Was steht drauf: Since 1936 – Hazelnut and hazelnut cream filled wafer covered with milk chocolate
Hüftgoldfaktor: 187 Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit diesem Riegel! Das dachte und empfand ich, als ich mich diesem Türkenschmaus zuwandte (und nicht nur wegen der leidigen aber präzisen Erinnerung an Frys Gaumenfolter): natürlich verbindet man heuer mit der Türken Land und Führer nicht gerade die besten Assoziationen und die Angabe „seit 1936“ als der etwas hiesigere aber ähnlich bebartete und demokratieaffine „Führer“ den Versailler Vetrag brach, macht es nicht besser. Es ist aber auch der überaus unheimliche Name dieses Riegels und die unheilvolle senf-pastelgelbe Farbe seiner Verpackung mit den schwarzen warntrachtartigen Querstreifen und das grobe Stück Sackleinen, auf dem er darauf abgebildet ist, das Unbehagen erzeugt. Ersterer beschwört im lebhaften Vorstellungsvermögen allein durch seinen Klang Bilder von Sardellen, Schrapnellen, Sarin, allerhand dermatologischen Unseligkeiten (Soren, Papeln, Schrunden und Pimpernellen) und einem mittelalterlichen Folterinstrument (so Ding mit verniedlichendem Namen, das einem irgendwo hingesteckt wird und dabei Unaussprechliches anrichtet) herauf – alles freilich wenig naschfreudig stimmende Dinge – letztere erinnert natürlich an Chambers' grauenhaften und unheilverkündenden „King in Yellow“ in seiner verfemten Kutte. Schnell fort mit der schrecklichen Pelle und einen unspektakulären, leicht unterformatigen, schokobezogenen, schwachgewellten Barren herausgezogen, der nur sehr dezent nach nicht höchstwertiger Schokolade riecht.
Mundhaptik: Man
bricht leicht durch die Ringkontur einer schwächlich ausgeprägten
Waffelhüllschicht, die für sich genommen eher verhärmt und hohl imponiert und
wohl lediglich dem riegelarchitektonischen Zweck dient, einen Hohlraum zu
bilden, auf dessen äußerer Fläche sich eine Schokoladenversiegelung der
gesamten Riegelstruktur anbringen und in dessen Innerlichkeit sich die
knochenmarksfarbene Haselnusscreme, die die Hauptattraktion von Sarelle ist,
unterbringen läßt. Außerdem liefert das trocken-reibende Zerbrechen der
Waffelschicht eine interessante perkussive Begleitung, sowohl mundhaptisch als
auch akustisch, für den Verzehr des pastösen Cremekerns. Das alles ist brav,
unspektakulär und in Anbetracht türkenriegel und -politischer
Negativantizipationen erleichternd unschrecklich.
Geschmack: Gar nicht mal so übel. Fast lecker eigentlich. Naja, doch, schon lecker. Wenn man erstmal Hülle und Angst zur Seite geschoben hat. Angenehm süß und nussig, vollmundig fast und gut ausgewogen. So wie die Türkei halt: vom äußeren Anschein und oberflächlichen Eindruck zu urteilen derzeit nicht wirklich einladend, ja eher abschreckend, mit all dem Säbelgerassel, der Megalomanie und ideologischen Vernageltheit des kleinen Manns vom Bosporus, der bärtigen Istanbulette, dem Zwergpinscher mit Riesenschnauzerego. Doch wenn man erstmal und trotzdem drin ist, ist es nicht nur gut auszuhalten, sondern schon sehr schön. Wenn man sich doch nur von der ganzen Häßlich- und Garstigkeit befreien und seine inneren Schätze wieder mit offenen Armen und Herzen der Welt darbieten könnte.
Fazit: Man soll ein Buch nicht aufgrund seines Umschlags, einen Riegel nicht aufgrund seiner Hülle und ein Land nicht aufgrund seines Tyrannen bewerten, heißt es. Macht man aber trotzdem oft und verpasst etwas. Wer aber hat Schuld daran?
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