Sonntag, 13. Juli 2025

Riegelverkostung – Winter’s

Die vorliegende Riegelnaschware wurde von der muy estimada Señora Jaqui aus dem Land der Inka importiert und mir zu Verkostungszwecken freundlichst zur Verfügung gestellt. Dafür Dank. 

Was steht drauf:  Flow; Barra con caramelo blando y maní, recubierta con cobertura sabor a chocolate

Hüftgoldfaktor: 240 Kalorien dat Stück 

Erster Eindruck: Ein Riegel also aus dem fernen Land im Süden Amerikas, das ich bereits staunend und nicht nur kulinarisch begeistert bereist, wo es sich phänomenal essen doch keinesfalls leben läßt und in dem der „Winter“, beginnend im Juni, nicht nur zur gänzlich falschen Zeit stattfindet, sondern qua relativer Äquatornähe von des Landes Lage auch gar nicht als solcher ernstzunehmen, mithin eher ein Winterchen ist. Schon ulkig also, einen Erdnussriegulanten trotz mangelnder Erfahrung mit selbigem ausgerechnet als „des Winters“ auf Englisch zu titulieren (für die Beschreibung hatte das Ingles dann aber nicht mehr gereicht). Aber die Wege des Peruaner sind sonderbar und so bettete er einen quaderförmigen Schokobarren mit quadratischer Querschnittsfläche in eine Papplade, die er in eine tiefbraune Plastehülle, der weißumrandetrot „Winter’s“ aufgeschrieben ist, stopfte, damit dieser den Weg auf meinen Tisch fände.

Der lange Transportweg ließ ihn auch bereits an einigen Stellen bersten und darob seine karamellfluiden Zähren in seinen Mantel weinen, darin sie ihn festklebten und nun, zusammen mit der Hüllschokolade, über das nicht mehr einladende Aussehen zumindest ein einladend Arömchen verströmt.

 Mundhaptik: Durch das sehr mundliche Format und die vergleichsweise schmale Aufbißfläche kann man „Winter’s“ recht kommod ein Stückchen abbeißen und sich unmittelbar hernach mit seiner merkwürdig zäh-klebrig-kauigen Mundhaptik auseinandersetzen, die am ehesten dem fädenziehenden Weichtoffeekern jener schokoumhüllten Bonbons mit derlei Füllung ähnelt, die packungshalber ausgelobte Nußfracht hingegen macht sich im Kaubild kaum bemerkbar. Es mag dies eine Allegorie auf des Lebens Mühsal in jenem Land im Schatten der Cordillere sein, wo man, auf der weichen Lade dieses Landes reicher Schätze diese doch nie zu erreichen vermag, gebunden und zurückgehalten von den unzähligen alten Banden aus Geschichte, Ranküne, Herkommen, Mißgunst und innerer Zerfressenheit, die an einem zerren und einem die Schritte schwer, das Fortkommen zäh und das Erreichen des Ziels fast unmöglich machen, oder auch einfach nur nachwerkherstellerisch mediokrem Vermögen zuzuschreiben sein.

 Geschmack: In Anbetracht einerseits der angepriesenen Bestandteile, der Packungsgestaltung und -farbgebung und des Namens (man beachte: auch hier zwei Silben mit den Vokalen i und e und ers am Ende) dieses Riegels und welchem berühmten Vorbild („Snickers“) er so offenkundig nachempfunden, doch andererseits auch des leider manifesten geschmackslahmen, -faden, -blassen, ja -gebrechlichen Endprodukts hätte Botho Strauß wohl eklatante „Fehler des Kopisten“ festgestellt. Dieses beklagenswerte Ding, dessen muffige, abgestandene, unpassionierte, undifferenziert irgendwie süße aber schoko- und manílos Geschmacksimitation jämmerlich in sich selber absäuft, ist selbst vom in Peru allerorten anzutreffenden Nachmachstandard  des „Casi original“ ähnlich unerquicklich weit entfernt, wie das, was der Peruaner „pan andino“ nennt, also jenes verbietenswürdige Produkt, das man erhält, wenn ein Häuflein Auszugsmehl mit Brackwasser und Backtriebmittel von einem aus einem verzageten Arsche fahrenden Trockenfurz zu jener für den menschlichen Verzehr denkbar ungeeigneten Abscheulichkeit zerbläht wird, mit…äh… Brot halt.

 Fazit:  Vermutlich wäre es für alle besser gewesen, wenn das Kommen dieses atomaren Geschmackswinters, wie weiland in Westeros eine immerwährend bloß angekündigte Drohung geblieben wäre.