Die im folgenden zu testende Riegelware wurde von Jan „Stift“ E. und Bunnyca G. beim Tschechen erworben und mir für Begutachtungszwecke großzügig überlassen. Dafür Dank.
Was steht drauf: Čoko; Sedita; s čokoládovou náplňou
Hüftgoldfaktor: 221
Kalorien dat Stück
Erster Eindruck: Ich
fand ihn irgendwo, s’war nicht in Mexico: „Aniiiiitaa!“, braun ist der Bar,
dazu’n Kaffe na klar „Aniiiiitaaa!“ – ich entschuldige mich natürlich in aller
Form für diese popunkulturelle Referenz, doch mein armes Hirn wußte sich
offenbar nicht anders zu helfen, als angesichts eines weiteren Tschechenriegels
auch noch im antizipierten und inzwischen wundrezensierten Waffelriegelformat
mit dieser Übersprungshandlung zu reagieren, während sich Flucht und Widerwille
gegenseitig blockierten. Daß sich das rechts oben aufgedruckte „Sedita“
(tschechisch für „Glückauf und allzeit eine handbreit Pilsener im Glas“,
vermute ich) auch noch plump auf „Anita“ reimt, half ebenfalls nicht, einer
Schlagerassoziation vorzubeugen. Wenigstens die Hülle ist ansprechend
gestaltet, halb silbrig, halb metallicbraun, mitten darauf groß „Anita!“ in
hübscher roter Schreibschrift und als Serviervorschlag seitlich zum sicherlich
etwas optimistisch, wenn nicht roßtäuscherisch dargestellten, hochglänzenden,
wohldefinierten Riegel ist dort eine feine Tasse Kaffee abgebildet, wie sie
auch gerade jetzt hier neben meinem Schreibgerät dampft.
Unter diesem Sonntagsnachmittagsausgehmäntelchen von einer
Riegelhülle wartet denn, so wenig überraschend wie jeder einzelne Schlagersong
auf der Welt, auch schon ein etwas ramponierter, sehr breiter, dafür flacher
und schokoumhüllter Waffelriegelkeil, den die Reisen, die er schon zu erdulden
hatte, mittig haben durchbrechen lassen. So geschrubbt und Feder gelassen
habend er auch aussieht, riecht er doch immer noch recht appetitlich, entdeckt
man doch Röstnoten und tiefes Schokoladiges in seinem Dunstkreis.
Mundhaptik: Es ist
halt immer dasselbe. Waffellamellen, dazwischen irgendsoeine schokolierte
Süßpaste, drumherum eine Schokohülle. Bla bla. Habe ich gefühlt schon
tausendmal geschrieben. Was dem Schlager seine klebrigen, oberflächlich
geschilderten, holprigen und mit peinlichen Plattreimen gespickten
Verliebenslieder sind
Ich war neulich ganz
allein und einsam beim Karate,
da sah ich plötzlich
sie, es traf mich wie ein Schlag: Renate.
Ich sah sie an, sie
sah mich an und dann, dann sah ich Sterne,
seitdem sind wir ein
Paar, das ist so wunderbar, ich hab Renate gerne
oder seine dümmlichen, verzuckerten und das abgrundtiefe
Elend dieser kaputten Welt einfach mit einer Schicht aus Verweigerung und
Selbstbetrug überkleisternden und gerade deswegen eigentlich todtraurigen „Hey
hey, ist das Leben nicht supi-dupi“-Lieder:
Wir machten Liebe in
Kalkutta und liebten uns im Tschad,
dort waren alle lustig,
gesund und froh und satt,
wir feierten in
Rußland und Venezuela,
dort waren alle frei
und reich und jeder rief „Hurra!“
das ist dem Schokowaffelriegel sein stets etwas trockenes
Knusperreiben, Bröseln und Krümeln im Mund, in das sich mal früher mal später
die jeweilige Schokoladenkomponente eindrängt, um für ein bißchen
Gleitfähigkeit zu sorgen. Mehr ist es nicht, ist es nie. So auch hier.
Geschmack: Ich
wiederhole mich, aber das tun diese verfluchten Schokowaffelriegel ja auch: die
oben geschilderte Zusammensetzung läßt einfach nur eine begrenzte Zahl
geschmacklicher Varia- und Permutationen zu und die Dinger schmecken, seien wir
ehrlich, alle doch ziemlich ähnlich. Also genau wie beim hier Inspiration
gebenden Schlager: Abwechslung, Herausforderung, Infragestellung, Neues,
Wildes, Unkomfortables wird nicht nur nicht gewünscht, es wird nicht toleriert
und gemieden wie flächendeckendes Internet von Deutschland. Alles muß immer der
gleiche vorhersehbare, stumpfsinnige, ecken-, kanten-, hirn-, eier- und
seelenlose, glattpolierte, massenkompatible, zuckersüße 4/4-getaktete und bei 1
und 3 klatschbare Einheitsbrei sein mit erbärmlichstmöglich paargereimten,
leicht eindrillbaren und wie Pech in den Hirnwindungen haftenden Texten.
Ich esse Anita, das
schmeckt mir wunderbar
Aniiiitaaaa!
Ich beiße in ihn rein,
das muß der Himmel sein!
Aniiitaaaa!
Dann kau ich darauf rum und singe „Dumdidum!“
Dann kau ich darauf rum und singe „Dumdidum!“
Aniiiitaaa!
Die Schoki schmeckt
mir gut, wie’s Schoki eben tut!
Aniiiitaaa!
Die Waffel knuspert
fein, Glück kann so einfach sein!
Aniiitaaa!
Und so weiter, Sie wissen schon. Das ist so unendlich
konventionell, daß es einem schon nach wenigen Sekunden so bekannt vorkommt,
als kennte man es schon immer. Und genau das wollen sie!
Fazit: Ein
Schokowaffelriegel namens Anita. Wenn Kotze Cordalis noch leben würde (falls er
nicht als Untoter irgendwo raumkraucht) würden die liftungshalber nicht mehr
schließbaren Schweinsäuglein in seinem Arschgesicht sicher heller leuchten als
die Sterne über der Akropolis.
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