Nachtvögel aus Batterien großrohriger Repetierhaubitzen in die hellenische Metropole der weißen Rosenherkunft zu ballern, wo im Angeschmack von U-No wohl selbst die Schaumgeborene Göttin einen Antrag auf Attributsänderung einreichen würde.

Geschmack: Jaja, sicher, die Schokolade schmeckt schon ganz unverkennbar vor und selbst die ruppige Behandlung, die ich meinem U-No-Exemplar habe zuteil werden lassen, haben den schieren Schokoladengeschmack nicht kaputtgemacht. Es schmeckt halt intensiv und nicht schlecht nach Schokolade, wie eine Mousse au chocolat in Riegelform. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Fazit: Man erlebt nicht alle Tage, daß einem ein eigentlich schöner Schokogeschmack von einer abenteuerlich widerwärtigen Mundhaptik kaputtzergruselt wird. Ein U-No-Verzehrtag ist ein solcher Tag.

 

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