Montag, 25. Mai 2015

Riegelverkostung - ToffeeCrisp

Diesen Freund nahm ich in einem English Store mit.

Was steht drauf: Nestlé ToffeeCrisp

 Hüftgoldfaktor: 196 Kalorien dat Stück

 Erster Eindruck: Hmmm, trotz seines auffallend signalorange gefärbten Mäntleins mit der braunumrandet gelben Sans-Schrift, die in ihrer glatten Rundlichkeit wohl schon zerschmelzendes Toffee andeuten soll, wirkte das Riegelchen irgendwie unscheinbar im Regal des Englandladens, wo ich es erwarb. Vielleicht so, wie eine in die Jahre gekommene Bordsteinschwalbe, die zwar noch immer auf diese Art des Broterwerbs angewiesen ist, sich aber zu ihrem eigenen Vorteil vom direkten Licht unter den Laternen fernhält, um im Zwielicht, das gütig mehr verbirgt als preisgibt, eine Illusion aufrechterhalten zu können, die im direkten ungnädigen Vergleich mit jüngerer, frischerer Auslegeware ver... nun..."puff"en müßte.
Unscheinbar, fast schon ein wenig Richtung billig ausgelenkt, ist auch der Schokogeruch, der sich nach Öffnung erst dann bemerkbar macht, wenn man ganz nahe heranriecht. Da ist etwas wenig wertiges, unvollmundiges, verbrauchtes, discountpralineskes in diesem Geruch. Passend dazu, daß der Korpus meines Exemplares schon beschädigt und aus einigen Rissen das Toffeefluidium ausgeblutet war und den Riegel mit der Umverpackung verbacken hatte, so daß er in seiner Hülle nicht verschieblich ist, sondern freigerissen werden muß. Der Korpus selbst ist unspektakulär geformt wie ein liegendes D, die Oberfläche jedoch von verstörender Unruhe, die an ungute Schäume oder unheilverkündende Vibrationswellenmuster erinnert.

Mundhaptik: Ein gezähmter, nein ein gebrochener Löwe: daran mußte ich als erstes denken, weil mich ToffeeCrisp kurz an Lion erinnerte und doch auch nicht. Zuerst durchbeißt man eine dünne Karamell- oder Toffeeschicht und dann tritt der "Crisp" in Gestalt von in ein nougatartiges Interstitium eingebetteten Cereal-Spheoriden in Erscheinung, die zwar leidlichen knispern und knapsern, jedoch unweigerlich eine unvorteilhafte Puffreis-Assoziation hervorrufen. Leider ist auch das interstitielle Nougat von unschmeichelhaft trockener, gipsiger Konsistenz, so daß sich insgesamt, bei völligem Fehlen eines etwa lionhaften Bißes, eine schmierig-pastöse, knusperdurchsetzte Zermalmungsmasse ergibt, die ungustiös und etwas ordinär aber jedenfalls konsistent mit dem randständigen Erscheinungsbild ist.

Geschmack: Es hätte so schön sein können, denn eigentlich passen die Komponenten gut zueinander und ist auch die Idee der Zusammenstellung eine schlechte nicht. Doch gut gemeint ist zu wenig für einen guten Riegel und so versickert das Potential von ToffeeCrisp ungenutzt durch die Lecks, die  minderwertige Zutaten und womöglich unsachgemäße Lagerung un mangelnde Frische in das mir vorliegende Produkt geschlagen haben. In der Folge wirkt der Geschmack verblichen und so unfrisch wie die Oberbekleidung eines Punkers, ja konjunktivisch, wie all die vergebenen und eben nur solche gebliebenen Möglichkeiten im Leben jener den Zenit überschritten und die letzte Umkehrmöglichkeit verpasst habenden, so heute nur noch aus dem Halbschatten heraus sich anbietenden Dame mit Penetrationshintergrund mit dem leicht zerlaufenen Kajal, verschmiertem Lippenstift, abblätterndem Nagellack und den Laufmaschen im Feinstrumpf, die auszubessern diese verzagte Sisypha, die ihren Kampf gegen den Gipfel verlor, einfach keine Kraft mehr hat.

Fazit: Was hätte alles aus diesem Riegel werden können? Er hatte soviel Potential! Und nun, sieh ihn Dir an: liegt herum, mit dieser ordinären Verpackung und muß sich jedem dahergelaufenen Esser anbieten wie ToffeeCrisp, um überhaupt noch mal in einen Mund gesteckt zu werden. Traurig, sowas.














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